Die Luisenkirche in Charlottenburg wird 300

Die Luisenkirche auf dem Gierkeplatz feiert am Sonntag 300-jähriges Kirchweihjubiläum. Sie ist die älteste Kirche Charlottenburg.

Die Luisenkirche auf dem Gierkeplatz feiert am Sonntag 300-jähriges Kirchweihjubiläum. Sie ist die älteste Kirche Charlottenburg. Auch ein Prinz hat sich angekündigt. Von Charlene Rautenberg Charlottenburgs älteste Kirche feiert 300-jähriges Kirchweihjubiläum. Wie damals im Jahr 1716 finden die Feierlichkeiten am 5. Sonntag nach dem Dreieinigkeitssonntag statt, der in diesem Jahr auf den 26. Juni fällt. Rund um die Luisenkirche soll es zu diesem Anlass festlich zugehen: Die Luisenkirchen-Gemeinde veranstaltet zusammen mit den 17 weiteren Gemeinden des Evangelischen Kirchenkreises Charlottenburg-Wilmersdorf ein Sommerfest auf dem Gierkeplatz, bei dem sich Einrichtungen und Gäste mit Aktionen an 60 Ständen präsentieren. Am Abend findet eine Festveranstaltung für geladene Gäste im Schloss Charlottenburg statt.

Vielfältiges Programm und königlicher Besuch

Neben Swing, Chormusik und Klassik auf der Bühne soll es ein vielfältiges Programm für Kinder mit Spielstraße, Straßenfußball und Pfadfinderzelten geben. Zum Auftakt der Feierlichkeiten findet in der Kirche um 12 Uhr ein Festgottesdienst mit Markus Dröge, dem Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz statt. Musikalisch wird der Vormittag von rund 250 Sängerinnen und Sängern aus den Chören des Evangelischen Kirchenkreises Charlottenburg-Wilmersdorf gestaltet. Auch Prinz Georg Friedrich von Preußen, 40, Repräsentant des Hauses Hohenzollern hat seinen Besuch angekündigt. Er wird während des Festgottesdienstes den Text der Grundsteinlegung noch einmal verlesen und darf die Geburtstagstorte für die Luisenkirche anschneiden. Seine berühmte Vorfahrin Königin Luise von Preußen ist seit 190 Jahren Namensgeberin des historischen Bauwerks.

Eng verbunden mit der Geschichte der Residenzstadt Charlottenburg

Als eine der wenigen Barockkirchen Berlins ist die Luisenkirche eng verbunden mit der Geschichte der Residenzstadt Charlottenburg und gleichzeitig ein Symbol für ihre engagierte Bürgerschaft. Im frühen 18. Jahrhundert hatten die Charlottenburger keine eigene Kirche, die Gottesdienste fanden im Wohnhaus des örtlichen Wirts oder in einem Wagenschuppen neben dem Rathaus statt. Für Taufen, Hochzeiten oder Begräbnisse mussten sie in ein benachbartes Dorf ausweichen. Das Beharren der Bürger auf ein eigenes Gotteshaus zahlte sich aus, unter den Augen vieler Berliner sei am 13. Juli 1712 der Grundstein für die Barockkirche gelegt worden, die von den Schlossbaumeistern Philipp Gerlach und Martin Böhme entworfen wurde.

Baumängel durch Sparmaßnahmen

Nach dem Tod König Friedrichs I., der das Bauprojekt finanziert hatte, bestieg Friedrich Wilhelm I. den Thron und machte mit seinen Sparmaßnahmen im stark verschuldeten Preußen auch vor der Luisenkirche nicht halt. Statt einem prächtigen Turm erhielt sie ein niedriges Holztürmchen. Uhr und Glocken stammen aus dem Rathaus. Schon bald machten sich Baumängel bemerkbar: Das Kirchengestühl und der Holzfußboden vermoderten und der Turm musste mehrmals saniert werden. Als er zu schwanken begann, sobald die Glocken läuteten, wurde er bis auf die Hälfte abgetragen und die Glocken wurden tiefer gehängt. Im Jahr 1823 baute Karl Friedrich Schinkel die Luisenkirche um und bescherte ihr den lang ersehnten Turm. Die Kirchengemeinde vergrößerte sich mit dem Wachstum der Stadt Charlottenburg im späten 19. Jahrhundert. Während des Zweiten Weltkriegs brannte das Gotteshaus infolge eines Bombenabwurfs der Alliierten im September 1943 aus. Hinnerk Scherper, damals Landeskonservator Berlins, setzte sich in der Mitte der 50er Jahre für den Wiederaufbau der Kirche ein. Den Innenraum rekonstruierte der Architekt Jochen Langeheinecke von 1987 bis 1988 und orientierte sich dabei an Schinkels einstigen Vorgaben.

„Hier ist einiges in Bewegung“

Neben der Architektur habe sich auch die Gemeinde im Laufe der Zeit verändert. „Zwar kommen wir gegen die Überalterung im Bezirk nicht an“, sagt Pfarrerin Anne Hensel, „aber hier ist einiges in Bewegung.“ Sie selbst ist Teil des neuen Lebens in der Luisenkirche, vor drei Monaten trat sie dort die Pfarrstelle als Nachfolgerin von Pfarrer Stephan Kunkel an, der vor seinem Ruhestand über drei Jahrzehnte in der Kirchengemeinde wirkte. Die sieben ältesten der knapp 5800 Gemeindemitglieder sind bereits über 100 Jahre alt und schätzen die traditionsreiche Kirche im Bezirk. „Es ist für viele ein symbolischer Ort“, sagt Anne Hensel. Jedoch steht für sie nicht das Gebäude, sondern der Mensch in Vordergrund. Oder „Bodenpersonal“, wie sie mit einem Schmunzeln sagt. Neben den Alteingesessenen prägen Jugendgruppen das Gesicht der Luisenkirchen-Gemeinde. Auch für die Jüngsten soll Platz geschaffen werden. Dazu soll der Spielplatz des anliegenden Gemeinde-Kindergartens auf der bisher genutzten Fläche im Rund der Luisenkirche baulich erweitert werden. „Da ist immer Halligalli“, sagt die Pfarrerin. Ihr kommt ein Zitat in den Sinn: „Tradition heißt nicht, die Asche anzubeten, sondern das Feuer weiterzutragen.“

Informationen

300 Jahre Luisenkirche - Kirchweihfest und Sommerfest des Kirchenkreises Charlottenburg-Wilmersdorf Ort: Gierkeplatz 4, 10585 Berlin Zeit: Sonntag, 26. Juni 2016, 12 bis 18 Uhr.

Programm

12 Uhr Festgottesdienst 14 Uhr Sommerfest mit Kinderprogramm 17.15 Uhr Rockmesse, Open Air-Gottesdienst

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