Kieztreff

Urbanstraße: Sanierung des Nachbarschaftshauses beendet

Das Nachbarschaftshaus Urbanstraße bringt die Menschen zusammen. Jetzt ist die 2,4-Millionen-Euro-Sanierung abgeschlossen.

Das Nachbarschaftshaus nach Dach- und Fassadenarbeiten sowie Sanierung der Räume.

Das Nachbarschaftshaus nach Dach- und Fassadenarbeiten sowie Sanierung der Räume.

Foto: Stadtentwicklungsamt Friedrichshain-Kreuzberg

Für die Bauarbeiter war es ein wenig wie Archäologie. Bei der Sanierung des Kreuzberger Nachbarschaftshauses Urbanstraße stießen sie hinter Wänden und unter Decken auf die Original-Rohre aus dem Entstehungsjahr des Gebäudes. Was vor mehr als 100 Jahren als Offizierskasino für ranghohe Militärs entworfen wurde, dient inzwischen dem friedlichen Miteinander im Bezirk. Am Freitag kommen Landes- und Bezirkspolitik sowie viele Menschen aus dem Kiez zusammen, um an der Urbanstraße 21 nach zweieinhalb Jahren Bauzeit den Abschluss der Sanierung zu feiern.

Das Nachbarschaftshaus ist das, was früher der Dorfplatz war: Ein Ort zum Austausch, ein Treffpunkt der Generationen – und in Kreuzberg: der Kulturen. Bis zu 5000 Menschen besuchen das Haus monatlich. Die singenden Herren von der Berliner Liedertafel, die Senioren vom Gymnastikkurs, die Bürgergenossenschaft vom Südstern, die Kitakinder und ihre Eltern aus dem ersten Stock.

Nachbarschaftshaus mit Reparaturcafé

Auf Nachfrage der Menschen im Kiez holt der Trägerverein Nachbarschaftshaus Urbanstraße e.V. zweimal pro Woche eine Sozialberatung ins Haus. Sonntags trifft man sich mit lädiertem Toaster und kaputtem Rad im Reparaturcafé.

Die Flächen vergibt der Trägerverein mal kostenlos, mal zum Selbstkostenpreis und – etwa an Wirtschaftsunternehmen – für Raummiete. Verstopfte Rohre und ein Konferenzsaal, der das Konferieren schwer machte, weil man wegen des Halls Gesprächsbeiträge oft schlecht verstand, erschwerten die Arbeit im Haus.

20 bis 30 Projekte nutzen das denkmalgeschützte Haus, sagt Geschäftsführer Markus Runge. „Aber einige Räume wirkten zuletzt heruntergekommen.“

Kaserne des Kaiser-Franz-Garde-Grenadier-Regiments Nr. 2

Was von außen aussieht wie eine Villa, war 1914 errichtet worden. Der Bau ist eine letzte Erinnerung an den einstigen Kasernenstandort. Dort lag das Kaiser-Franz-Garde-Grenadier-Regiment Nr. 2. Mit den Kasernen startete im 19. Jahrhundert die planmäßige Bebauung der östlichen Tempelhofer Vorstadt. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Kasernen zerstört und später abgerissen. Seit 1949 ist das Gebäude Nachbarschaftshaus, 1955 übernahm es der derzeitige Träger.

Nach der 2,4 Millionen Euro teuren Sanierung ist der Wandel jetzt allerorts zu bemerken. Fassade und Dach sind erneuert. Innen wurde etwa der Hauptsaal mit Akustik-Putz versehen, zeitgemäße Technik installiert. Fenstererneuerung und LEDs sparen Energie. Kabelleitungen und natürlich die alten Rohre wurden ausgetauscht. Bezahlt wurde dies aus den Fördermitteln Städtebaulicher Denkmalschutz.

Wertschätzung für Mitarbeiter und Besucher

Zwischen Juli 2017 und Mai 2018 blieb das Haus zur Sanierung geschlossen. Danach kehrten die Mitarbeiter und Projekte zurück und Markus Runge musste manchmal zu den Handwerkern gehen, um für etwas Ruhe zu sorgen. „Es war für alle eine Herausforderung“, sagt er. Dass der Bau jetzt so imposant aufgearbeitet wurde, versteht er als Signal der Wertschätzung für jene „die hier aus- und ein gehen und hier arbeiten“.

Freitag, den 13. März, ab zehn Uhr wird der Abschluss der Sanierung gefeiert. Zu Gast sind Katrin Lompscher (Linke), Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen, Vize-Bezirksbürgermeister Knut Mildner-Spindler (Linke) und Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne). Wie es sich für ein Nachbarschaftshaus gehört, sind alle Anwohner eingeladen.