Eine Ausstellung in der Villa Oppenheim entdeckt das Werk und das ungewöhnliche Leben der Charlottenburger Fotografin Gerda Schimpf neu. „Sehen lernen“ heißt eine Sonderausstellung im Kabinett der Villa Oppenheim, die sich ab Mittwoch, 15. Februar, dem Werk der Fotografin Gerda Schimpf (1913-2014) widmet. Zu sehen ist die Retrospektive bis zum 23. April. Gerda Schimpf porträtierte im West-Berlin der 40er- bis 70er-Jahre viele Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, darunter Künstlerinnen und Künstler wie Bernhard Heiliger, Eva Schwimmer, Karl Hofer, Heinz Trökes und Renée Sintenis. Auch die erste und bislang einzige Bürgermeisterin von Berlin, Louise Schroeder, hielt sie im Bild fest, ebenso bedeutende Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen.

Daneben wirkte Gerda Schimpf viele Jahre in der Berliner Prüfungskommission für die Gesellen- und Meisterprüfung für Fotografie. Von 1959 bis 1978 lehrte sie als Dozentin am Berliner Lette-Verein das Fach Fotografie.
Aus Dresden nach Berlin
1913 in Dresden geboren, wuchs Gerda Schimpf in Leipzig auf und absolvierte dort an der Lichtbildnerei Dore Bartcky eine Ausbildung zur Fotografin.

1937 zog sie nach Berlin und lebte bis zu ihrem Tod im Alter von 101 Jahren in Charlottenburg im Apartmenthaus am Kaiserdamm / Königin-Elisabeth-Straße. 1946 richtete sich die Fotografin ein eigenes Fotoatelier am Witzlebenplatz ein. Hier fertigte sie vor allem Pass- und Porträtaufnahmen, daneben entstanden aber auch Produktfotografien und andere Aufträge für Berliner Unternehmen, Geschäfte und Einrichtungen.
Selbstbestimmtes und eigenständiges Leben geführt
In einer Zeit, in der Unabhängigkeit und Berufstätigkeit für ledige Frauen keineswegs selbstverständlich waren, führte Gerda Schimpf als Künstlerin und Fotografin ein beachtlich selbstbestimmtes und eigenständiges Leben. Trotz langjähriger Beziehung zu Max Schwimmer – und einer lebenslangen Freundschaft mit dessen Frau Eva – heiratete sie nie und blieb kinderlos.

Die Kuratorinnen Christine Kahlau und Irja Krätke lernten Gerda Schimpf noch zu Lebzeiten persönlich kennen. Seit 2014 widmen sie sich der Erschließung ihres fotografischen und biografischen Nachlasses und gründeten dazu das Gerda-Schimpf-Fotoarchiv. Der Nachlass umfasst 12.000 Pass- und Porträtaufnahmen, private Aufnahmen, Briefwechsel mit verschiedenen Personen sowie die Arbeitsmaterialien Gerda Schimpfs. Christine Kahlau, Diplom-Soziologin, arbeitet seit vielen Jahren als Autorin und Künstlerin. Sie organisiert Lesungen, Veranstaltungen und Ausstellungen. Ihre Leidenschaft gilt der Fotografie sowie ungewöhnlichen Berliner Biografien. Irja Krätke, Philologin und Multimedia-Autorin, tätig im Bereich der Zeitzeugenarbeit und als Ausstellungskuratorin. Zuletzt hat sie die Exilfotografin Lore Krüger durch Ausstellungen in Berlin, Magdeburg und Paris bekannt gemacht.

