Tiergarten

Schon oft umgezogen: Die Flora vom Rosengarten

Überall in der City West gibt es kleine Schätze, hinter denen manchmal durchaus eine spannende Geschichte steckt. So wie die Flora im Rosengarten

Die "Flora" mit ihrem kindlichen Begleiter ist zwar nur eine Kopie des Originals, aber auch sie passt sich wunderbar das satte Grün des Tiergartens.

Die "Flora" mit ihrem kindlichen Begleiter ist zwar nur eine Kopie des Originals, aber auch sie passt sich wunderbar das satte Grün des Tiergartens.

Foto: Sofia Mareschow

Manchmal wandern auch Statuen. Die Flora-Skulptur im Großen Tiergarten etwa. Sie gehört heute ganz selbstverständlich zum Rosengarten unweit des Großen Sterns. Inmitten einer Blumenrotunde auf hohem Sockel, vor dichter Baumkulisse, erwecken die Frauenfigur in antikem Gewande und ihr kindlicher Begleiter - ein so genannter "Putto" - den Anschein, als wären sie schon immer hier gewesen. Wer zu Füßen der Flora innehält oder auf einer der Parkbänke verweilt, um dem Vogelkonzert ringsherum oder dem Geläute des nahen Carillons zu lauschen, ahnt nicht, dass die Statue innerhalb des Tiergartens bereits mehrfach umziehen musste.

Die römische Göttin der Blüte und Jugend

Die Flora, eine der ältesten erhaltenen Tiergartenskulpturen, ist dem damaligen Trend folgend der antiken Mythologie entlehnt und stellt die römische Göttin der Blüte und Jugend dar. Der Nachwelt ist nicht bekannt, wer sie erschuf. Und nur ungefähr, wann: zwischen 1771 und 1796. Das Kunstwerk aus Sandstein und Granit wurde 1796 auf dem Floraplatz aufgestellt. Postkarten um 1900 zeigen es noch dort inmitten der üppigen, von hohen Büschen eingerahmten Gartenanlage des kreisrunden Platzes, der barocke Gestaltungskultur vermitteln sollte.

Verdrängt von der "reitenden Amazone"

Doch 1906 musste die Namensgeberin ihren Platz verlassen und der "reitenden Amazone" des Berliner Bildhauers Louis Tuaillon weichen, einer im Auftrag von Kaiser Wilhelm II. angefertigten bronzenen Kopie des in Rom erschaffenen Kunstwerkes, das seinerzeit für Aufsehen sorgte und dessen Original auf der Museumsinsel steht. Die Flora-Skulptur indes verbrachte die nächsten Jahrzehnte auf einer begrünten Lichtung in der Nähe der Rousseau-Insel, bis sie 1961 auf eine Wiese östlich der Hofjägerallee versetzt wurde. Das Original war inzwischen so stark beschädigt, dass es in den 70er-Jahren in einen geschützten Innenraum verlegt wurde. 1977 schließlich war die Sandsteinkopie von Fritz Becker, Harald Hacke und Dietrich Starcke fertiggestellt und kam in ihr neues Zuhause im Rosengarten.

Hier scheint sie wirklich angekommen zu sein, die Göttin der Blüte. Das Domizil der Rosen hat Tradition. 1909 vom damaligen Tiergartendirektor Felix Freudemann und Rosenzüchter Peter Lambert kreiert, wurde die während des Zweiten Weltkriegs zerstörte Anlage 1974 verkleinert wiederhergestellt, von 2003 bis 2005 umfassend restauriert und ist heute beliebt - bei Berlinern und Touristen. Nicht zuletzt der Winkel rund um die heitere Blütengöttin, die auch nach mehr als 200 Jahren Geborgenheit und Harmonie vermittelt - schlicht, unaufdringlich, unspektakulär. Und ein wenig geheimnisvoll.