Förderprogramm

Großsiedlungen: Lichtenberg erhält die meisten Mittel

Sonderfonds soll Großsiedlungen in Randlagen berlinweit finanziell unterstützen. Lichtenberg profitiert mit fünf Gebieten am meisten.

Hohe Wohntürme und Plattenbauten bestimmen in einigen Teilen Lichtenbergs das Stadtbild. Hohenschönhausen ist gleich mit zwei Großsiedlungen auf der Förderliste vertreten.

Hohe Wohntürme und Plattenbauten bestimmen in einigen Teilen Lichtenbergs das Stadtbild. Hohenschönhausen ist gleich mit zwei Großsiedlungen auf der Förderliste vertreten.

Foto: Schoening / dpa

Berlin. Mit dem neuen Sonderfonds zur Förderung von Großsiedlungen steht Problemkiezen in Außenbezirken künftig mehr Geld zur Verfügung. 24 Großsiedlungen außerhalb des S-Bahn-Rings, die vor besonderen Herausforderungen stehen, erhalten künftig Fördermittel. Durch die architektonische Struktur und unter der hohen Anonymität leide oft das nachbarschaftliche Miteinander, heißt es in der entsprechenden Drucksache der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen. Mittels Integrationsmaßnahmen sowie Kinder-, Jugend- und Vernetzungsprojekten soll die Attraktivität von Großsiedlungen erhöht werden. Dafür sind 2020 und 2021 jeweils eine Million Euro vorgesehen, die auf die beteiligten Bezirke aufgeteilt werden.

Der Sonderfonds und der damit verbundene Betrag sei natürlich nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, sagt Sven Kohlmeier, Abgeordneter aus Marzahn-Hellersdorf (SPD), dessen Fraktion den Sonderfonds mit auf den Weg gebracht hat. Es sei ihnen vor allem darum gegangen, eine Auffangmöglichkeit für Problemkieze und ehemalige Quartiersmanagement-Gebiete zu schaffen. „Gerade die QM-Gebiete stehen quasi mit null da, wenn das QM-Programm ausläuft“, sagt Kohlmeier. „In Marzahn Nord-West etwa endet das Quartiersmanagement 2020 nach vielen Jahren. Hier geht es schlichtweg darum, dass aufgebaute Strukturen nicht kaputtgehen.“ Personal- und Sachmittel könne man von den weniger als 100 000 Euro, die auf jede Großsiedlung entfallen, ohnehin nur sehr bedingt finanzieren.

Integrationsmaßnahmen und Projekte für Kinder und Jugendliche

Geschaffen werden sollen in den Siedlungen Begegnungsorte für die Nachbarschaft. Freiwilliges Engagement ist ein wichtiger Stützpfeiler des Förderprogramms. „Es kann ein Verfügungsfonds je Großsiedlung eingerichtet werden, im Rahmen dessen kleinteilige Maßnahmen von Engagierten beantragt und finanziell unterstützt werden können“, heißt es von Seiten der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Auch ein Netzwerk zur Nachbarschaftshilfe sei denkbar. Menschen mit Migrationshintergrund sollen künftig besser in ihr Wohnumfeld integriert werden. Dazu können etwa Workshops zum Thema interkulturelle Kompetenz oder Diversität für lokale Akteure gefördert werden.

Auch Kinder und Jugendliche profitieren von den zusätzlichen Mitteln. Freizeit- und Bildungsangebote sollen geschaffen werden – mobil auf Spiel- und Sportplätzen sowie Parkanlagen oder als Hausaufgabenhilfe in Jugendfreizeiteinrichtungen. Besonders wichtig für Großsiedlungen: Die Aufenthaltsqualität soll sich verbessern. „So kann zum Beispiel durch Pflanzaktionen oder zusätzliche Bänke die Attraktivität von Grünflächen und Spielplätzen verbessert werden“, heißt es. Schließlich sollen sich die Bewohner selbst und ihre Bedarfe vermehrt einbringen. Für die Umsetzung des Verfügungsfonds soll daher ein Beteiligungsformat aufgebaut werden, beispielsweise eine Jury, in welchem die Bewohner der Großsiedlung über die Projekte mitentscheiden.

Fünf Großsiedlungen in Lichtenberg werden gefördert

Zehn Bezirke sind unter den Großsiedlungen vertreten. In Friedrichshain-Kreuzberg und Reinickendorf wurden keine Bedarfe festgestellt. Angeführt wird die Liste von Lichtenberg. Fünf Großsiedlungen profitieren vom Sonderfonds: Fennpfuhl, Frankfurter Allee Süd, Friedrichsfelde, Hohenschönhausen Süd und Hohenschönhausen 1-6. Von Folgemaßnahmen für ehemalige Quartiersmanagement-Gebiete, die Kohlmeier als Anstoßgeber für den Sonderfonds benennt, kann hier allerdings keineswegs die Rede sein. In Lichtenberg gibt es nämlich trotz teilweise schwacher sozialer Strukturen keine QM-Gebiete. Vor einigen Jahren gab es lediglich zwei Planungsräume, Falkenberg Ost und Rosenfelder Ring, die als Gebiete mit besonderem Aufmerksamkeitsbedarf klassifiziert waren, sagt Petra Rohland, Pressesprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen. „Diese Situation hat sich aber zwei Jahre später schon nicht mehr bestätigt.“

Die Ziele des Quartiersmanagement sind denen des Sonderfonds für Großsiedlungen jedoch ähnlich: Das Sozialgefüge in den Gebieten soll verbessert werden. In Lichtenberg werden bereits Anträge für die fünf Großsiedlungen vorbereitet. „Ich werde dem Bezirksamt vorschlagen, vor allem projektbezogene Anträge einzureichen, die das Miteinander, freiwillige Engagement und die Attraktivität der Kieze stärken“, sagt Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Linke).

Über 400 000 Euro für Projekte in Lichtenberg

Bei der Anmeldung von Projekten zur Förderung sind die Bezirke recht flexibel. Die Projekte dürfen eine Laufzeit von mehr als einem Jahr haben. Zudem erfolgt die finanzielle Aufteilung nach Bezirken, nicht explizit nach Großsiedlung. Lichtenberg stehen mit seinen fünf Großsiedlungen somit in zwei Jahren knapp 417 000 Euro zur Verfügung.

Gerade beschlossen, läuft das Förderprogramm auch schon an: Die Mittel sind bereits 2020 eingeplant. Da der Sonderfonds zum ersten Mal eingerichtet wird, soll begleitend eine Analyse der Problemlagen und Sozialstruktur aller 24 Großsiedlungen inklusive einer vertiefenden Untersuchung zur Lebensqualität und Bedarfen in vier exemplarischen Großsiedlungen durchgeführt werden, „um das Wissen über die Situation in Großsiedlungen allgemein zu verbessern“, heißt es. Welche exemplarischen Großsiedlungen eingehender untersucht werden, steht allerdings noch nicht fest.