„Wenn der Bezirk das nicht erledigt, müssen wir eben selbst die Büsche wegschneiden“, sagte einer jener Hundebesitzer, die sich an diesem Vormittag am Auslauf im Wriezener Park treffen. Rund 60 Halter sind dort täglich mit ihren Tieren unterwegs. Sie sind unzufrieden, dass das erst 2022 eröffnete Areal in Friedrichshain zunehmend verwildert. Ihre Tiere sind dort menschlichen Fäkalien, Dornen und Drogenresten ausgesetzt. Das Bezirksamt aber lasse sie mit ihren Sorgen allein, so ihr Vorwurf.

Für mehrere 1000 Euro errichtete der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg im Wriezener Park nahe der Warschauer Straße einen Hundeauslauf, der im April 2022 eröffnet wurde. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter, heute X, postete das Amt damals zwei Bilder, die ein makelloses, weiträumiges, frisch eingezäuntes Areal zeigen. Ein Jahr später erkennt man den Ort nicht wieder.
Friedrichshain-Kreuzberg: Im Wriezener Park holt sich die Natur den Hundeauslauf zurück
Was zuvor übersichtlich und für Hunde angemessen war, ist jetzt von Büschen und Gras überwuchert. Für Menschen ist das nicht nur wegen Absperrungen zu aktuellen Bauarbeiten im Park völlig undurchdringlich – obwohl sich dort eines der zwei Zugangstore zum Auslauf befindet. Rund 50 Prozent der 1000 Quadratmeter sehen so aus. „Wir Hundebesitzer sind sehr für Grün und für die Natur“, sagt die 48-jährige Nina. „Aber hier wird zugelassen, dass ein Lebensraum für Hunde zunehmend nicht mehr nutzbar ist, den der Bezirk ursprünglich für sie eingerichtet hat.“
Die Nutzer wandten sich schriftlich ans Bezirksamt. Klagten sie Anfangs über Dornen, Steine und einen zu niedrigen Zaun, mahnten sie ab Juni 2022 bereits, dass das Grün zunehme. Die Fachbereichsleitung Grünfläche teilte zur Überraschung der Hundehalter zweierlei mit: Aus Gründen des Artenschutzes werde an Sträuchern und Büsche keine grundsätzliche Veränderung stattfinden. Es ging dem Amt nun nicht mehr um den nicht ganz billig erstellten Hundeauslauf, sondern um den Erhalt der entstandenen wilden neuen Naturfläche. Das Grün werde aber laut Amt im Rahmen üblicher Pflegemaßnahmen geschnitten.
Warum ein Ausgleich nur teilweise möglich ist
Es sei wohl nicht zu übersehen, sagt nun Hundebesitzer Christoph Stamm an diesem Vormittag, dass Letzteres nicht geschehe, und weist auf das Dickicht. Im Juni 2023 trug der 60-Jährige den Ärger der Halter in die Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung von Friedrichshain-Kreuzberg: In seiner Einwohneranfrage wollte Stamm vom Bezirksamt wissen, wie es mit dem zugewachsenen Teil des Hundeauslaufs nun weitergeht.
Stadträtin Annika Gerold (Grüne), zuständig für Straßen- und Grünflächenamt, sagte, eine Reduzierung des Bewuchses sei aus naturschutzrechtlichen Gründen nur in dem Maß möglich, wie an anderer Stelle Ersatz geschaffen wird. Einen Ausgleich könne man durch eine Böschung im Park herstellen, was durch einen Brand allerdings nicht vorankommt.
Leinenpflicht wird im Park durchgesetzt
Außergewöhnlich war eine Aufforderung der Stadträtin: „Ich möchte Sie bitten, den Bewuchs nicht selbstständig zu entfernen.“ Denn die Hundehalter hatten vorgeschlagen, die Pflanzen selbst zu beschneiden. „Dazu würden wir auch eigenes Geld ausgeben“, so Stamm. Denkbar wäre, im nahe gelegenen Baumarkt Gartenmaschinen auszuleihen.

Und die Hundebesitzer, so wird am Vormittag ihres Treffens deutlich, an der Idee fest. Sie zeigen sich zudem verärgert darüber, dass im Wriezener Park streng darauf geachtet wird, dass Hunde stets angeleint sind. Dabei lassen viele von ihnen auf den letzten 100 Metern zum Auslauf ihr Tier frei laufen. „Das Ordnungsamt kontrolliert hier häufig“, sagt Stamm auf dem Rückweg vom Auslauf und schaut zu wie Hündin Rhona über eine zerschlissene Doppelmatratze klettert, deren Füllung sich schon über viele Quadratmeter im Park verteilt hat. „Aber so etwas“, sagt Stamm, „befindet sich hier tagelang, ohne dass die Behörden etwas unternehmen.“


