Nach der Staatsoper ziehen die Kudamm-Bühnen ins Schiller-Theater. Ein Vorabbesuch mit Theaterchef Martin Woelffer.

Von Stefan Kirschner

Als Martin Woelffer die Litfaßsäule nahe des Schiller-Theaters entdeckt, ist er zufrieden: "Richtig plakatiert", stellt der Direktor der Komödie und des Theaters am Kurfürstendamm fest: An der Säule klebt ein Plakat , das für die "Tanzstunde" wirbt, die neue Woelffer-Inszenierung mit Oliver Mommsen, die später auch im Schiller-Theater gezeigt werden soll. Denn die Zeit am Kudamm läuft ab, Ende Mai ist dort nach fast 100 Jahren Schluss mit dem Theater. Die beiden historischen, von Oskar Kaufmann in den 1920er-Jahren entworfenen Bühnen werden abgerissen, weil der Eigentümer das Kudamm-Karree umbaut. Nach Abschluss der Arbeiten soll Woelffer dann zurückkehren, in einen Neubau. Und in der Zwischenzeit zieht der Boulevard ins zwar nahe, aber eben nicht an einer Flaniermeile gelegene altehrwürdige Schiller-Theater, das zuletzt der Staatsoper als Ausweichquartier diente. Ein Rundgang mit Martin Woelffer durch das künftige Domizil.

Aus dem Sprechtheater wurde ein Ausweichquartier

Wir treffen uns beim Pförtner. Die erste Frage liegt auf der Hand. Im Schiller-Theater inszenieren, geht da jetzt ein Traum in Erfüllung? Martin Woelffer lacht. "Na klar. Als das Haus noch Teil der Staatlichen Schauspielbühnen war, war es das erste Sprechtheater der Stadt." Aber die wurden 1993 abgewickelt, auch weil der Senat nach der Wiedervereinigung und dem Abbau von Arbeitsplätzen im Ostteil dort nicht auch noch ein großes Theater schließen wollte. Das Schiller-Theater wurde als Spielstätte und Veranstaltungsort vermietet, mittlerweile dient es als Ausweichquartier. Erst war das Maxim Gorki Theater ein Dreivierteljahr hier, von 2010 bis zum Sommer 2017 dann die Staatsoper.

Die Dimension des Schiller Theaters flößt Martin Woelffer nicht wirklich Respekt ein. Foto: Jörg Krauthöfer
Die Dimension des Schiller Theaters flößt Martin Woelffer nicht wirklich Respekt ein. Foto: Jörg Krauthöfer