Ruhestand für Kiezkater Zappa

Der Kneipenstar vom Savignyplatz, der Kiezkater Zappa, muss sich nach einer Tierquäler-Attacke zurückziehen. Wie es ihm heute geht.

Der Kneipenstar vom Savignyplatz, der Kiezkater Zappa, muss sich nach einer Tierquäler-Attacke zurückziehen. Wie es ihm heute geht. Von Charlene Rautenberg Er war berühmt für seine Rastlosigkeit, bis sie ihm zum Verhängnis wurde. Der 14-jährige Kater Zappa liebte es, auf Entdeckungstouren durch seinen Kiez rund um den Savingyplatz zu schweifen. Etwa eineinhalb Stunden war er dann unterwegs und besuchte benachbarte Geschäfte, wie etwa eine Apotheke und ein Möbelhaus. Auch Sätze wie „Steht der Kater auch zum Verkauf?“, musste er sich gefallen lassen. Zappa war es gewohnt im Mittelpunkt zu stehen. Seit mehr als zehn Jahren ist der Kater Stammgast im Lokal „Zwiebelfisch“ am Savignyplatz und genießt mittlerweile Kultstatus.

Steigender Geräuschpegel schreckte Zappa nicht

Nach seinen Spaziergängen kehrte er dort in den Abendstunden ein, ließ sich streicheln, fotografieren und hörte sich an, was die Zweibeiner zu später Stunde bewegte. Wo sich andere Artgenossen zurückziehen, ließ sich Zappa vom steigenden Alkohol-und Geräuschpegel nicht beeindrucken. Das Lokal war sein Zuhause geworden, in dem er Futter, Trinken und einen Schlafplatz fand.

„In der Nacht zum ersten Mai dauerte seine Runde länger als gewöhnlich“, erinnert sich Sabine Markwitz, die sich während ihrer Nachtschichten im „Zwiebelfisch“ um den Kater kümmerte. Erst nach zehn Stunden kam Zappa zurück – mit zugequollenen Augen. Sie brachte den Kater zum Nottierarzt, der vermutete, dass Zappa jemand Reizgas oder Pfefferspray in die Augen gesprüht hat. Daraufhin warnte Sabine Markwitz andere Tierhalter rund um den Savignyplatz vor dem Tierquäler.

Das Ende der Kieztouren

Für Flaneur Zappa war es das Ende seiner Kieztouren. „Das können wir nicht mehr verantworten“, sagt die Katzen-Liebhaberin. Ab jetzt lebt er in der Wohnung von Sabines Kollegin, gleich gegenüber vom „Zwiebelfisch.“ Dort sei er gut versorgt. Eine „Sieben-Sterne-Seniorenresidenz“, witzelt Markwitz. Der Kater sei auf dem Weg der Besserung, das linke Auge habe sich wieder erholt. Ob er auf dem Rechten je wieder sehen kann, ist unklar. Arztbesuche anstelle von Kneipenabenden. Wie so oft nehme es der berühmte Kiez-Kater mit Gelassenheit. Die kommt ja bekanntlich mit dem Alter.

Von Kneipenbesuchern vermisst

Sein leerer Lieblingsplatz auf einem Podest im „Zwiebelfisch“ und seine ausbleibenden Kieztouren sorgen derweil für Gesprächsstoff. „Wir werden ständig nach Zappa gefragt“, sagt Sabine Markwitz. „Alle sind sehr traurig“, fügt sie hinzu. Seinen Fans wird er durch Geschichten in Erinnerung bleiben. Der Schriftsteller und „Zwiebelfisch“-Stammgast Walter Aue widmete ihm zehn seiner Bücher. Auch Sabine Markwitz will die Kiez-Größe der Nachwelt nicht vorenthalten: Sie schreibt das erste Zappa-Buch, das vielleicht noch in diesem Jahr erscheint. Könnte er sprechen, würde er wohl den „Liedern des Katers Hiddigeigei“ des Schriftstellers Victor von Scheffel zustimmen. Darin heißt es: „Menschentun ist ein Verkehrtes, Menschentun ist Ach und Krach, im Bewusstsein seines Wertes, sitzt der Kater auf dem Dach.“