Bäume statt Wohnungen

Anwohner und Howoge kämpfen um Karlshorster Waldstück

Anwohner fordern, dass Bäume auf der Brache an der Waldowallee erhalten werden. Die Howoge will Häuser bauen.

Verlassen: das ehemalige Bundesamt für Strahlenschutz an der Waldwoallee in Karlshorst.

Verlassen: das ehemalige Bundesamt für Strahlenschutz an der Waldwoallee in Karlshorst.

Foto: Howoge

Berlin. Verlassene Plattenbauten, Büsche und ein Wald stehen auf dem Grundstück an der Waldowallee 115/117 in Karlshorst. Doch das bleibt nicht so. Auf der Brache will die Howoge 350 Mietwohnungen und eine Gemeinschaftsschule bauen. Das landeseigene Unternehmen ist seit Ende 2018 Eigentümerin der Fläche. Auch Grünflächen und Spielplätze sind vorgesehen.

Die Immobilie war bis 1998 Sitz des Bundesamtes für Strahlenschutz und ist seither ungenutzt. Vor dem Mauerfall arbeitete dort das Staatliche Amt für Atomsicherheit und Strahlenschutz der DDR. Das Areal ist rund sieben Hektar groß. Der Wald nimmt etwa zwei Hektar davon ein. Nun fordern Anwohner, dass er erhalten wird. „Bewahren wir das letzte Karlshorster Waldstück vor der Abholzung und machen wir es als Erholungswald für alle zugänglich“, heißt es in einem Einwohnerantrag, den eine Initiative derzeit auf den Weg bringt.

1000 Unterschriften für Einwohnerantrag benötigt

Doch sie will Wohnungen und Schule nicht verhindern. Das Grundstück sei groß genug für die Neubauten und den Wald, meint sie. Durch die vielen Bauprojekte der letzten Jahre seien große Teile des Baumbestandes und der Grünflächen zerstört worden, schreibt die Initiative zur Begründung des Einwohnerantrags. „Waldflächen haben eine große Bedeutung für das Stadtklima, die Reinhaltung der Luft, die Artenvielfalt und den Wasserhaushalt.“ Damit der Einwohnerantrag gültig wird, müssen ihn mindestens 1000 Lichtenberger unterschreiben, die 16 Jahre oder älter sind. Die Unterschriftensammlung habe im September begonnen, sagt der Karlshorster Volker Kühnhold. „Zum Jahresende wollen wir prüfen, wie weit wir gekommen sind.“

Auch die Bezirksverordneten haben sich mit dem Thema beschäftigt. Auf Antrag der Grünen hat die BVV beschlossen, dass die Biotope auf dem Grundstück nach Möglichkeit erhalten bleiben. Das Bezirksamt Lichtenberg und die Howoge wollen noch in diesem Jahr mehrere Büros zu einem städtebaulichen Wettbewerb einladen. Sie sollen geeignete Standorte für die Schule und die Wohnhäuser finden. Dieser Wettbewerb dauert voraussichtlich bis Anfang 2020. Sein Ergebnis wird die Grundlage für den Bebauungsplan „Waldowallee“ sein.

Die Öffentlichkeit werde umfassend informiert und beteiligt. Das Konzept, das für die Brache entwickelt wird, solle die vorhandenen ökologischen Strukturen des Areals berücksichtigen und, soweit möglich, integrieren, sagt Howoge-Sprecherin Sabine Pentrop. Die Bauten auf dem Gelände, darunter eine Poliklinik mit Bettenhaus, ein Hörsaal, eine Kantine und ein Technikgebäude, sind in schlechtem Zustand. Fast alle sollen abgerissen werden. Geprüft wird noch, ob der Hörsaal denkmalwürdig ist.