Kultur

Salah Naoura verwandelt Schule in einen herzenswarmen Ort

Salah Naoura, Kinderbuchautor aus dem Akazienkiez, hat gerade mit „Der Ratz-Fatz-x-weg23“ erneut ein zauberhaftes Buch veröffentlicht.

Salah Naoura, Kinderbuchautor aus Schöneberg.

Salah Naoura, Kinderbuchautor aus Schöneberg.

Foto: Till Hülsemann

Salah Naoura, Kinderbuchautor aus dem Akazienkiez, hat gerade mit „Der Ratz-Fatz-x-weg23“ erneut ein zauberhaftes Buch veröffentlicht. Von Katja Wallrafen Für die Arbeit an seinen Büchern verlässt Salah Naoura den heimischen Kiez. Schwingt sich aufs Rad zum Nollendorfplatz, wechselt in die U 2 und ruckelt dann in Richtung Prenzlauer Berg. Dort arbeitet er in einer Bürogemeinschaft Seite an Seite mit anderen Kinderbuchautoren. Als Freiberufler allein am heimischen Schreibtisch Bücher zu übersetzen oder die eigenen Geschichten erzählen, ist seine Sache nicht. Er mag den Austausch, die Inspiration im Gespräch mit anderen. Dabei geht es weniger um die zündenden Geistesblitze. Vielmehr um lebenspraktische Tipps in einem Netzwerk von Gleichgesinnten - angefangen vom Austausch über Honorare bis hin zum Austauch von Kontakten zu Verlagen, zu Filmfirmen oder Drehbuchautoren.

Neues Buch: „Der Ratz-Fatz-x-weg23“

Raus aus dem profanen Alltag führt das neuste Buch des 53-Jährigen, der bereits mit einer Vielzahl von Erstlesebüchern, Bilderbüchern, Geschichten und auch Gedichten Kinder und Jugendliche beglückt hat. In der „Der Ratz-Fatz-x-weg23“ setzt Naoura auf die Kraft des Erzählens: Wie in den phantastischen Märchen aus 1001 Nacht, geht es in dieser Schachtelgeschichte um den Zauber einer guten Erzählung. So schlimm wie um Scheherezade steht es allerdings um Naouras Helden nicht. Während die Großwesirstochter Nacht um Nacht mit spannenden Märchen um den Erhalt ihres Lebens erzählen muss und am Ende damit den Sultan von seiner Blutgier heilt, haben es Laura Pittel, ihr Bruder Robert und ihre Freundin Gerti lediglich mit einem frustrierten Schuldirektor zu tun. Die Kraft ihrer Geschichte verzaubert nicht nur diesen missmutigen Rektor Glauber, sondern gleich das ganze Umfeld. Aus den schlecht gelaunten Erwachsenen, die unglücklich sind mit ihrem Leben, werden zugängliche Personen. Aus einer kalten Schule wird ein herzenswarmer Ort, an dem der Schulleiter Pizza und Avocadohäppchen auftischt.

Kinder setzen auf die Kraft ihres Willens

Laura, Robert und Gerti sind mit all dem ausgestattet, was Salah Naouras Figuren stets auszeichnet: Selbstvertrauen, Kühnheit und die Freude am eigenen Weg als Antwort auf Eltern im Stress und mangelnde Antennen für das Erleben der Kinder. Narouras andere Romanheldinnen und -helden haben es zuweilen noch schwerer als Laura Pittel & Co: Lena, deren Eltern gerade eine blöde Scheidung hinlegen, Anton, der seinen Vater, einen großen Fußballer und Matheversteher, enttäuscht. Matti, der die Lügen der Erwachsenen entlarvt. Aber sie alle machen das Beste draus. Ertragen die Großen mit ihren seltsamen Angewohnheiten schulterzuckend souverän. Geben eigenen Sehnsüchten nach, auch wenn sie absolut unerfüllbar scheinen. Setzen auf die Kraft ihres Willens zur Weltverzauberung. Und haben Spaß dabei.

In die Rolle des Beobachters schlüpfen

Erwachsene als unfertige Mängelwesen - es ist keine Überraschung, dass Roald Dahl und Anne Barrett zu Salah Naouras Lieblingsautoren zählen. Brüchige Familien, Streit und kindliche Ohnmachtsgefühle kennt der 1964 Geborene aus eigenem Erleben. Als Sohn eines syrischen Vaters und einer deutschen Mutter landete er in der Schule in der Rolle eines Außenseiters. „Ich war vom Gefühl her Deutscher, wurde aber nicht so behandelt“, erinnert sich Naoura: „Für jemanden mit dem Namen Salah war eine Schulkarriere auf dem Gymnasium nicht vorgesehen - da musste mein Vater sich ziemlich hartnäckig für mich ins Zeug legen.“ Ob bei den als unangenhem empfundenen Situationen mit ausländerfeindlichen Lehrerinnen oder auch bei gelegentlichen Streitigkeiten der Eltern am heimischen Küchentisch, die Naoura trocken als „Clash of Culture“ bezeichnet, - es hilft Salah früh, in eine Beobachterolle zu schlüpfen: „Sich in Gedanken neben sich zu stellen und die Situation von außen zu betrachten - das hat mir geholfen, mit Situationen klar zu kommen, in denen ich mich unwohl, unglücklich und auch überfordert fühlte.“

"Matti und Sami" bald im Kino

Zum Glück für seine jungen Leser, hat Salah Naoura auch ein Gespür für Situationskomik und skurrile Momente entwickelt. Davon lebt auch sein Bestseller „Matti und Sami und die drei größten Fehler des Universums“, das mit dem Peter-Härtling-Preis ausgezeichnet wurde. Die Geschichte einer Familie, verzweifelt gestrandet in Finnland, ohne Bleibe, ohne zu wissen, wohin, schafft es ab Frühsommer auf die Kinoleinwand. Dabei geht es witzig und warmherzig zu, das Buch und der Film sind randvoll mit Sympathie für die Kinder und und überraschenden Wendungen - in bester Naoura-Tradition.

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