Eine Wilmersdorferin leiht Hollywood ihre Stimme

Sie selbst kennen nicht viele, aber ihre Stimme ist berühmt.

Sie selbst kennen nicht viele, aber ihre Stimme ist berühmt. Die Wilmersdorferin Karin Buchholz spricht für Helen Mirren, Tilda Swinton und Jamie Lee Curtis. Von Johanna Ewald Ein Notizzettel und ein persönlicher Gruß von Helen Mirren liegen auf dem Tisch. Nachdem Karin Buchholz Tee und Wasser angeboten hat, setzt sie sich und zieht über ihre bereits vorhandene Brille eine weitere. Sie liest noch einmal ihre Notizen durch. Bevor eine erste Frage gestellt werden kann, beginnt sie schon zu erzählen. „Das, was bei der Goldenen Kamera passiert ist, war wie ein Ritterschlag für mich“, sagt Buchholz. Dabei bricht ihre Stimme ein wenig.

Bei der Goldenen Kamera im Februar hat die britische Schauspielerin Helen Mirren bei ihrem Auftritt Karin Buchholz auf Knien geehrt und sich für ihre deutsche Synchronstimme bedankt. Bei Karin Buchholz, die die Verleihung im Fernsehen sieht. „Als Helen Mirren zum Mikrofon zurückging, habe ich mich gefragt, was jetzt los sei – und dann kam das“, sagt die 70-Jährige. Dieser Moment sei für sie überwältigend gewesen, wie in einem Traum. Mehrmals schon habe sie versucht, die amerikanische Schauspielerin zu treffen. Sie habe ihr Briefe im Hotel hinterlegt, der Agentur geschrieben. Als Antwort habe sie eine Autogrammkarte bekommen. „Was sie jetzt gemacht hat, ist noch viel schöner“, sagt Karin Buchholz. Ihre Stimme ist wieder warm und klar. Karin Buchholz hat sich gefasst.

Heimweh nach Berlin

Geboren in Steglitz, beginnt sie mit vier Jahren Ballett zu tanzen. Nach einigen Jahren wird ihr das Tanzen jedoch körperlich zu anstrengend. „Eigentlich bin ich nämlich ziemlich faul“, gesteht Karin Buchholz und lacht herzhaft. Nach dem Abitur geht sie für zwei Jahre nach London, wo sie bei einer befreundeten Familie lebt. Inspiriert vom Theater, kehrt sie in ihre Heimat mit dem Entschluss, Schauspielerin zu werden, zurück. Bei Tamara Stiebner und der privaten Schauspiellehrerin Else Bongers lässt sie sich ausbilden. Neben Rollen in den Filmen „Mrs. Harris fährt nach Moskau“, „Landluft“ und der Serie „Kleinstadtbahnhof“ spielt sie auf den Bühnen des Theaters am Kurfürstendamm, in Frankfurt am Main sowie in Köln. Doch es zieht sie immer wieder zurück. „Berlin ist meine Stadt“, sagt Karin Buchholz. Es sei zwar voll, laut und aggressiv, doch hier seien ihre Wurzeln und Familie. „Ich hatte schon immer Heimweh“, sagt Karin Buchholz und schaut sich in ihrer Wohnung um. Viele Antiquitäten stehen hier, Gemälde zieren die Wände und tierische Porzellanfiguren die mit Büchern gefüllten Regale.

Ihre erste "Dame" war Ali MacGraw

Als sie 1970 das Vorsprechen für „Love Story“ gewinnt und zur Stimme von Ali MacGraw wird, sagt Karin Buchholz Dreh- und Theateranfragen für das Synchronsprechen ab. Es hat sich gelohnt. „So viele Rollen, wie ich gesprochen habe, hätte ich nie in meinem Leben spielen können“, sagt sie. Fast jede ihrer Rollen hat bereits einen Oscar gewonnen. Zu ihren „Damen“, wie Buchholz sie nennt, gehören neben Helen Mirren, Tilda Swinton, Sigourney Weaver und Jamie Lee Curties. Und Jessica Lange, „meine Leib- und Magenfrau“, sagt die 70-Jährige.

Dann blickt sie wieder auf das Foto von Helen Mirren und erzählt, dass sie Tilda Swinton getroffen habe. „Sie hat mich zu einem Film mit Michelle Pfeiffer eingeladen, den sie anlässlich der Berlinale anschauen und bewerten musste.“ Mit meterhohen Stöckelschuhen und einem riesigen Hut sei Swinton ihr entgegengekommen und sagte: „You must be my german voice!“, erzählt Buchholz.

"Sie kennen mich, aber nur meine Stimme"

Ihr Blick wandert wieder zurück auf den Tisch, auf ihren Notizzettel. „Wenn ich selbst spreche, dann weitet sich das Herz und hoffentlich der Sinn und dann spielt man.“ Synchronsprechen ist ihr Leben. Auch ihren Mann, Dialogregisseur Michael Richter, lernte sie dabei kennen. Noch immer macht sie täglich Stimmübungen, damit das „Esszimmer“, wie Buchholz es nennt, geschmeidig bleibt. Regelmäßig werde sie angesprochen und gefragt, woher man sie denn kennen könne, erzählt sie. Und immer gebe sie darauf die eine Antwort: „Sie kennen mich, aber nur meine Stimme.“

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