Der Überfall auf eine Jugendfreizeiteinrichtung in Berlin-Friedrichshain stellt die Polizei vor eine Reihe offener Fragen. Bei der Tat am vergangenen Sonnabend im „Liebig 19“ an der Liebigstraße gab es mehrere Verletzte, darunter einen Schwerverletzten. Die Mitarbeiter hätten „unter Schock gestanden“, so der Jugendstadttrat von Friedrichshain-Kreuzberg, Max Kindler (CDU).

Wie er jetzt erklärte, geschah der Überfall bereits am Sonnabend, dem 22. Februar gegen 19.15 Uhr. Der Stadtrat unterstrich die Brutalität, mit der die Täter vorgingen. Laut Polizei drangen etwa zwölf Jugendliche und Heranwachsende in den Club ein und fragten die Besucher, aus welchem Bezirk sie kämen. Auf ihre Antworten hin schlugen und traten die Täter zu. Ein Zeuge sagte der Polizei später, dass die Angreifer möglicherweise aus Tschetschenien stammten.

Nach dem Überfall am Sonnabend bleibt Jugendclub "Liebig 19" in dieser Woche geschlossen. 
Nach dem Überfall am Sonnabend bleibt Jugendclub „Liebig 19“ in dieser Woche geschlossen. © Patrick Goldstein | Patrick Goldstein

Jugendclub in Berlin-Friedrichshain überfallen

Ein 15-Jähriger musste mit einem Armbruch in ein Krankenhaus gebracht werden. Weitere junge Menschen erlitten Schläge und ebenfalls Verletzungen. Mitarbeiter der Einrichtungen befanden sich vor Ort. Sie standen jedoch unter Schock und konnten die Situation „nur bedingt entschärfen“, so Kindler.

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Vorerst ist der Jugendclub für die laufende Woche geschlossen. Kindler sagte am Donnerstag, sein Amt habe die rund 30 vergleichbaren Treffs im Bezirk über den Fall informiert. Entscheidend für das weitere Vorgehen sei nun, welchen Hintergrund die Tat hatte. Sicherheitsmitarbeiter für Jugendclubs sei nicht vorgesehen.

Jugendclub in einem Viertel der Kontraste

„Besonders besorgniserregend ist die Eskalation der Gewalt“, sagte Kindler. Er kündigte an, bei den wöchentlichen Bezirksamttreffen Stadträte und Verwaltung auf dem Laufenden zu halten und über die weiteren Entwicklungen im Jugendhilfeausschuss zu berichten.

Träger der Jugendeinrichtung neben der Justus-von-Liebig-Grundschule ist der Bund Deutscher Pfadfinder. Dort reagierte man am Donnerstag auf eine Morgenpost-Anfrage nicht. Der Kiez sowie seine Bewohner sind geprägt von den Extremen des Bezirks: Einerseits gibt es dort Eigentumswohnungen zu Höchstpreisen, anderseits steht das Viertel für den langjährigen Besetzer-Brennpunkt Rigaer Straße 94 sowie das 2020 geräumte Wohnprojekt Liebigstraße 34.

Vor Ort waren Donnerstagvormittag mehrere Hinweiszettel am Eingang des Clubs befestigt, die die vorübergehende Schließung bekannt geben. Ein Anwohner spekulierte, dass angesichts des politisch hitzigen Milieus möglicherweise ein Konflikt rechtsextremer und linker Gruppen hinter dem Überfall steckt. Laut Polizei liegen keine Erkenntnisse zu einem politischen Tatmotiv vor. Die Kripo ermittelt.

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