Sehenswürdigkeit

Künstlerin spricht über ihr Bild an der East Side Gallery

Margaret Steele Hunter gestaltete die East Side Gallery als Künstlerin mit. Von ihr stammt das einzige noch gänzlich unveränderte Bild.

Die schottische Künstlerin Margaret Hunter vor ihrem Bild „Hands“ an der East Side Gallery. 

Die schottische Künstlerin Margaret Hunter vor ihrem Bild „Hands“ an der East Side Gallery. 

Foto: Joerg Krauthöfer / FUNKE Foto Services

Von Margaret Steele Hunter (72) stammt das einzige noch gänzlich unveränderte und unrestaurierte Bild an der East Side Gallery: „Hands“. 1985 kam sie mit 37 Jahren nach Berlin, eine schottische preisgekrönte Künstlerin mit einem Stipendium ihrer heimischen Glasgow School of Art. Nach einem persönlichen Vorstellungsgespräch wurde sie Schülerin von Maler Georg Baselitz an der Hochschule der Künste.

Zum Gallery-Projekt kam Steele Hunter durch Organisatorin Christine MacLean, die die Herkules-Aufgabe übernahm, 118 Künstler aus 21 Ländern zu koordinieren. „Mehrere Leute in einer Galerie auszustellen, ist bereits eine Herausforderung. Und mit mehreren Künstlern auf einem Haufen umzugehen, kann manchmal furchtbar sein. Aber McLean war erfolgreich!“, sagt sie.

Berlin hatte Steele Hunter überrascht. „Dass diese Stadt geteilt war, hat meine Arbeit sehr geprägt. Zu wissen, dass man irgendwann gegen eine Mauer rennt, wenn man nur lang genug läuft, dass man in einem großen Gefängnis war, dieses Gefühl von Gefahr: Das alles war immer präsent.“ Um so willkommener nahm sie nach dem Fall der Mauer eine Ausstellungseinladung nach Halberstadt, im heutigen Sachsen-Anhalt an. „Ich spürte und mochte die Neugier der Menschen dort auf mich als Schottin“, so Steele Hunter.

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„Meine Güte, ich male auf der Berliner Mauer“

In Berlin stimmte sie sofort zu, an der East Side Gallery dabei zu sein. „Es war eine Möglichkeit, meine Gedanken über die Mauerfall einzubringen.“ Aber erst vor Ort merkte sie, was für ein riesiges Projekt das war. Und dass Improvisation gefragt war. „Uns wurde Farbe zur Verfügung gestellt, aber nicht von bester Qualität. Und es gab viel zu wenige Leitern.“ Open-air zu malen war kompliziert. „Man stand auf dem Bürgersteig, hinter einem der Autoverkehr der Mühlenstraße“, erinnert sie sich. „Wenn ich mein Bild in seiner Gesamtheit sehen wollte, ging das gar nicht. Also malte ich, lief dann rüber auf die andere Straßenseite: Bild betrachten. Dann wieder zurück: Korrigieren und Weitermalen.“ Einmal erschrak sie. „Mein Gott, ich male auf der Berliner Mauer“, durchfuhr es sie. „Erst im Februar 1989 war Chris Gueffroy als letzter Flüchtling an der Mauer erschossen worden.“

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Ihr Hauptbild, „Joint Venture“, beschäftigt sich mit der Fusion von DDR und Bundesrepublik. Doch sie konnte eine weitere Arbeit hinterlassen. „Es war eben noch Platz übrig“, sagt sie leichthin. „Mich hatten die Montagsdemonstrationen in der DDR sehr beeindruckt, dieses Miteinander. Das wurde die Inspiration für mein Leinwand-Bild ,Berlin 9. 11. 1989’, und daraus wurde an der Gallery nun ,Hands’.“ Was mit der Leinwand geschah weiß sie nicht. „Eine Frau kaufte sie bei einer Ausstellung in London“, sagt Steele Hunter. „Eigentlich wollte es Roger Taylor, der Schlagzeuger der Band Queen kaufen. Er sagte mir aber danach, diese Frau sei ihm leider zuvor gekommen. Er hat dann drei andere meiner Bilder genommen.“

„Mancher wollte nur Worte hinterlassen“

Ist sie stolz, Teil der East Side Gallery zu sein? „Absolut“, erwidert sie spontan. „Über die Jahre hat das für mich Bedeutung gewonnen. Diese East Side Gallery hat mein Leben begleitet.“ Überhaupt fasziniere sie, dass die Gallery noch erhalten ist. „Dieses Stück Stein erzählt Geschichten darüber, was die Mauer für die Maler darstellt. Da waren Hobby-Maler, Laien, manche waren Profis, mancher wollte nur Worte hinterlassen. Aber alle wollten etwas sagen.“

Es mögen nicht Werke sein, die man in einem Museum findet, sagt die 72-Jährige. Aber sie spiegelten die Bedeutung der Zeit wider. Es kämen noch immer so viele Menschen wegen der Symbolkraft zur Gallery „Sie ist wie eine Zeitkapsel. Ein eingefrorener Moment.“, sagt Steele Hunter, die heute in Berlin und bei London lebt. „Uns Künstlern war dieser Augenblick wichtig. Und je mehr die Jahre vergehen, desto mehr Ausdruck gewinnen die Bilder.“

Margaret Steele Hunters Kunst ist in der Galerie aquabitArt, Auguststraße 35, Mitte zu sehen.