Stadtgeschichte

Roedeliusplatz wird zum Gedenkort

Sowjetisches Militärtribunal und Stasikeimzelle: Zur Schaffung eines würdigen Erinnerungsortes wurde nun ein Runder Tisch konstituiert.

Dominiert wird der Roedeliusplatz von der St. Antonius & St. Shenouda Kirche und dem Amtsgericht.

Dominiert wird der Roedeliusplatz von der St. Antonius & St. Shenouda Kirche und dem Amtsgericht.

Foto: BA Lichtenberg

Berlin.  1897 wurde der Roedeliusplatz, damals noch Wagnerplatz, Zentrum der Stadt Lichtenberg. Dazu wurde er mit Kirche, Gemeindehaus, Amtsgericht, Gefängnis und später Finanzamt bebaut. 1935 erfolgte die Umbenennung nach dem ersten Gemeindevorsteher des neuen Amtsbezirks Lichtenberg, Adalbert Roedelius.

Im Rahmen der aktuellen Planungen zur Neugestaltung des Stadtplatzes haben sich DDR-Aufarbeitungsinitiativen dafür eingesetzt, die Geschichte der dort angesiedelten Institutionen sichtbar zu machen und an deren Opfer zu erinnern.

So hatte die sowjetische Militäradministration nach 1945 am Roedeliusplatz ihre zentrale Militärgerichtsbarkeit. Auch das Ministerium für Staatssicherheit nutzte die Einrichtungen am Platz. Als Keimzelle und Postadresse diente dem Apparat das Finanzamt als Haus II.

Zur Geschichte des Platzes hat nun Lichtenbergs Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Die Linke) einen Runden Tisch konstituiert, der die Grundlagen für die Einrichtung eines würdigen Gedenk- und Erinnerungsortes schaffen soll.

DDR-Parteivermögen kann zweckmäßig eingesetzt werden

Unter Leitung des ehemaligen Gedenkstättenreferatsleiters der Senatskulturverwaltung, Rainer E. Klemke, der bereits den Runden Tisch und die Etablierung des Gedenk- und Erinnerungsortes Rummelsburg organisierte, werden nun ab März 2019 Historikerinnen und Historiker sowie Vertreter und Vertreterinnen der anliegenden heutigen Einrichtungen und der Stadtteilinitiativen sowie Opfervertretungen darüber beraten.

„Völlig neue Erkenntnisse“

Bezirksbürgermeister Michael Grunst begrüßt diese Entwicklung: „Wir haben im Vorfeld einen Forschungsauftrag vergeben, der sich mit der Geschichte des Platzes beschäftigen sollte. Uns liegen nun zum Teil völlig neue Erkenntnisse vor, die wir im Zuge des Runden Tisches vorstellen werden.“

Für die Realisierung des Gedenkortes konnten Mittel aus dem sogenannten Vermögen von Parteien und Massenorganisationen der DDR eingeworben werden. „Diese können wir meiner Meinung nach nun sehr zweckmäßig einsetzen.“