Rummelsburg

"Tag des guten Lebens" im Kaskelkiez

Keine Autos auf den Straßen, teilen statt kaufen: Jetzt beginnt die Vorbereitung diesen besonderen Sonntags im Mai 2020.

So sieht der Tuchollaplatz normalerweise aus. Im Mai 2020 sollen alle Autos für einen Tag verschwunden sein. 

So sieht der Tuchollaplatz normalerweise aus. Im Mai 2020 sollen alle Autos für einen Tag verschwunden sein. 

Foto: Rita Schulze

Berlin. Wie wäre es, wenn der öffentliche Raum einen Tag lang nicht dem Autoverkehr, sondern den Nachbarn gehören würde, die dann auf den entstandenen Freiflächen gemeinsam essen, reden, spielen, Kunst ausstellen, Sport treiben? Mit der Besonderheit, dass nichts etwas kosten, sondern nur verschenkt und geteilt werden darf? Diese Idee in Richtung Selbstbestimmung und Nachhaltigkeit konnte der Sozialwissenschaftler Davide Brocchi bereits 2013 in seiner Wahlheimat Köln Wirklichkeit werden lassen. Und das war so erfolgreich, dass der "Tag des guten Lebens" seitdem jährlich in wechselnden Stadtvierteln wiederholt wird.

Nun wird das 2017 mit dem Deutschen Nachbarschaftspreis ausgezeichnete Projekt, für das schon ein einziger Straßenzug ausreichen kann, auch in anderen Städten Schule machen. In Berlin ist der 17. Mai 2020 als so ein "Tag des guten Lebens" geplant. Dafür wurden neben dem Brüsseler Kiez im Wedding und dem Körnerkiez in Neukölln auch der Lichtenberger Kaskelkiez ausgewählt.

Autofreiheit als "coole Erfahrung"

Gerade in Rummelsburg versprechen sich die Macher wegen der abgekapselten Lage besonderen Erfolg. Auch gibt es im nahegelegenen Victoria-Center viele Parkplätze, die sonntags zur Verfügung stehen. Doch die beiden ersten Informationsveranstaltungen waren nur mäßig besucht, erst beim dritten Treffen Mitte Januar kamen etwas mehr Interessenten ins Familienzentrum Alte Schmiede an der Spittastraße.

Ein von Autos befreiter Kiez sei eine "echt coole Erfahrung", erzählte Stadtteilkoordinatorin Sabrina Herrmann, die die Leitung des Abends übernommen hatte. Dann ging es in die feinere Planung: Zu den verschiedenen Themen von Alternativ-Parkplätzen bis Kinderkonferenz bilden sich nun Interessen- und Arbeitsgruppen. Schließlich soll die Vorbereitung dieses Tages demokratisch, von unten nach oben, stattfinden. Und natürlich auch überparteilich, nicht eine einzelne Fraktion soll diesen Tag des guten Lebens für sich beanspruchen dürfen. BVV-Anträge sollen von allen demokratischen Fraktionen mitgetragen werden. Die Kosten für Straßensperrungen, Abschleppdienste und die BSR soll der Senat übernehmen.

Wer bei der Vorbereitung mitmachen möchte: Am 17. Februar findet um 17.30 Uhr im Stadthaus am Tuchollaplatz das nächste Treffen statt. Infoveranstaltungen für weitere Interessierte aus dem Kiez werden alle zwei Monate an wechselnden Orten stattfinden.


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