Thailand

Wie ein Tierpfleger aus Berlin ein Camp für Elefanten baute

Bodo Förster, Tierpfleger aus dem Tierpark, hat in Thailand eine ganz besondere Attraktion aufgezogen - trotz vieler Rückschläge.

Dem Elefanten ganz nah: Trainer Bodo Förster. Auch Gebete bei den Touren gehören zum Programm.

Dem Elefanten ganz nah: Trainer Bodo Förster. Auch Gebete bei den Touren gehören zum Programm.

Foto: Elephant Special Tours

Berlin. An einem Novembermorgen im Jahr 1990 klettert ein 28-jähriger Mann mit schulterlangem Haar am Bahnhof Lampang im Nordwesten Thailands aus dem Nachtzug aus Bangkok. Im Gepäck hat er einen Rucksack, eine Postkarte und einen großen Traum: Bodo Förster, Tierpfleger aus dem Tierpark Friedrichsfelde, will Elefantentrainer werden. Er hat kaum Geld, spricht weder Englisch noch Thai.

Nur einen Satz hat er auswendig gelernt: „I am Bodo from East Germany and I want to ride elephants.“ Förster marschiert in die nächste Polizeiwache, deutet auf eine Postkarte, die ihm ein befreundeter schwedischer Elefantentrainer zugeschickt hat. Sie zeigt sein Ziel: das Elefantencamp Pang Lang, 60 Kilometer entfernt.

Knapp drei Jahrzehnte spricht Bodo Förster (57) in der Talk-Sendung „Lanz“ über sein Leben (ausgestrahlt am Donnerstag, ZDF-Mediathek). Mit einem Co-Autoren hat Bodo Förster seinen Weg auf 333 Seiten erzählt. „Ein Leben für die Elefanten“ heißt das Buch. Es ist die Geschichte eines Mannes, der sich seinen Traum erfüllt hat: ein florierendes Elefanten-Camp mit 40 Angestellten. Es ist auch eine Geschichte des Scheiterns: Schulden, Arbeitslosigkeit, Krankheiten, zerbrochene Ehen. Und zugleich eine Geschichte des Niemals-Aufgebens.

Förster schlägt sich in einem Trainingscamp durch

Wer das Leben von Bodo Förster begreifen will, muss aus Thailand zurück nach Berlin. 1987 heuert Bodo Förster beim Tierpark Friedrichsfelde an, das thüringische Saalfeld war seiner Frau und ihm zu klein geworden. Förster faszinieren die Dickhäuter, mit ihnen will der gelernte Landwirt arbeiten. Der neue Job beginnt mit einem Drama: Die Elefantenkuh Dashi greift ihn an, bricht ihm die Rippen, Besucher müssen Förster aus dem Gehege ziehen. Aus dem Krankenhaus marschiert er wieder ins Gehege, er weiß, dass er dieses Trauma nur so überwinden kann.

Bei „Lanz“ spricht der Elefanten-Trainer offen über seinen Unfall, Elefanten, sagt er, können töten. Diese Botschaft ist ihm wichtig, obwohl er die Dickhäuter so liebt. Förster wehrt sich gegen die Verniedlichung der Elefanten, geprägt durch Filme wie „Dumbo“ oder Serien wie „Benjamin Blümchen“.

Thailand ist weder Dumbo noch Blümchen. Sondern harte Arbeit. Förster schlägt sich durch, im Trainingscamp an der Seite der Männer aus dem Bergvolk der Karen, die seit Jahrhunderten Elefanten trainieren. Er stopft rohes Büffelfleisch und Frösche in sich rein, raucht mit den Karen abends Opiumpfeifen, trinkt Reisschnaps – wer sich als fremder weißer Mann nicht anpasst, hat verloren.

Zunächst geht sein Unternehmen in Thailand pleite

Nach zwei Monaten kehrt er nach Berlin zurück, die Wende hat ihm die Kündigung beschert, die neue Tierpark GmbH hat ihn nicht übernommen. Viel härter trifft ihn eine Krankheit. Förster kollabiert während einer Entzündung des Großhirns, ausgelöst durch einen Virus, er kämpft über Wochen um sein Leben.

Zwei Jahre später versucht er sein Glück erneut in Asien, vertraut beim Aufbau eines Elefanten-Camps den falschen Leuten, geht pleite, bevor sein Unternehmen durchstarten kann, seine Ehe scheitert. Förster gibt nicht auf, versucht es 1999 ein zweites Mal. Wieder Rückschläge: Die Pandemie mit der Lungenkrankheit Sars, Einbruch des Tourismus durch die Weltwirtschaftskrise. Auch Försters zweite Ehe zerbricht.

Auszeichnung vom thailändischen Tourismusministerium

„Für mich ist das Glas immer halb voll statt halb leer“, sagt Förster heute. Nach vorne schauen, nur darum gehe es. Und jetzt sei sein Leben einfach nur schön. Er hat sich längst wieder verliebt, mit seiner Frau Jana eine Tochter. Roger, ein Sohn aus erster Ehe, führt das Unternehmen, das zweitgrößter Arbeitgeber der Region ist. 2016 wird es vom thailändischen Tourismusministerium ausgezeichnet.

Und doch weiß Förster nach den vielen Rückschlägen genau, dass wirtschaftlicher Erfolg niemals ein Selbstläufer sein kann. Der Klimawandel beschert dem Camp seit drei Jahren extreme Trockenheit, das Wasser muss Förster aus zehn Kilometer Entfernung herankarren lassen – ein Elefant trinkt bis zu 150 Liter am Tag. Und die Flugpreise werden durch das Klimapaket steigen. Förster findet das richtig, obwohl er ahnt, dass die Fernreisen für viele Familien unerschwinglich werden könnten.

Diskussionen mit Tierschützern im Internet

Die größte Gefahr droht Förster indes ausgerechnet von denen, die die Tiere so lieben wie er. Tierschützer werfen Elefantencamps nicht artgerechte Haltung vor, mehrere Reisekonzerne haben Veranstalter, die wie Förster Elefantenreiten anbieten, aus dem Katalog gestrichen. In den sozialen Netzwerken diskutiert Förster mit Tierschützern, versucht zu erklären, warum es keine einfachen Lösungen gibt.

Auf dem Spiel stehen nicht nur viele Arbeitsplätze, sondern auch die Gesundheit der Elefanten, die man nicht einfach auswildern kann: „Der Elefant ist das einzige Lebewesen, das seinen Lebensraum selbst zerstört.“ Förster verweist darauf, dass in seinem Camp die Elefanten sich eben nicht zu Tode schuften, sondern nur wenige Stunden am Tag arbeiten: „Die Gesundheit der Tiere hat absolute Priorität.“

Wirklich böse wird Förster nur, wenn man ihm Folter vorwirft, ausgerechnet ihm, der sich um so viele misshandelte Elefanten kümmert. Dann zeigt Förster bei Vorträgen schon mal eine Gewehr-Attrappe und ruft: „Wenn Ihr meint, Ihr müsst meine Tiere erlösen, dann müsst Ihr das auf diese Weise tun.“