Ein Miteigentümer lüftet das Geheimnis, woher das Geld für das Projekt kommt. Nach dem Wirbel um die Panama Papers wolle er Vertrauen schaffen. Von Brigitte Schmiemann Lange hat die Öffentlichkeit gerätselt, wer die Investoren sind, die das Kudamm-Karree erworben haben. Nun ist klar: Auch ein russischer Investor, der zudem die Staatsbürgerschaft eines EU-Landes hat, ist an dem Vorhaben beteiligt. Dabei handelt es sich um Mikhail Opengeym. Das sagte Christian Elleke, einer der beiden Eigentümer, im Gespräch mit der Berliner Morgenpost. Er gehe an die Öffentlichkeit, „um Vertrauen beim Bezirk und der Politik zurückzugewinnen, das durch Gerüchte in Zweifel gezogen wurde“, begründete Elleke seinen Schritt. Zuvor hatte der „Spiegel“ berichtet, dass sich hinter der Hälfte des Kudamm-Karrees eine Briefkastenfirma in Panama verstecke. Zudem gab es immer wieder Gerüchte um mögliche russische Investoren bei dem Millionen-Projekt in Berlins bester Lage.
Investmentberater schufen Kontakt zum Berliner Projekt
Mikhail Opengeym lebt in Moskau und ist seit über zehn Jahren in der Immobilienbranche tätig. Der Kontakt zu Mikhail Opengeym sei über die die Investmentberater von Lenhart Global Investors (LGI) zustande gekommen, so Elleke. Eine Firma mit Sitz in Moskau, die internationale Investoren unterstützt, wenn sie ihr Kapital in Russland oder in anderen Ländern anlegen wollen. LGI habe eine Holdingstruktur entwickelt, die ihre Kunden nutzten. Eine Art Baukastenprinzip für eine Investmentstruktur. Es gibt Firmen namens Mozart und Beethoven, die sich ähnlich anhören, aber nicht demselben Eigentümer gehören. Die Firma Beethoven hat Ellekes anderes großes Vorhaben, einen Neubau-Komplex gegenüber der Alten Oper in Frankfurt zu 50 Prozent erworben. Laut Elleke ebenfalls ein russischer Investor, aber nicht Opengeym.
Kompliziertes Firmengeflecht
Hinter dem Bauvorhaben am Kurfürstendamm steht ein kompliziertes Firmengeflecht. Christian Elleke gehört die Münchener Firma Cells Bauwelt, die mit der Entwicklung des Kudamm-Karrees von der Firma Mars PropCo 1, die ihren Sitz in Luxemburg hat, beauftragt wurde. Die Geschäftsanteile dieser Luxemburger Firma gehören je zur Hälfte Christian Elleke und Mikhail Opengeym. Der sei an Mars Propco 1 mit der Mozart Holding Company (Sitz Luxemburg) beteiligt, Eigentümer dieser Firma sei die Dorado Services Company. Sie hat ihren Sitz in Panama. Der Wirbel, den die Panama-Papiere in den letzten Wochen entfacht haben und den daraus resultierenden Spekulationen veranlassten Elleke jetzt, seinen Partner beim Namen zu benennen. Unklar ist, ob und welche Geschäftsbeziehungen Opengeym zu anderen russischen Investoren aus der Immobilienbranche hat. Offenbar gab es eine Verbindung zu den milliardenschweren Bauunternehmern Arkady und Boris Rotenberg, Kindheitsfreunde des russischen Premiers Wladimir Putin. In den Jahren 2008 und 2009 habe Opengeym mehrere Monate als Mitglied des Berater Komitees von „Volgogradneftemash“ gearbeitet, die mit einer Rotenberg-Holding verbunden gewesen sei, sagte Elleke. „Heute aber gibt es keine persönliche, geschäftliche oder sonstige Verbindung“, versichert Elleke.
