Die Berliner Schauspielerin Peggy Lukac macht sich auch als Designerin einen Namen: Sie entwirft eine farbenfrohe Mode aus traditionellen Stoffen und verkauft sie in ihrem Laden in Charlottenburg Von Anette von Nayhauss Manche Kunden kommen erst einmal nur in den Laden, um sich die Schauspielerin anzugucken. Die, die sie als „Inge Ebinger“ aus der ARD-Serie „Rote Rosen“ kennen. Sie wollen sehen, wie Peggy Lukac in Wirklichkeit aussieht und was sie macht, wenn sie nicht dreht.
Mode so spannend wie die Schauspielerin
Sie näht. Die Ergebnisse verkauft sie in ihrem Geschäft an der Steifensandstraße in Charlottenburg. Oft finden die Besucher die Jacken aus japanischen Kimonos, Tuniken, Schals, Schärpen plötzlich mindestens genau so spannend wie den Blick auf die Schauspielerin. Genäht sind die farbenfrohen Kleidungsstücke aus Stoffen und Stücken, die Peggy Lukac selbst zusammengetragen hat. Über Jahre hat sie ihre Stoffschätze in Schränken und Truhen gelagert, sich einfach nur an den Farben und Mustern gefreut. Bis sie vor ein paar Jahren fand, dass sie dafür eigentlich zu schade sind. Und sich an die Nähmaschine setzte.
Liebe zu den Stoffen
Dass daraus mal ein eigenes Geschäft werden könnte, daran dachte sie damals noch nicht. Erst einmal war es nur „die Liebe zu den Stoffen“, die sie aus der Kindheit mitgebracht hatte: In New York geboren, zog sie als Kind nach Wien, zur Großmutter, die dort einen Hutsalon führte, voller Stoffe und Bänder. Ein Paradies für eine Sechsjährige. Die Begeisterung war so groß, dass sie nach der Schule erst einmal als Kostümbildnerin arbeitete. Aber dann sei alles ganz anders gekommen, erzählt sie: „Da spielt man, ist da erfolgreicher, da hat man Kinder und muss eine Familie ernähren“ – sie wurde Schauspielerin.

In jeder Kiste sind neue Überraschungen versteckt
Inzwischen von Wien über London nach Berlin umgezogen, gründete sie die Theatermanufaktur mit, spielte an der Freien Volksbühne, am Renaissance- oder am Schillertheater, drehte für Film und Fernsehen, inszenierte selbst und führte Regie. Dazu die zwei Kinder – für die Stoffe blieb einfach keine Zeit. „Irgendwann erinnert man sich: Da war doch noch was.“ Peggy Lukac holte ihre Nähmaschine wieder hervor. Mit dem Ergebnis, einem Schal, reiste sie zu Dreharbeiten nach Schweden. Zum nächsten Dreh brachte sie fünf weitere Schals mit, „alle wollten die haben“, so fing das an. Erst einmal „eher so hobbymäßig“, vor sechs Jahren eröffnete sie mit einer Freundin an der Nehringstraße den ersten Laden.
Leben funkte wieder dazwischen
Drei Jahre lange verkaufte die Freundin Schmuck, Peggy Lukac ihre Stoff-Accessoires. Bis das andere Leben wieder dazwischenfunkte, mit den „Roten Rosen“ und täglichen Terminen vor der Kamera. „Das ließ sich nicht verbinden“, sagt sie. Jetzt dreht sie weniger, „nicht mehr fünf Tage die Woche“. Gleichzeitig war da dieser „wunderbare Laden“, an dem sie zufällig vorbeigelaufen war und den der Besitzer verkaufen wollte. Im Juni eröffnete sie dort zu ihrem 67. Geburtstag „Peggy Lukac Design“.
Ein Laden wie ein verwunschner Dachboden
Klare weiße Wände, große Fenster, heller Boden. Und trotzdem hat der Laden etwas von einem verwunschenen Dachboden, in dem in jeder Kiste, in jedem Schrank Überraschungen versteckt sind. Bei Peggy Lukac hängen sie unter dem Himmel eines indonesischen Holzbetts, sie sind über einen Barocksessel aus Wien drapiert oder eine aus einem Baumstamm geschnittene Bank. Viele Möbel sind Erbstücke, die 50er-Jahre-Deckenlampe hing früher bei der Schwiegermutter, den Schreibtisch hat der Sohn gebaut. „Das alles gebe ich nicht her“, sagt Peggy Lukac.

Opulente Muster früher nur für die oberen Zehntausend
Selbst von den Kimonos trennt sie sich nur schweren Herzens. Kunstwerke seien das, sagt sie. „Diese Farben! Und der gewagte Mustermix!“ Ganz vorsichtig nimmt sie ein Modell vom Ständer: „Aus den 20er-Jahren, handbemalt.“ An einer schlichten Jacke zeigt sie das farbenfrohe Innenfutter. „Ganz früher waren opulente Muster ausschließlich der Herrschaftsklasse vorbehalten“, erklärt sie. Aber die bürgerlichen Japaner hätten sich zu helfen gewusst und die Farben einfach nach innen getragen.
Beschäftigung mit traditionellen Gewändern
Seit Jahren beschäftigt sie sich mit den traditionellen Gewändern. Sie weiß, wie der Obi, der lange Stoffgürtel, gebunden wird, und welcher Kimono zu welchem Anlass getragen wird. Aber, das betont sie: Es gehe nicht um „Folklore“, sondern darum, aus dem traditionellen ein „heutiges Stück“ zu machen. Ihre Kimonojacken könne man zu Jeans tragen oder ins Theater, „die sind nie overdressed, aber immer besonders“.
Das Gespür, Stoffe, Farben und Ideen zu kombinieren
Ein „Japanladen“ soll ihr Geschäft ausdrücklich nicht sein. Die Stoffe für die luftigen Tuniken kommen aus Indien. Taschen und Kissen verkauft sie ebenfalls, zur Winterkollektion gehören Kragen, die sich über einem Pullover oder der Jacke tragen lassen. Dabei könne sie eigentlich gar nicht nähen, verrät Peggy Lukac. Eine Freundin gebe ihr Tipps, wie sie ihre Ideen am besten umsetzt. Das Gespür aber, wie sie Stoffe, Farben und Ideen kombiniert, bringt sie mit – auch aus dem Hutsalon der Großmutter.
Nähen als Gegengewicht zur Schauspielerei
Warum sie jetzt, in einem Alter, in dem andere in Rente gehen, noch einmal ganz neu anfängt? Sie komme aus Amerika, sagt Peggy Lukac, „da ist es ganz normal, noch etwas zu machen, auch wenn man älter ist“, ob man sich nun ehrenamtlich engagiere oder eben weiter arbeite. Und außerdem könne sie sich in die Arbeit mit den Stoffen so versenken: „Ich brauche ein Gegengewicht zur Aufgeregtheit zur Schauspielerei – und das finde ich hier.“

