Altenheim Lichtenberg

Corona: Pfleger sollen trotz Symptomen gearbeitet haben

Zum massenhaften Corona-Ausbruch in einem Lichtenberger Pflegeheim werden Details bekannt. Der Betreiber wehrt sich gegen die Vorwürfe.

Nach zahlreichen Coronafällen in dem Lichtenberger Pflegeheim sind am Freitag 14 Bewohner in andere Einrichtungen verlegt worden.

Nach zahlreichen Coronafällen in dem Lichtenberger Pflegeheim sind am Freitag 14 Bewohner in andere Einrichtungen verlegt worden.

Foto: Jörg Krauthöfer / FUNKE Foto Services

Berlin. Nach Bekanntwerden eines Corona-Ausbruchs in einem Pflegeheim in Lichtenberg, bei dem seit Anfang Oktober zwölf infizierte Menschen gestorben sind, hat die Aufarbeitung der Geschehnisse begonnen. Seit der Verlegung von 14 Bewohnern in andere Einrichtungen am vergangenen Freitag prüft der bezirkliche Amtsarzt, ob die geltenden Schutzmaßnahmen in dem Pflegeheim von der Leitung umfassend eingehalten worden sind.

„Die Anzeichen verdichten sich, dass Mitarbeiter, die zwar nicht positiv getestet worden sind, aber Symptome hatten, zur Arbeit gekommen sind“, sagte Lichtenbergs Gesundheitsstadtrat Martin Schaefer (CDU) am Sonntag der Berliner Morgenpost. Der Amtsarzt untersuche die Lage derzeit weiter. Ein erster Zwischenbericht werde Mitte dieser Woche erwartet und veröffentlicht, so Schaefer.

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Betreiberfirma weist Vorwürfe des Bezirksamts zurück

Einer Kursana-Sprecherin zufolge liegen zu diesen Vorwürfen keine Hinweise vor. „Nach unserem Pandemieplan sollen bereits Mitarbeiter mit Symptomen zu Hause bleiben, bis sie einen negativen Test bekommen haben“, sagte sie der Berliner Morgenpost. Täglich gebe es Screenings und Temperaturmessungen, um Mitarbeiter mit Symptomen zu erkennen.

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Am Freitag hatte Lichtenbergs Amtsarzt einen „subakuten Pflegenotstand“ in dem von Kursana betriebenen Altenheim festgestellt. Eine angemessene Versorgung der 90 Bewohner konnte nicht mehr gewährleistet werden, da viele Pflegekräfte mit dem Coronavirus infiziert seien und ausfielen. 27 Bewohner und 17 Mitarbeiter wurden laut Bezirksamt positiv getestet. Außerdem gebe es drei weitere Kontaktpersonen der Kategorie eins.

Amtsarzt hatte „kleinere“ Beanstandungen in dem Pflegeheim

Mithilfe der Feuerwehr und des Deutschen Roten Kreuzes sind am Freitag 14 Bewohner in umliegende Pflegeheime und Krankenhäuser gebracht worden. Manche der Bewohner benötigen „Intensivbetreuung“. Zum Gesundheitszustand machte der Stadtrat am Sonntag keine weiteren Angaben. „Weitere Verlegungen von Bewohnern werden derzeit vorbereitet“, sagte er. Schaefer geht derzeit von weiteren zehn Personen aus, die aus dem Pflegeheim in andere Einrichtungen gebracht werden sollen. Das Gesundheitsamt stimme sich noch mit der Senatsgesundheitsverwaltung über das weitere Vorgehen ab.

Laut der Kursana-Sprecherin wurde der erste Bewohner des Pflegeheims bereits am 8. Oktober 2020 bei einem Krankenhausaufenthalt positiv auf das Coronavirus getestet. Seither stünde man „im engem Austausch mit dem Gesundheitsamt“. Am 5. November 2020 habe es eine Begehung mit dem Amtsarzt gegeben. Nach Angaben der Sprecherin hatte dieser „kleinere“ Beanstandungen. Es habe jedoch kein Prüfprotokoll mit umzusetzenden Maßnahmen gegeben, sagte sie weiter.