„Berliner helfen“ hat dem Charlottenburger Stadtteilzentrum Divan einen Transporter geschenkt. Die erste Fahrt geht ins zentrale Spendenlager. Von Brigitte Schmiemann Für Bilgin Lutzke hat sich ein Traum verwirklicht. Mit dem vom Verein „Berliner helfen“ gespendeten Transporter hat der Verein Divan e.V. jetzt viele neue Möglichkeiten. Bilgin Lutzke, Vorsitzende des Vereins, hat den großen Wagen sogar selbst aus der Tiefgarage auf den Hof gefahren. „Kein Problem“, sagt sie. „Er lässt sich einfach bedienen.“ Das ist auch wichtig, denn am Steuer des Autos werden unterschiedliche Fahrer sitzen. Der Bus bietet neben dem Fahrersitz acht Plätze. Und jede Menge Transportfläche. „Der Wagen hilft uns, dass wir noch besser helfen können“, freut sich Bilgin Lutzke. Senioren biete er die Möglichkeit, die Stadt besser kennenzulernen. Obwohl viele schon lange im Bezirk leben, gebe es doch etliche, die von Berlin und dem Umland noch nicht viel gesehen hätten. Außerdem werden die Flüchtlingsinitiativen in Charlottenburg und Westend den Wagen nutzen. Beispielsweise um Spenden zu transportieren – die erste Fahrt soll von der Nehringstraße ins zentrale Spendenlager an der Akazienallee gehen. Auf Stadtrundfahrten kann den Geflüchteten und anderen Besuchern des Zentrums jetzt auch das Umland gezeigt werden. Und auch Umzüge von Geflüchteten in Wohnungen wollen die Helfer mit dem Bus machen. Standort des Wagens ist das Interkulturelle Nachbarschaftszentrum an der Nehringstraße 8 in Charlottenburg. Hier ist außer sonntags jeden Tag etwas los, ein buntes Programm wird geboten, teils in Eigenregie. Tanztee mit Schwof, Kabarett, Gymnastik, Gesundheitsvorträge, Sprachunterricht, Computerkurse, zwei Chöre – das sind nur Beispiele. Gemütlich sitzen die Frauen bei Kaffee und Kuchen zusammen, kaum ein Platz im großen Raum an diesem Freitagnachmittag ist frei im Stadtteilzentrum im Klausenerplatz-Kiez. Und der Kurs auf Türkisch, in dem die Teilnehmer lernen, wie man ein Smartphone benutzt, wird richtig voll werden. Aber auch der Gymnastikraum ist selten frei.

Vor knapp einem Jahr ins Leben gerufen

Entstanden ist das Nachbarschaftszentrum vor knapp einem Jahr aus dem Seniorenclub, der die Räume im Komplex der Nehring-Grundschule nutzte. Die Angebote blieben aufrechterhalten, Neues kam hinzu. Während der Seniorenclub vom Bezirk geführt wurde, ist heute der Verein Divan Träger des Nachbarschaftszentrums. Finanziert wird das Angebot vom Senat – mit 80.000 Euro jährlich sowie 20.000 Euro für die Willkommenskultur. Der Divan ist seit zehn Jahren im Klausenerplatz ansässig und betreibt ganz in der Nähe des Nachbarschaftszentrums noch ein Mehrgenerationenhaus.

Auch Sozialstadtrat Carsten Engelmann (M.) bedankte sich bei Petra Götze vom Verein "Berliner Helfen" (r.) für das Transportfahrzeug, links im Bild: Cem Gömüsay, Leiter des interkulturellen Stadtteilzentrums, und Bilgin Lutzke, Vorsitzende des Divan e.V.  Foto: Brigitte Schmiemann
Auch Sozialstadtrat Carsten Engelmann (M.) bedankte sich bei Petra Götze vom Verein "Berliner Helfen" (r.) für das Transportfahrzeug, links im Bild: Cem Gömüsay, Leiter des interkulturellen Stadtteilzentrums, und Bilgin Lutzke, Vorsitzende des Divan e.V.  Foto: Brigitte Schmiemann

Ganz wichtig ist der Einrichtung, dass sie interkulturell ist. „Wir sind hier im Klausenerplatz-Kiez ein Mikrokosmos unterschiedlichster Nationen. Die meisten haben einen türkischen Migrationshintergrund. Das ist die größte Gruppe. Und die Newcomer sind die aus arabischen Ländern geflüchteten Menschen. Außerdem gibt es viele russische und polnische Anwohner. „Unser Angebot spiegelt das wieder“, beschreibt Cem Gömüsay, der Leiter des Stadtteilzentrums Divan, das bunte Programm. Er ist 39 Jahre alt und hatte in Amsterdam an der Universität gelehrt und dort vorher kulturelle Kommunikation studiert. Auch ihn freut die neue Möglichkeit mit dem Wagen. „Viele Menschen leben schon so lange in Berlin und haben noch nicht das Brandenburger Tor gesehen. Und unsere Senioren fänden Ausflüge ins Umland klasse“, weiß er. Das Stadtteilzentrum teile sich das Auto mit verschiedensten Willkommensinitiativen wie „Berlin hilft“, ein Netzwerk für die Menschen im ICC, „Willkommen im Westend“ und „Charlottenburg hilft“, die sich um Geflüchtete in Charlottenburg und Westend kümmern. Das sind etwa 4000 der 5600 Flüchtlinge im Bezirk. „Es mangelt oft an Transportmöglichkeiten von Menschen, um die wir uns jetzt kümmern und die wir integrieren wollen“, weiß auch Sozialstadtrat Carsten Engelmann (CDU). Er bedankte sich im Namen des Bezirksamtes für die „tolle Aktion“.

Paten gesucht für junge Flüchtlinge

Um die Geflüchteten in den Arbeitsmarkt zu integrieren, soll im Sommer eine Praktikumsbörse im Stadtteilzentrum organisiert werden. Schon jetzt gibt es Paten für die unbegleiteten jungen Flüchtlinge. „Sie brauchen unserer Erfahrung nach die meiste Unterstützung“, sagt Gömüsay. Sobald die 17-Jährigen volljährig seien, ändere sich für sie rechtlich alles, sie könnten aus ihren Lebenszusammenhängen gerissen werden. Es gebe zudem Kennenlernabende, damit sich die Paten untereinander kennenlernen, sowie Rechtsberatung für Jugendliche auf Arabisch, Farsi, Englisch und Französisch. Paten würden noch gebraucht.