Die Opfer-Gedenkstätte im ehemaligen Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen wird als Dokumentationszentrum über die Verfolgung in der SED-Diktatur weiter ausgebaut. Zur Modernisierung des historischen Komplexes bis 2011 stellen Land Berlin und Bund insgesamt 16,2 Millionen Euro bereit. Beide teilen sich die Kosten.

Wie Berlins Kulturstaatssekretär André Schmitz (SPD) und Gedenkstätten-Direktor Hubertus Knabe mitteilten, sollen die Arbeiten 2009 beginnen – mit dem Bau einer Halle für eine Dauer-Ausstellung über die Geschichte des Gefängnisses. Dafür wird eine frühere Großküche aus der Nazi-Zeit – vom DDR-Staatssicherheitsdienst als Lagerhalle genutzt – zu einem 700 Quadratmeter großen, modernen Ausstellungszentrum umgebaut. Zur Gestaltung der Ausstellung hatte das Bonner „Haus der Geschichte“ bereits 2002 Ideen entwickelt. Knabe: „Wir verfügen schon jetzt über die bundesweit größte Sammlung von Exponaten zum DDR-Haftregime“. Gesucht würden noch weitere Gegenstände, die an die politische Verfolgung in Ostdeutschland und in der DDR erinnern. Dabei gehe es um Zeitzeugnisse ehemaliger Häftlinge und ihres Widerstandes.

Im Zuge des Umbaus der Gedenkstätte sollen auch eine Cafeteria, ein Foyer, ein Museumsshop sowie Räumlichkeiten für Bibliothek, Archive und Veranstaltungen entstehen. Schmitz geht davon aus, dass das Abgeordnetenhaus die Investitionssumme bewilligt. Auch aus dem Bundestag gebe es keine gegenteiligen Signale. Anfang Dezember will die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung den geplanten Umbau europaweit ausschreiben. Architekten, die über Erfahrungen im Umgang mit Gedenkstätten und Museen verfügen, können sich für die Teilnahme an dem Wettbewerb bewerben. Geplant ist später auch die Sanierung des Haftkrankenhauses.

Immer mehr Besucher kommen

Nach Angaben von Knabe haben sich die Besucherzahlen seit dem Jahr 2000 vervierfacht, was einerseits erfreulich sei, aber für die Gedenkstätte auch eine große Herausforderung darstelle. Während 2000 noch etwa 50.000 Besucher kamen, steuere man in diesem Jahr auf mehr als 200.000 zu, mehrheitlich Schüler. Knabe: „Dieser Erfolg ist besonders auf unser Konzept zurückzuführen, dass ehemalige Häftlinge durch das Gefängnis führen.“

Das solle auch so bleiben, zumal die Gedenkstätte Hohenschönhausen neben der einstigen Gefangeneninsel Robben Island in Südafrika weltweit die einzige sei, wo frühere Insassen die Führungen übernehmen. Damit stiegen aber auch die Kosten für die Vergütung von 238.000 Euro im Jahr 2004 auf etwa 410.000 Euro in diesem Jahr an, so Knabe.

Mehr Geld für die Gedenkstätte im Landeshaushalt 2008/2009 stellte Schmitz nicht in Aussicht. In den Jahren danach wolle er sich aber dafür einsetzen. Mittlerweile wurde der Eintritt für Erwachsene von drei auf vier Euro erhöht. Der kostenlose Eintritt für Schüler aber bleibt erhalten. Schmitz erinnerte in diesem Zusammenhang an die jüngste „erschreckende Studie“ der FU Berlin, wonach die meisten befragten Berliner Schüler so gut wie nichts über die SED-Diktatur oder die Stasi in der DDR wüssten. „Trotz der ausgezeichneten Berliner Gedenkstättenkultur in Sachen SED-Diktatur muss es wohl noch mehr differenzierte Angebote geben“, sagte Schmitz.

Hubertus Knabe hält es für „beunruhigend“, dass die Zahl der Schüler aus Berlin und Ostdeutschland unter den Besuchern der Gedenkstätte rückläufig bis mäßig ist. Dagegen steige die Zahl der Schüler aus Westdeutschland rapide an. So seien 2006 etwa 15.000 Schüler aus Bayern gezählt worden, aus Berlin aber kamen nur 7600.