Mieterlöse aus dem Kudamm-Karree werden in Berlin versteuert
Elleke sagt, er selbst habe keine Verbindungen nach Panama. Seine Firmen hätten München als Sitz. Die Erlöse aus dem Kudamm-Karree würden in Berlin versteuert. „Mieterträge müssen dort versteuert werden, wo sie anfallen. Die Kontoführung läuft über die Bayern LB in München“, erläutert er weiter. Auch der mit dem Umbau des Kudamm-Karrees beauftragte Architekt Jan Kleihues erhalte infolgedessen sein Honorar nicht aus Luxemburg oder Panama, sondern aus München. Das Kudamm-Karree-Projekt halte alle geltenden europäischen Gesetze und Vorschriften ein, betont Elleke. Die finanzierende Bank, die Bayern LB (Mitglied der Sparkassen Finanzgruppe) habe alle vorgeschriebenen Prüfungen durchgeführt, beide Aktionäre als Kunden akzeptiert. Das bestätigte ein Sprecher der Bayern LB der Berliner Morgenpost auf Anfrage. „Im Falle des kleinsten Verdachts, dass die Klienten in dubiose Geschäfte verwickelt sein könnten oder Geldwäsche vorliegt, hätte sich niemand an der Übernahme beteiligt“, sagt Elleke.
92.000 Quadratmeter Mietfläche entstehen
Noch gibt es keine Baugenehmigung für das groß angelegte Vorhaben, mit dem das Kudamm-Karree wieder auf Vordermann gebracht werden soll. Mit einem mittleren dreistelligen Millionenbetrag. Als attraktive Kurfürstendamm-Adresse für Shoppen, Gastronomie, Kultur und Büros. Auch eine Kita soll gebaut werden, ein Hotel sowie ein Fitnesscenter mit Schwimmbad. 92.000 Quadratmeter Mietfläche entstehen, davon weniger als die Hälfte Verkaufsfläche. 4000 Menschen sollen dort nach der Fertigstellung arbeiten. Momentan sind es weniger als 400. Der Ladenbereich der Immobilie steht größtenteils leer. Auch das Büro-Hochhaus ist nur zur Hälfte belegt. Stehen bleiben wird neben dem Hochhaus nur die Bebauung entlang der Uhlandstraße, wo sich Parkhaus, Bunker und Büroflächen befinden. Alles andere entsteht neu. Ohne Überdachung des mittleren Bereichs. Versucht haben sich an der Immobilie, die Anfang der 70er-Jahre vom Land Berlin gebaut worden war, vier unterschiedliche Eigentümer. Ohne ihre großen Pläne umzusetzen. Zuletzt war es die irische Ballymore Gruppe, die mit einem Entwurf des britischen Stararchitekten David Chipperfield den dunklen verschachtelten Beton-Komplex zwischen Kudamm und Lietzenburger Straße wieder auf einen zeitgemäßen, attraktiven Stand bringen wollte. Doch dann verkauften sie das Objekt an die heutigen Eigentümer.
Wer das neue Theater betreibt, ist noch offen
Das Kudamm-Karree ist schon wegen der beiden Theater im Fokus der Öffentlichkeit. Zwar sichern die Eigentümer zu, ein neues Theater zu bauen, doch noch steht nicht fest, ob der langjährige Betreiber der Kudamm-Bühnen, die Familie Woelffer, auch die neue Bühne bespielen wird. „Martin Woelffer ist unser erster Ansprechpartner, das Ergebnis ist jedoch noch offen. Die Verhandlungen laufen“, sagt Elleke.


Schon in Kürze will Elleke den Bauantrag für den ersten der zwei Abschnitte zur Neugestaltung des Kudamm-Karrees stellen. Begonnen werden soll mit der Neugestaltung an der Uhlandstraße. Architekt Jan Kleihues stellte die Pläne bereits im Bauausschuss vor. Wir berichteten. Im Gegensatz zum Entwurf des Architekten Chipperfield werden das Parkhaus und der unterirdische Bunker, dessen Abriss einen zweistelligen Millionenbetrag kosten würde, erhalten. Neben rund 1000 Parkplätzen entstehen mehr als 800 Fahrradparkplätze neu sowie eine Ladestation für E-Bikes. Ende 2017 soll dieser erste Abschnitt fertig sein. Ende 2016 will Elleke den Bauantrag für den Umbau des restlichen Karrees stellen. Ende 2019 sollen die Arbeiten insgesamt beendet sein, so das Ziel.

