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Dragoner-Areal in Kreuzberg: Was dort geplant ist

Die Entwicklung des Kreuzberger Rathausblocks und des dazu gehörenden Dragoner-Areals ist einen Schritt vorangekommen.

Der Rathausblock vom Mehringdamm aus gesehen. Im Vordergrund in Braun das Finanzamt. Die neuen Gebäude werden in Blau dargestellt. Linksaußen im Bild in Blau und Weiß: das Rathaus mit Erweiterungsbauten. Im Gelände mit weißem Dach: der längliche Neubau für lautes Gewerbe.

Der Rathausblock vom Mehringdamm aus gesehen. Im Vordergrund in Braun das Finanzamt. Die neuen Gebäude werden in Blau dargestellt. Linksaußen im Bild in Blau und Weiß: das Rathaus mit Erweiterungsbauten. Im Gelände mit weißem Dach: der längliche Neubau für lautes Gewerbe.

Foto: Patrick Goldstein

Fünf Monate lang näherte man sich einer verbindlichen Vorgabe. Am Donnerstagmorgen wurden die Siegerinnen verkündet. Der Entwurf der Architekturbüros „Smaq Architektur und Stadt“ sowie „Man Made Land“ sieht in Kreuzberg – auf dem landeseigenen Gelände des Rathausblocks – 525 neue Wohnungen sowie Gewerbe auf einer Fläche von rund 21.000 Quadratmetern vor.

Dazu gehört ein neues Hochhaus mit 16 Stockwerken und 219 Tiefgeschoss-Parkplätze. Die Vertreterin der Gewerbetreibenden in der Jury mahnte bei der Bekanntgabe allerdings zusätzlichen Platz im Entwurf an und verlangt Planungssicherheit.

Das 13,6 Hektar große Sanierungsgebiet Rathausblock rahmen Mehringdamm, Yorck-, Großbeeren- und Obentrautstraße ein. Über Bezirksgrenzen hinweg bekannte Orte sind etwa das Finanzamt, Imbissbude Curry 36, Mustafas Gemüse Kebap und das ehemalige Rathaus Kreuzberg.

Geplant wurde nun für das 4,7 Hektar große Dragonerareal und angrenzende Flächen. Es ist seit den 20er-Jahren Gewerbestandort. Dort befinden sich unter anderem Kfz-Werkstätten, ein Biomarkt und der Club „Gretchen“.

Rathausblock: Wohntower werde „das Herz des neuen Quartiers“

Am Ende eines Werkstattverfahrens mit drei Planungsteams erklärte der Juryvorsitzende Rudolf Scheuvens am Donnerstag, der Siegerentwurf sei nun „eine belastbare, robuste Konzeption (...), die hohe Qualität für das Dragonerareal verspricht“.

Dabei musste eine Lösung gefunden werden, wie Wohnungsneubau mit sozialverträglichen Mieten, offene Plätze, Durchwegung und eine unter Denkmalschutz stehende Gesamtanlage – darunter die alte Garde-Dragoner-Kaserne, das heutige Finanzamt – in ein Gesamtkonzept zu bringen waren.

Sieger-Architektin Sabine Müller, Geschäftsführerin von Smaq Architektur und Stadt, ergänzte, zentrale Herausforderung sei gewesen, die große Baumasse „so zu verteilen, dass dennoch Freiräume bleiben“. Zum ökologisch orientierten Entwurf gehören jetzt aufeinander folgende Plätze, Raum für Kita und Jugendfreizeit, ein grünes Wegenetz, eine Paketstation sowie Gründächer. Der Wohntower werde „das Herz des neuen Quartiers“ markieren, sagte Co-Architektin Anna Lundqvist.

Auf einem Gebäude ist ein Gewächshaus geplant

Besonderes Augenmerk liegt auf einem langgezogenen mehrstöckigen Bau, der „Urbanen Fabrik“: Wo auf dem Dach ein Gewächshaus mit Gemüse und Kräutern Platz finden wird, soll in den Etagen darunter lautstark gearbeitet werden: In Werkstätten, Tischlereien, Metallbauer, die sich einerseits schon auf dem Gelände befinden, andererseits aus anderen Teilen Berlins verdrängt wurden, weil sie durch ihre Lautstärke nicht mehr zur Wohnbebauung passten. „Störende Betriebe“ heißen sie im Anforderungskatalog des Projekts. Ihnen werden bei Müller und Lundqvist vom gesamten neuen Gewerberaum 14.000 Quadratmeter eingeräumt.

Forderung: „Gebäude muss höher und breiter werden“

Das ist Pamela Schobeß vom Vernetzungstreffen Rathausblock zu wenig. Die Vertreterin der Gewerbetreibenden und Chefin des Clubs „Gretchen“ an der Obentrautstraße verwies auf die zwei unterlegenen Entwürfe. Dort seien immerhin rund 19.000 und 20.000 Quadratmeter für laute Betriebe vorgesehen gewesen.

„Das Gebäude muss also höher und breiter werden“, forderte sie. Zudem verlangt sie nicht nur verbindliche Zusagen, dass sich die Unternehmen dort tatsächlich mit der ihnen eigenen Lärmerzeugung ansiedeln können, sondern auch die entsprechende bauliche Umsetzung. „Das wichtigste ist, dass das Nebeneinander von Wohnen und Arbeiten am Ende funktioniert“, so Schobeß.

Florian Schmidt, Grünen-Baustadtrat in Friedrichshain-Kreuzberg, zeigte sich zufrieden, dass das Rathausgebäude um 7000 Quadratmeter erweitert wird. Zum Zeitrahmen sagte Sebastian Scheel (Linke), Staatssekretär für Wohnen, Ziel sei es, bis zum Herbst 2021 Planreife zu haben, – „wenn wir Gas geben“. Insgesamt handele es sich beim Rathausblock um ein Modellprojekt zum Umgang mit Innenstadtgebieten und der Frage der Prozessgestaltung.

Massiver öffentlicher Protest

Dabei war eine Vielzahl von Interessengruppen einbezogen worden. Als verbindliche Grundlage unterzeichneten Anwohnergremien, Initiativen und Institutionen im Juni 2019 einen entsprechenden Kooperationsvertrag. Beteiligte sind die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, das Vernetzungstreffen Rathausblock, Delegierte des Forums Rathausblock, Gewerbetreibende vor Ort, die landeseigene Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) und die Wohnungsbaugesellschaft Berlin Mitte (WBM), die einen Großteil des Wohnbaus realisieren wird.

Das Areal sollte ursprünglich vom alten Eigentümer, der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), meistbietend verkauft werden. Nach massivem öffentlichen Protest und einer Bundesratsentscheidung ging es aber im Juni 2019 an die BIM, die die Verwaltung und Bewirtschaftung des Grundstücks übernahm.