Friedrichsfelde

Tierpark: Baumkänguru Nunsi bekommt männliche Gesellschaft

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Goodfellow-Baumkängurus im Tierpark: Tamilo (2, Foto) lernt bald die deutlich ältere Nunsi (15) kennen.

Goodfellow-Baumkängurus im Tierpark: Tamilo (2, Foto) lernt bald die deutlich ältere Nunsi (15) kennen.

Foto: Tierpark

Im Tierpark sollen Baumkängurus Nunsi und Tamilo für Nachwuchs sorgen. Nur noch 60 ihrer Art sind weltweit in menschlicher Obhut.

Berlin. ‚Hello Mrs. Robinson‘, wird sich Tamilo (2) vielleicht denken, wenn er zum ersten Mal die deutlich ältere Nunsi (15) im Tierpark kennenlernt. Während die erfahrene Baumkänguru-Dame in ihrem Leben bereits schon Bekanntschaft mit verschiedenen Verehrern machen durfte – alle Paarungsversuche blieben bisher allerdings erfolglos –, ist das Thema Fortpflanzung für das junge Männchen noch komplettes Neuland.

Anders als bei der pikanten Liaison aus dem Kultfilm „Die Reifeprüfung“ der 1960er Jahre, ist diese altersmäßig ungleiche Verbindung hier allerdings ausdrücklich erwünscht, denn: „Es geht ums Ganze!“, schreibt Zoo-Sprecherin Philine Hachmeister. Bei einer so stark gefährdeten Tierart wie dem Goodfellow-Baumkänguru – in menschlicher Obhut gibt es weltweit nur 60 Tiere – werde jede Chance auf Nachwuchs genutzt.

Tierpark: Wahrscheinlichkeit einer Fortpflanzung der Baumkängurus sehr gering

„Als Nunsi vor gut einem Jahr aus dem Zoo Duisburg zu uns kam, wähnten wir sie aufgrund der Gespräche mit den Kolleg*innen dort bereits jenseits des fortpflanzungsfähigen Alters“, erklärt Tierpark-Kurator Matthias Papies. In der Zwischenzeit konnte allerdings doch noch einen Zyklus bei der Känguru-Dame festgestellt werden, sodass die Ankunft von Tamilo eine letzte Hoffnung auf ein spätes Mutterglück für Nunsi wäre. Die Wahrscheinlichkeit, dass es tatsächlich klappt, sei allerdings sehr gering. „Einen Versuch möchten wir aber wagen“, so Papies.

Der junge Tamilo kam Ende Juli aus dem Zoo Belfast in den Tierpark Berlin. In den nächsten Wochen werden die beiden behutsam aneinander gewöhnt, bevor es tatsächlich zum ersten richtigen Date kommt.

Von 1975 bis 1989 waren erstmalig Baumkängurus im Tierpark Berlin zu sehen. Nach mehr als 30 Jahren war die Freude über die Rückkehr der Beuteltiere umso größer. Waren es damals noch die grauen Verwandten, bringen die Goodfellow-Baumkängurus mit ihrem rostroten Fell nun etwas mehr Farbe in das historische Alfred-Brehm-Haus.

Baumkängurus klettern geschickt und springen mehrere Meter weit von Baum zu Baum

Hier leben die Baumkängurus nun in einer Wohngemeinschaft mit den Neuguinea-Filandern. Goodfellow-Baumkängurus können geschickt klettern und mehrere Meter weit von Baum zu Baum springen. Anders als ihre berühmteren Verwandten in Australien sind sie zu weiten Sprüngen am Boden nicht in der Lage. Den Erdboden nutzen sie nur, um zu trinken und sich zu paaren – und gelegentlich zur Futtersuche.

Die Beuteltiere sind in den Bergregenwäldern Neuguineas Zuhause, ernähren sich von Blättern und Früchten und werden etwa 15 bis maximal 23 Jahre alt. „Seit 2020 ist der Tierpark Berlin nun Teil des weltweiten Erhaltungszuchtprogramms der Goodfellow-Baumkängurus und wir freuen uns, unsere Gäste in unserem neuen Regenwaldhaus für den Schutz dieser faszinierenden Tiere begeistern zu können“, berichtet Zoo- und Tierparkdirektor Dr. Andreas Knieriem.

Knieriem: Schwarze Baumkängurus werden in keinem Zoologischen Garten gehalten

Von den weltweit bekannten 14 Baumkänguruarten, leben zwei in Australien und 12 in Papua-Neuguinea. Während die Goodfellow-Baumkängurus stark gefährdet sind, ist die Lage für ihre Verwandten, die Schwarzen Baumkängurus sogar noch bedrohlicher. „Schwarze Baumkängurus werden in keinem Zoologischen Garten der Welt gehalten und damit existiert für diese Tierart keine Reservepopulation“, ergänzt Knieriem.