Berlin

Rummelsburg macht sich fit für den ICE4

Die Bahn investiert 145 Millionen Euro in das Werk im Berliner Osten. Ab Dezember wird dort die neueste Fernzug-Generation gewartet.

Ein ICE vor der Einfahrt in das Werk Berlin-Rummelsburg. Dort werden für die Deutsche Bahn täglich bis zu 65

Ein ICE vor der Einfahrt in das Werk Berlin-Rummelsburg. Dort werden für die Deutsche Bahn täglich bis zu 65

Foto: Jörg Krauthöfer

Mal rollt der Zug in umgekehrter Wagenreihung zur Abfahrt am Bahnhof ein, dann werden die Platz-Reservierungen nicht angezeigt, und schließlich ist auch noch die Toilette wegen eines Defekts gesperrt. Bahnfahren ist nicht immer das pure Vergnügen.

Diejenigen, die sich darum kümmern, dass die ICE möglichst ohne derartige Pannen auf ihre Fahrt gehen, haben in Berlin-Rummelsburg ihre Arbeitsstätte. Das Werk liegt zwei S-Bahnstationen weiter östlich vom Bahnhof Ostkreuz. Vor hier aus starten fast alle Fernzüge, die die Bahn ab Berlin fahren lässt. Ein zweiter Abstellort befindet sich noch in Grunewald.

In Rummelsburg kümmern sich fast 1000 Mitarbeiter rund um die Uhr und an 365 Tagen im Jahr darum, dass die Züge innen und außen geputzt, die Toiletten geleert werden und das Bord-Restaurant mit Nachschub versorgt wird. Bis zu 65 Züge werden täglich in Rummelsburg gereinigt, gewartet und repariert, bevor sie am nächsten Tag ab Berlin wieder nach Hamburg, Köln oder München fahren. „Eine große Herausforderung“, wie Heike Junge ehrlich zugibt. Die 35 Jahre alte Wirtschaftsingenieurin ist seit August vorigen Jahres verantwortlich für die Instandhaltung der ICE in Berlin und Leipzig. Ihre Zielstellung ist angesichts häufig beklagter Technik-Probleme bei fast allen ICE-Baureihen durchaus ambitioniert: „Wir wollen, dass die Züge ohne Fehler bereitstehen.“

Einst ließ die DDR-Reichsbahn hier Interzonenzüge reparieren

Um das zu erreichen, investiert die Deutsche Bahn rund 145 Millionen Euro in die Modernisierung des mehr als 100 Jahre alten Reparaturstandorts Rummelsburg. Knapp 41 Millionen Euro sind bereits in den Umbau der Wagenhalle geflossen, in der einst die DDR-Reichsbahn ihre Interzonenzüge reparieren ließ. Nun steht die Haupthalle des seit 20 Jahren bestehenden ICE-Werkes an.

Deren größtes Manko: Sie ist nur 210 Meter lang und damit zu kurz für den ICE4. Denn die zwölfteilige Version der neuesten ICE-Generation ist rund 350 Meter lang. „Das ist nicht gut für die Mitarbeiter, da sie ständig bei geöffneten Hallentüren arbeiten müssen. Besonders an kalten Wintertagen zieht ein eisiger Luftzug durch“, so Werkstattchef Andreas Milde. Schlecht sei die Hallenlänge aber auch für den Arbeitsrhythmus. Der müsse bei jedem Zug unterbrochen werden, wenn der erste Zugteil rausfährt und der zweite Zugteil hineinkommt. „Weil dies unter Strom erfolgt, müssen aus Sicherheitsgründen alle Arbeiten unterbrochen werden.“ Das koste Zeit und damit auch Geld.

Die neue Halle soll selbst für ICE-Doppelzüge groß genug sein

Die Bahn plant, die Halle auf 450 Meter zu verlängern. „Damit ist sie dann auch für ICE2-Züge in Doppeltraktion lang genug“, sagt Milde. Die zwischen 1995 und 1997 gebauten Triebwagenzüge sind pro Einheit 205 Meter lang, werden zwei Einheiten gekoppelt, wird der Zug 410 Meter lang.

Die Züge der vierten ICE-Generation verstärken seit 2017 die Fahrzeugflotte von DB Fernverkehr. Derzeit fahren sie vor allem zwischen Hamburg und München. Im Dezember soll der ICE4 auch in die deutsche Hauptstadt kommen – und auf der Schnellfahrstrecke Berlin-München eingesetzt werden. Trotz erheblicher Technikprobleme zum Start ist die rund zehn Milliarde Euro teure Neubautrasse für die Bahn eine Erfolgsgeschichte. Bereits in den ersten vier Monaten seit Inbetriebnahme der Direktverbindung durch den Thüringer Wald hat sich die Zahl der Fahrgäste auf rund 1,2 Millionen mehr als verdoppelt. „Die Strecke boomt. Alle Erwartungen wurden übertroffen“, sagt Alexander Kaczmarek, Bahnbevollmächtigter für Berlin. Auch die Qualität stimmt inzwischen: Mit einer Pünktlichkeit von über 90 Prozent liegt die Verbindung bei der Bahn deutlich über dem Durchschnitt.

Bahn setzt mehr Züge auf Schnellfahrstrecke ein

Die Bahn hat inzwischen auf die große Nachfrage reagiert. Sie wird, wie berichtet, ab Dezember die Zahl der Sprinter-Züge, die die Strecke Berlin–München unter vier Stunden zurücklegen, von drei auf fünf pro Tag und Richtung erhöhen. Damit ist eine zusätzliche Abfahrt am Morgen (nach derzeitigem Planungsstand: 8.05 Uhr ab Hauptbahnhof) und am Nachmittag (Abfahrt: 16.05 Uhr) möglich. Eingesetzt als Sprinter werden die bis zu 330 Stundenkilometer schnellen ICE3 mit bis zu 460 Plätzen. Der ICE4 bietet sogar bis zu 830 Fahrgästen Platz. Weil er aber nur Tempo 250 fahren kann, wird er ab Fahrplanwechsel im Dezember auf den etwas langsameren Verbindungen zwischen den Sprintern eingesetzt (Fahrzeit: rund viereinhalb Stunden).

Schon ab Anfang Mai will die Bahn auf der Strecke mehr Plätze am Wochenende anbieten. Bei einem Zugpaar wird durch Doppeltraktion die Sitzplatzanzahl verdoppelt. Zudem ist eine zusätzliche Verbindung geplant: Am Sonnabend geht es um 14.55 Uhr von München nach Berlin, am Sonntag geht es um 8.30 Uhr zurück nach München.

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