„Es riecht noch alles ganz neu, hier war noch niemand drin,“ sagte Sabrina Konzok am Montagmittag bei der ersten Führung durch ihr neues Wirkungsfeld in Berlin-Friedrichshain. Zur offiziellen Eröffnung des Sitzes von Internetkaufhaus Amazon an der Warschauer Brücke gehörte neben einem Besuch des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner (CDU) auch die Vorstellung der gemeinnützigen 1400-Quadratmeter-Etage „KiezLab“.

Amazon zieht in dem Gebäude die rund 2500 Mitarbeiter aus den bisherigen drei Berliner Außenstellen des sogenannten Forschungs- und Entwicklungszentrums zusammen. 33 Etagen der 37 Stockwerke des Gebäudes sind gemietet, sieben davon sind mit den ersten 700 Angestellten bezogen. Der Rest wird bis 2026 folgen.
Amazon finanziert Raumangebote in Berlin
Die erste Etage stellt das Unternehmen der Organisation „Junge Tüftler“ zur Verfügung. Geschäftsführerin ist Sabrina Konzok. Auf einer am Montag gestarteten Seite können sich zukünftig Gruppen, Zusammenschlüsse und Initiativen zur Nutzung von Räumen auf dem Stockwerk bewerben. Das Angebot reicht vom großen Co-Workingspace mit bunten Plastikstühlen, hellem Holzboden sowie Bar- und Stoffhockern über Besprechungsräume mit zwölf Plätzen am Konferenztisch und überdimensionalem Monitor bis zu kleinen Büros, wo es einige Kraft braucht, die gläsernen schalldichten Türen aufzudrücken.

Wer hinein will, so die Bedingung, muss vor allem Gemeinnütziges verfolgen und in Berlin wirken. Als Beispiel nannte Konzok eine Nachbarschaftsgruppe, die einen Säuberungstag im Stadtviertel organisieren will und dazu einen Besprechungsraum braucht. Denkbar sind auch Workshops, Fortbildungen und Besuche von Schülergruppen, denen ein Technikraum, unter anderem mit 3-D-Drucker zu Verfügung steht. Die Finanzierung übernimmt Amazon.
Proteste gegen den neuen Unternehmenssitz in Berlin
Ein Blick in ein vom Konzern genutztes Stockwerk, die zwölfte Etage, zeigte eine Großraumbürofläche mit Sichtbeton, anonymen Schreibtischen, Monitoren, Drehstühlen und Schubfächern. Die maximal 35 Jahre alten Mitarbeiter aus 70 Nationen unterhalten sich hier auf Englisch.
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Etwa 50 Gleichaltrige demonstrierten vor der Tür gegen das Unternehmen und seinen neuen Sitz. Mindestens ein Dutzend Polizeifahrzeuge war vor Ort. Kai Wegner dagegen würdigte das Unternehmen als großen Arbeitergeber in der Stadt. Dessen Anmietung der 33 Etagen sei ein deutliches Bekenntnis, dass man an den Standort Berlin glaube.
Amazon-Gegner sorgten für Sachschäden
Der Turm zieht den Zorn von Big-Tech-Kritikern ebenso an wie jener, die fürchten, das umgebende szenig-gewachsene Wohnviertel werde durch den neuen Repräsentationsbau zunehmend kommerzialisiert. In den vergangenen Jahren gab es zahlreiche Demonstrationen durch Amazon-Gegner.
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Beim Konzern steht man indes unbeirrt zur Standortwahl mitten im Zentrum, mitten im Fokus der Öffentlichkeit – eine Entscheidung, die die Führung immerhin schon im vergangenen Jahrzehnt, vor Corona und vor dem Homeoffice-Boom traf. Daraus spricht die Haltung, dass man nun einmal zu den namhaften Unternehmen der Stadt zählt, hier seit mehr als 15 Jahren wirkt und man sich somit keinesfalls verstecken muss.
An Hochhausgegner gewandt, sagte Wegner am Montag, Berlin müsse den Mut haben auch in die Höhe zu bauen. „Berlin ist eine wachsende Stadt. Immer mehr Menschen wollen hier wohnen und arbeiten. Aber die Fläche ist selbst in einer großen Metropole begrenzt.“
Florian Schmidt (Grüne), Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg ging auf Distanz zu Amazon und stellte infrage, wie aufrichtig dessen soziales Engagement ist. Nach der in den USA demonstrierten „Loyalität zur rechtsradikalen Trump-Regierung habe ich große Bedenken, dass ein Gemeinwohlraum von Amazons Gnaden nicht eine Instrumentalisierung eines authentischen Gemeinwohlansatzes betreibt“. Zudem sei die Privatisierung von Gemeinwohlräumen „eine Tendenz die ich äußerst kritisch sehe“, so Schmidt.



