Wellenwerk in Berlin

Surfen auf der höchsten künstlichen Welle der Welt

Auf der höchsten künstlichen Welle der Welt können Surfer ab Freitag in Berlin reiten. Anfänger wie Profis kommen hier weiter.

Surfen in der Lagerhalle

In Berlin-Lichtenberg eröffnet am Wochenende die erste künstliche Surfwelle der Hauptstadt.

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Ein Surfer befindet sich am 20. November im Becken des Wellenwerks, einer Indoor-Surfhalle in Berlin.

Ein Surfer befindet sich am 20. November im Becken des Wellenwerks, einer Indoor-Surfhalle in Berlin.

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Berlin hat seine erste Indoorwelle: Im Wellenwerk ist ab Freitag Surfen mitten in der Hauptstadt möglich. Ein ehemaliges Zwischenpumpwerk an der Landsberger Allee 270 in Lichtenberg beherbergt die mit bis zu 1,60 Metern höchste künstliche Welle der Welt.

Sieben Freunde und Jungunternehmer haben die Surfhalle konzipiert und gebaut. „Das Wellenwerk ist geeignet für Kinder und Jugendliche und bis ins hohe Alter“, sagt Geschäftsführer Kilian Hohls. „Auch Menschen mit Behinderungen lernen hier surfen.“ Im Wellenwerk können Fortgeschrittene und Profis trainieren, aber auch Kurse mit Haltestange und geringerer Fließgeschwindigkeit für gänzlich Unerfahrene werden angeboten.

Gerade für Anfänger ist die künstliche Welle ideal. Die Surfer treffen auf immer gleiche Bedingungen, sind nicht von Wind und Wetter abhängig. Auch der lokale Surfverein freut sich über die neue Halle. „Bisher machen wir meistens Trockenübungen, zum Beispiel mit dem Skateboard“, sagt Christian Reiher, erster Vorsitzender von Surfers Connection Berlin e.V. „Das hier ist ein super Lernumfeld und sorgt natürlich für viel weniger Frustration, wenn man noch nicht mal bis zur Welle paddeln muss.“

Indoor Surfen im Wellenwerk in Berlin: „Wir fühlen uns sehr gewollt, auch von der Politik“

Dem Plan vom Wellenwerk seien alle positiv begegnet, erzählt Kilian Hohls. „Wir fühlen uns sehr gewollt, auch von der Politik.“ Kooperationen mit Marken sind die jungen Gründer aber nicht eingegangen. „Wir haben Gespräche geführt, uns dann aber dagegen entschieden“, sagt er. „Wir wollten einfach unser eigenes Ding machen.“

Hohls ist eigentlich Jurist. Auch seine Kollegen haben beruflich mit Sport keine Berührungspunkte. „Im Team haben wir Köche, Juristen, BWLer und einen Ingenieur“, zählt der 28-Jährige auf. An einem grauen Wintertag sei die Idee zum heimischen Surfspot geboren. „Und seit August 2017 arbeiten wir jetzt an der Halle“, sagt Hohls fröhlich, der einige Zeit auf Bali gelebt hat.

Die Unternehmer haben bereits Erfahrung

Gänzlich unerfahren sind die Jungunternehmer jedoch nicht. Kilian Hohls leitet das Wellenwerk gemeinsam mit Robert Havemann. Beide haben mit der Velvet-Bar in Neukölln bereits ein Erfolgsprojekt auf die Beine gestellt. Erst vor Kurzem konnte die Cocktailbar den „Mixology Bartender of the year“-Award nach Berlin holen.

Auch im Wellenwerk entsteht an prominenter Stelle, hinter der moosbewachsenen Wand mit Wellenwerk-Logo, eine Bar mit Blick auf die Welle. „Die werden wir im ähnlichen Stil wie die Velvet-Bar gestalten“, verrät Hohls. Zusammen mit dem Restaurant und einem Surfshop eröffnet die Bar erst Anfang 2020. Dann werde es eine große Eröffnungsfeier geben, kündigt der Wellenwerk-Geschäftsführer an.

Im einstigen Wasserpumpwerk ist es trotz nasskaltem Novemberwetter sommerlich warm. Eine richtige Heizung gibt es allerdings nicht. „Das macht alles die Welle“, sagt Hohls stolz. Die Anlage wird mit Strom aus Wasserkraft betrieben, überschüssige Energie wird zur Erwärmung genutzt. „Wir versorgen auch die benachbarte Skydiving-Halle und ein Acht-Parteien-Wohnhaus.“

Faire Marken im Surfshop

Überhaupt ist den Wellenwerk-Betreibern Nachhaltigkeit wichtig. Bei allen Materialien habe man auf die Ökobilanz geachtet, auch im neuen Surfshop sollen nur faire Marken angeboten werden. „Außerdem ist es umwelttechnisch natürlich viel besser, nicht zum Surfen nach Portugal zu fliegen“, sagt Hohls. Knapp 40 Euro kostet im Wellenwerk die einstündige Surfsession, Leihmaterial und Surfcoach inklusive – sehr viel günstiger als ein Urlaub, meint er. „Ich finde, ein richtiger Surfurlaub lohnt sich eher, wenn man hier schon mal den Zugang gefunden hat.“ Im Wellenwerk kommt die nächste Welle bestimmt – und jeder, der will, auch dran.

Und was sagt der Profisport zur künstlichen Welle? Rosina Neuerer hat bereits einige Meisterschaften erfolgreich absolviert – indoors wie auf dem Meer. „Surfen lernen ist auf einer stehenden Welle wirklich einfacher“, sagt die 19 Jahre alte Studentin. „Und es hat schon Ähnlichkeit mit dem Meer.“

Indoor Surfen ist bereits an einigen Orten in Deutschland möglich. Mit dem Wellenwerk hat nun auch Berlin seinen eigenen Surfspot, gut zehn Autominuten vom Alexanderplatz entfernt.

Die Anschrift: Landsberger Allee 270, 10367 Berlin, Tel. 204 56 226 (werktags zwischen 9 und 17 Uhr). Eine Surf-Session für Anfänger (60 Minuten) kostet ab 38 Euro. Ein Surfkurs für Anfänger kostet ab 115 Euro. Mehr Infos: www.wellenwerk-berlin.de