Eine Initiative hat sich für die Sanierung der Grabstätte des Bildhauers Georg Kolbe eingesetzt. Mit Erfolg. Ein Spaziergang auf dem Friedhof Heerstraße lohnt sich aber nicht nur wegen dieses Grabmals. Von Charlene Rautenberg Friedhöfe rangieren bei Ausflugszielen eher nicht auf den vorderen Plätzen. Davon ist auch der Friedhof Heerstraße nicht ausgenommen. Dabei ist er nicht nur eine der landschaftlich schönsten Ruhestätten Berlins, auch ein Teil deutscher Kunstgeschichte liegt dort begraben. Georg Kolbe (1877-1947), der erfolgreichste Bildhauer der Weimarer Zeit, war vor allem für seine idealistischen Aktplastiken bekannt: Mit dem Unikat „Die Tänzerin“, der plastischen Abbildung einer jungen Frau in tänzerischer Haltung, wurde Kolbe berühmt. Heute zählt die Bronzefigur zu einem der bekanntesten Kunstwerke des 20. Jahrhunderts.

Der Tod seiner Ehefrau Benjamine im Jahr 1927 war ein Schicksalsschlag, der die Arbeit des Bildhauers maßgeblich prägte. In dieser Zeit entstand der Entwurf für ein Grabmal, das noch heute ein Blickfang ist und in seiner künstlerischen Gestaltung einzigartig ist. Georg Kolbe, seine Frau und ihre gemeinsame Tochter Leonore (1902-1981) sind dort beigesetzt. Seinem Schwiegersohn Kurt von Keudell wurde ein weiterer Gedenkstein gewidmet. Die vier großen, rechteckigen Grabplatten, die am oberen Ende von drei stangenähnlichen Marmorstelen gesäumt werden, setzen sich von üblichen Grabstätten ab und entsprechen modernen Formen von Grabanlagen.
Georg-Kolbe-Museum gleich in der Nähe
Die während des Zweiten Weltkrieges durch eine Sprengbombe zerstörte und verwitterte Ruhestätte fand einen Retter: Landeskonservator Prof. Dr. Helmut Engel startete nach einem Friedhofsrundgang mit Studenten eine Initiative zur Restaurierung des Ehrengrabes, die vor allem die landschaftliche Einbettung der Anlage vorsah. Bei der Erneuerung beschäftigte man sich unter anderem mit den ursprünglich rosafarbenen Marmorplatten, den Schäden an den Marmorstelen und der die Grabstätte rahmenden Bepflanzung. Ein Problem war auch das Versacken der Grabplatten, diese infolgedessen niveaugleich versetzt werden mussten. Pünktlich zum „Tag des Friedhofes“ wurde die über das Bezirksamt finanzierte Sanierung jetzt abgeschlossen. Nach dem Besuch der restaurierten Grabstätte kann man auf kürzestem Wege einen Ausflug ins Georg-Kolbe-Museum machen. Dieses befindet sich nur wenige Gehminuten vom Friedhof entfernt und bietet neben aktuellen Ausstellungen einen Blick auf Kolbes Arbeits- und Lebensumfeld, denn das Museum befindet sich im ehemaligen Wohnatelier des Künstlers, das dieser nach dem Tod seiner Frau bezog. Etwa 200 Plastiken Kolbes sind im Besitz des Museums und werden in einer Auswahl neben dem Ausstellungsprogramm präsentiert. Seit 1947, dem Todesjahr Kolbes, befinden sich die Räumlichkeiten im Besitz der Georg-Kolbe-Stiftung.

