Zum Ende der Demonstration hin, da war kurz zu erahnen, wie es einmal war. Damals. Im Sport- und Erholungszentrum, kurz SEZ, in Friedrichshain. Da tanzten die Demonstranten zu „Jugendliebe“ von Ute Freudenberg. Angeheizt von Karl-Heinz Wendorff. Der moderierte früher für das DDR-Fernsehen die beliebte Fitness-Sendung „Medizin nach Noten“ – aus dem SEZ heraus.

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Getanzt werden kann heute nur noch vor dem Bau an der Landsberger Allee. Der Glanz alter Tage ist längst verblasst. Das SEZ soll abgerissen werden. Dafür, dass die Musik in Zukunft wieder im SEZ spielt, setzt sich die Initiative „SEZ für alle!“ ein. Sie fordert Erhalt, Sanierung und Wiedereröffnung des SEZ. Und lud am Samstag zur Demo ein. Rund 200 Berliner folgten dem Aufruf. Bei strahlendem Sonnenschein formten sie eine Menschenkette um das SEZ herum, bevor zum Abschluss gemeinsam getanzt wurde.

SEZ in Berlin: Die scheinbar unendliche Geschichte des DDR-Baus

Eigentlich sollte im März mit dem Abriss des SEZ begonnen werden. Eigentlich. Doch am vergangenen Mittwoch verhängte das Bezirksamt von Friedrichshain-Kreuzberg einen Abrissstopp. Die Pläne der Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte (WBM) würden gegen den Artenschutz verstoßen. Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) hatte zuvor zudem eine Resolution beschlossen. Darin appellierte sie an Abgeordnetenhaus und Berliner Senat, den Abriss zu stoppen.

Demo Erhalt SEZ 28. Februar
Seifenblasen fliegen vor dem SEZ. Die Demonstranten wünschen sich eine Instandsetzung des Baus.© BM | Oskar Paul

Es war die nächste Wende in einer scheinbar unendlichen Geschichte. 1981 wurde das SEZ eröffnet. Wellenbad, Sauna, Mitternachtsdisco und Bowlingbahnen lockten in der DDR Millionen Besucher an. Nach der Wende wurde das SEZ 2003 für den symbolischen Preis von einem Euro verscherbelt. Es folgten jahrelange Streitigkeiten zwischen dem Käufer und der Politik um das Grundstück, ehe das SEZ wieder in den Bestand landeseigener Unternehmen ging. Die WBM will dort jetzt unter anderem Wohnungen bauen.

„Es wäre ein Traum, wenn das wieder öffnen würde“: Das sagen die Demonstranten

Es sei unfair, Wohnungsbau und soziale Infrastruktur gegeneinander auszuspielen, sagt Anwohnerin Bettina Wolf, die sich auch in der Initiative engagiert. Sie findet, das SEZ sei noch „überraschend gut in Schuss“. Und sagt: „Was da ist, muss genutzt werden.“ Ilona Franke-Erdmann kennt das SEZ noch von früher. Mit ihren drei Töchtern war sie regelmäßig im Erholungszentrum. „Das war sehr schön“, erinnert sie sich. Ihr Highlight: das Wellenbad und die Schlittschuhbahn. Der Andrang, sagt sie, sei so groß gewesen, dass Besucher nur zwei Stunden im Bad bleiben durften.

Demo Erhalt SEZ 28. Februar
Ildeniz Sekban mit seinem Sohn Deniz am Rande der Demonstration.© BM | Oskar Paul

Ayşe und Ildeniz Sekban leben erst seit fünf Jahren in Friedrichshain. Sie kennen das SEZ fast nur vom Vorbeilaufen. Doch sie haben Bilder von früher gesehen. „Das Angebot war riesig“, sagt Ayşe Sekban. „Es wäre ein Traum, wenn das wieder öffnen würde.“ Ihrem Sohn haben die Sekbans ein Schild gebastelt. Darauf steht: „Ich will auch im SEZ toben und turnen.“

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Am Montag wird sich das Abgeordnetenhaus, mal wieder, mit dem SEZ befassen. Auf der Tagesordnung des Bauausschusses stehen Anträge von Linken, CDU und SPD sowie der AfD, die sich um das SEZ drehen. Davor plant die Initiative zu demonstrieren. Um die Zukunft des Kult-Baus wird also weiter gestritten.