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Spreetower in Friedrichshain sucht letzten Mieter

Am Ostbahnhof steht das 20-stöckige Hochhaus kurz vor der Fertigstellung. Bis 2024 entsteht ein ganz neues Quartier.

Den Spreeturm mit dem geschwungenen Portal beziehen Tech-Firmen. Daneben: der Postbahnhof.

Den Spreeturm mit dem geschwungenen Portal beziehen Tech-Firmen. Daneben: der Postbahnhof.

Foto: Eike Becker Architekten

Berlin. Im Take-away-Café gegenüber bevorraten sich am frühen Montagmorgen Mitarbeiter aus dem angrenzenden Bürobau von Daimler Group Services. Im Erdgeschoss des Meininger-Hotel-Hochauses daneben stehen die Gäste am Frühstücksbüffet Schlange. Bei Nachbar Zalando lässt ein Lieferwagen die Ladeklappe herunter: Im Quartier zwischen Ostbahnhof und Warschauer Brücke herrscht Tag für Tag Hochbetrieb.

Dabei wird an markanten Projekten wie den „Max und Moritz“-Zwillingstürmen noch gebaut. Ein Haus, das am Postbahnhof neuer Hingucker werden soll, steht kurz vor der Fertigstellung. Der 20-stöckige Spreeturm soll nach gut zweieinhalbjähriger Bauzeit im März so weit sein, dass der Innenausbau nach Wünschen der Mieter starten kann.

Der Spreeturm ist exemplarisch für das Quartier. Auf dem Areal oberhalb der Mühlenstraße stehen vor allem Bürobauten. Internet-Unternehmen Zalando vergrößert stetig seinen Campus, jüngst wurde ein Anbau des Hauptquartiers an der Tamara-Danz-Straße angekündigt. Am Mercedes-Benz-Platz ist ein Entertainmentzentrum entstanden, ein Stück weiter östlich, wo die East Side Mall an der Warschauer Brücke nach langer Durststrecke jetzt einen Aufschwung erlebt, soll bis 2023 das 140 Meter hohe Bürogebäude „Edge East Side Berlin“ hochwachsen. Hauptmieter wird das Online-Kaufhaus Amazon.

Halb so hoch wie das geplante „Edge“ ist der Spreeturm. 70 Meter ragt er auf einem Grundstück von 2196 Quadratmetern empor, sagt Oliver Zimper, Chief Investment Officer von Investor und Asset Manager NAS Invest Gruppe. Das Unternehmen kaufte das Gebäude im Februar 2019 von der DWI Gruppe. Das Gros der Gesamtmietfläche von 13.500 Quadratmeter sei vergeben, sagt Zimper.

Spreetower am Ostbahnhof: Entscheidung über dritten Mieter Mitte des Jahres

Ein Mieter ist McMakler, die auf Etagen sechs bis zwölf 4500 Quadratmeter übernehmen. Mit dem Einzug wird in diesem August gerechnet. Ein weiterer Mieter ist Hubspot. Der Softwareentwickler und -vermarkter hat seinen Hauptsitz im US-Bundesstaat Massachusetts, ist in mehr als 100 Ländern präsent und an der New Yorker Börse notiert. In Berlin arbeitet man bislang in einem Coworking-Space. Jetzt übernimmt das Unternehmen Mitte des Jahres 5200 Quadratmeter auf den Etagen 13 bis 19 sowie die umlaufende Terrasse im 20. Stock. Dann soll auch die Entscheidung für den dritten Mieter gefällt sein.

„Es ist ein junges Quartier“, sagt Zimper. „Und das zeigt sich auch beim Spreeturm. Um Personal zu finden, müssten Tech-Unternehmen möglichen Mitarbeitern im umkämpften Berliner Markt schon einiges bieten. Angestellte legten etwa Wert auf ein nachhaltig betriebenes Arbeitsumfeld, das der Spreeturm etwa bei der Klimatechnik biete. Hubtech wird ihnen zudem Mutter-Kind-Räume und Entspannungszonen mit Spielkonsole und Yoga bieten.

Die Gestalt des Gebäudes hat sich seit den ersten Planungen Mitte des vergangenen Jahrzehnts geändert. Im Stadtentwicklungsausschuss von Friedrichshain-Kreuzberg waren die Architekten noch mit einem Bau angetreten, der sich scheinbar leicht um die eigene Achse drehte, was aber in der Büroaufteilung nicht effizient genug gewesen wäre, sagt Zimper. Aus der Bezirksverordnetenversammlung gab es lange Widerstand gegen die jetzt letztlich doch realisierte Bauhöhe.

Wer sich allerdings heute die Höhe bereits fertig gestellter Projekte sowie die Dimensionen der wenigen noch nicht abgeschlossenen Bauten ansieht, stellt fest, dass sich der Spreeturm am westlichen Eingang des Quartiers in die Umgebung bestens einfügt. Von der Dachterrasse blickt man noch hinab auf die Baustelle der „Max und Moritz“-Türme.

2024 soll das neue Quartier in Friedrichshain fertig sein

Das wird sich bis 2022 ändern. Dann schaut man von den Türmen mit einer Höhe von 86 und 96 Metern hinab auf den Spreetower. Das Projekt mit 440 Appartements ist mit „Pure Living“ gegenüber der East Side Gallery, „Living Levels“ und „Pier 61/63“ eines der Bauprojekte mit Wohnschwerpunkt in einem Quartier, das von Bürotowern und Entertainment bestimmt wird.

Sieben Gebäude sind noch in Bau, heißt es bei den Immobilienentwicklern der vor Ort dominierenden Anschutz-Entertainment-Group (AEG). Im Viertel gibt es weitere Pläne für Neubauten am Ende der Sackgasse Tamara-Danz-Straße sowie neben dem Spreeturm.

2024 werde das Quartier vollendet sein, heißt es bei der AEG. Dort ist man zunehmend ungeduldig, weil es bisher noch keine klare Durchgänge vom Ostbahnhof zu Arena, Lokalen und Konzerthallen gibt. Kinobesucher, Musik- und Eishockey-Fans ziehen bisher auf dem Weg dorthin über die Mühlenstraße – statt entlang der Hotels und Bürobauten neues Leben ins Viertel zu bringen.

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