Charlottenburg

Warum der Steinplatz derzeit ein kleines Gebirge ist

Die Wiedereröffnung als Parkfläche verzögert sich. Der neue Steinplatz soll am 30. Juni wieder der Öffentlichkeit übergeben werden.

Und der Freiherrr blicket stumm, um den ganzen Platz herum.

Und der Freiherrr blicket stumm, um den ganzen Platz herum.

Foto: Uta Keseling

Etwas ratlos schaut der namensgebene Freiherr derzeit über „seinen“ Steinplatz, der aussieht, als habe jemand den Nachnamen des Namensgebers wörtlich genommen: Der Steinplatz, benannt nach Heinrich Friedrich Karl vom und zum Stein (1757 bis 1831), wird umgestaltet – und das im Wortsinn Stein für Stein. Der Platz an der Hardenbergstraße war zuletzt ziemlich zugewuchert, öde Waschbetonkübel am Rand erzählen davon, dass die letzte Verschönerungsaktion schon etwas länger her war. Nun häufen sich verschiedene Sorten Erden und Pflastersteine wie ein kleines Gebirge auf dem Platz, dazwischen tiefe Löcher und aufgestapelte, „Schweinebäuche“ (Bürgersteig-Granitplatten).

Allein die Büste des Freiherrn steht mittendrin noch stolz auf ihrem Sockel. Im Spannungsfeld sozusagen zwischen den Mahnmalen für die Opfer des Nationalsozialismus, des Stalinismus und eines Tütenspenders für Hundehäufchen, die in die neue Gestaltung integriert werden sollen. Ein bisschen wirkt es, als wären Archäologen am Werk. Oder Bergleute, was passen würde, denn auch der Namensgeber begann seine berufliche Karriere einst im Bergbau, bevor er als Finanzminister und treibende Kraft der preußischen Reformen erst ins Exil und dann in die Geschichte einging.

Künftig soll nach den Plänen des Bezirks die nördliche Platzkante zur Hardenbergstraße hin weitgehend freigelegt werden, damit der Platz in Korrespondenz zu den gegenüberliegenden Universitätsbauten treten kann, einer zentralen Leitidee des Wettbewerbsentwurfs. Geplant sind Sitzmöglichkeiten, 15 Bäume werden neu gepflanzt. Zudem soll eine Rabatte mit saisonal blühenden Gräsern und Stauden gestalterische Akzente setzen. An der östlichen Platzseite entfallen 13 Stellplätze für Autos zugunsten einer vergrößerten Platzfläche, zusätzlicher Fahrradbügel und einer Möglichkeit, die Straße zu überqueren. Eigentlich sollte der Platz schon im Frühjahr 2018 fertig werden – wie es aussieht, wird es wohl etwas länger dauern – die Eröffnung ist für den 30. Juni geplant, sagt Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne).

Steinplatz letztmalig in den 50er-Jahren umgestaltet

Der Steinplatz wurde im Jahr 1885 als Schmuckplatz angelegt und in den 50er-Jahren letztmalig umgestaltet. Der aktuelle Zustand veranlasste das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf eine Umgestaltung anzustoßen. Ab dem Jahr 2014 organisierte das Bezirksamt mit dem Regionalmanagement City West mehrere Treffen, bei denen sich Anrainer und Anwohner einbringen konnten. Konsens der Gespräche war, neben dem Wegfall der Stellplätze, eine Nutzungsintensivierung, eine zeitgemäße Gestaltung und die Öffnung des Platzes. Dazu wurde 2015 der Wettbewerb „Campus meets Steinplatz“ für Studenten der Landschaftsarchitektur an der TU Berlin ausgelobt und durchgeführt. Der Siegerentwurf überzeugte auch die Nachbarn und das Bezirksamt. Die Umgestaltung des Steinplatzes wird durch rund 450.000 Euro aus dem Plätze-Programm der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen ermöglicht. Durch Sponsoring von Anrainern kann der Platz nach Angaben des Bezirksamts zusätzlich mit einer hochwertigen Möblierung ausgestattet werden.