Mitglieder der Initiative Bundesplatz haben am Freitag die Rechen geschwungen, um Berge von Laub aus der Grünanlage zu beseitigen. Hilfe haben sie von Schülern des Marie-Curie-Gymnasiums bekommen. Von Carolin Brühl Eine Pistole hat er schon gefunden, einen vollständig gefüllten Besteckkasten auch, leere Büchsen, Flaschen und Drogenspritzen sowieso. Wilfried Tigges hat sich aber der Pflege des Grüns auf dem Bundesplatz verschrieben, auch, wenns nicht immer leicht fällt. Im Herbst 2011 hat der Landschaftsplaner angefangen mit der Hilfe anderer Mitglieder der Initiative Bundesplatz die verwahrloste Grünanlage unter seine Fittiche zu nehmen. Seither sind hässliche Mauern verschwunden, Hecken gelichtet sowie Müll- und Laubhaufen abgefahren worden.

Macht "seinen Garten" winterfest: Wilfried Tigges ist Grünanlagen-Beauftragte der Initiative Bundesplatz. Foto: Carolin Brühl
Macht "seinen Garten" winterfest: Wilfried Tigges ist Grünanlagen-Beauftragte der Initiative Bundesplatz. Foto: Carolin Brühl

Auch die Beete wurden neu aufgeschüttet und neu bepflanzt. "Wir haben viele der Stauden so ausgewählt, dass immer etwas blüht. Vom Frühjahr bis zum Herbst", sagt Tigges. Nicht immer bleibt das aber so. "Leider werden immer wieder blühende Tulpen oder sogar junge Stauden und Büsche gestohlen. Im Frühjahr sind in einer Nacht 600 Tulpen abgeschnitten worden", sagt der Botaniker. Das sei niemand gewesen, der sich die Blumen daheim in die Vase stellen wolle, "das waren schon Leute, die die Sträuße dann verkaufen", vermutet er.

Ein großer Pflegetermin im Monat

Für die Arbeit bekommt der Verein "Feinmittel", einen Zuschauss von rund 3000 Euro im Jahr vom Bezirk. Den Rest bezahlt die Initiative selbst. Einmal im Monat gibt es einen großen Pflegetermin, zu dem die Mitglieder an zwei Nachmittagen aufgerufen werden und unter Tigges' Anleitung in der Grünanlage arbeiten. Sensiblere Pflanz- oder Pflegearbeiten macht er selbst.

Bienenemsig: Junge und junggebliebene Helfer beim "Kehrtag" auf dem Bundesplatz. Foto: Carolin Brühl
Bienenemsig: Junge und junggebliebene Helfer beim "Kehrtag" auf dem Bundesplatz. Foto: Carolin Brühl

Pflanzen oder Pflanzendiebstahl stehen aber nicht im Mittelpunkt der Arbeit im Herbst. Jetzt gilt es der Laubberge Herr zu werden, die von den Platanen auf Beete und Wege gefallen sind. "Das Platanenlaub verrottet schlecht und erdrückt empfindliche Planzen", sagt Tigges. Das Grünflächenamt hat einen großen Container dafür aufgestellt, doch füllen müssen ihn die Leute vom Bundesplatz selber.

Viel zu tun: Sabine Pentrop von der Initiative Bundesplatz schüttet einen Sack Laub auf den Container. Foto: Carolin Brühl
Viel zu tun: Sabine Pentrop von der Initiative Bundesplatz schüttet einen Sack Laub auf den Container. Foto: Carolin Brühl

"Das ist der Platz uns wert", sagt die stellvertretende Vorsitzende der Initiative, Sabine Pentrop. Denn trotz der vielen Arbeit, die die Menschen in das Grün vor ihrer Haustür stecken, hat der Platz mehr als nur einen Makel: In der warmen Jahreszeit ein beliebter Treffpunkt für Dealer und Junkies, das ganze Jahr über zerschnitten vom tosenden Verkehr der Bundesallee, der auch noch inmitten der Anlage in einem Tunnel verschwindet und somit eine Barriere zur anderen Seite bildet. Im Süden bauen sich die Überführungen von S- und Autobahn auf. Doch Veränderung will in kleinen Schritten angegangen sein, ist die Philosophie der Leute vom Bundesplatz. An diesem goldenen November-Freitag wird eben erst einmal mit Hilfe der Klasse 7 des Marie-Curie-Gymnasiums Laub gefegt. "Kehrenbürger" steht auf ihren Schutzwesten, die die Berliner Stadtreinigung gestiftet hat. Auch am Sonnabend werden noch fleißige Helfer gesucht", sagt Pentrop und schüttet energisch einen Sack mit Laub auf den Container. Wer helfen möchte: Diese Rechen warten am Sonnabend, 28.11., 12-15 Uhr auf dem Bundesplatz.

Noch unbeschäftigt: Besen und Rechen auf dem Bundesplatz. Foto: Carolin Brühl
Noch unbeschäftigt: Besen und Rechen auf dem Bundesplatz. Foto: Carolin Brühl