Stadtentwicklung

Neues Fitness-Areal im Park am Gleisdreieck eröffnet

Im Park am Gleisdreieck ist ein öffentliches Fitness-Areal eröffnet worden. Ex-Kunstturner Philipp Boy zeigt, was trainiert werden kann.

Mit voller Kraft: Kunstturner Philipp Boy schwingt sich von einem der neuen Geräte in die Höhe. Der Parcours ist jetzt für jedermann zugänglich.

Mit voller Kraft: Kunstturner Philipp Boy schwingt sich von einem der neuen Geräte in die Höhe. Der Parcours ist jetzt für jedermann zugänglich.

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Es war möglicherweise nicht das ideale Wetter zum Turnen. Der ehemalige Olympiateilnehmer Philipp Boy schwang sich dennoch über Stangen und Geräte auf dem Gleisdreieckpark. Grund war die Eröffnung eines Fitness-Areals für alle – finanziert vom privaten Projektentwickler Copro, der an dem Park sieben Hochhäuser baut. Ab sofort gibt es dort einen kostenlosen Ort, um sich wie die Profis zu trimmen.

An diesem Wochenende trainiert Boy schon einmal Sportbegeisterte und jene, die sich an ihre guten Gesundheitsvorsätze zum Neujahr halten wollen, ohne gleich einem Fitnessstudio beitreten zu müssen.

Der Ex-Kunstturner, der bei den Weltmeisterschaften 2010 und 2011 Silber holte, war an der Gestaltung des Parcours „B-Part Sports“ beteiligt. Dieser befindet sich nahe dem Parkzugang Luckenwalder Straße, um die Ecke vom Veranstaltungsort „Station“ und dem Technikmuseum.

Fitness-Areal am Gleisdreieck: Workout-Flächen, Stepboxen und Turngeräte

Auf 300 Quadratmetern können Besucher von morgens bis Anbruch der Dunkelheit jetzt sogenannte Workout-Flächen, Stepboxen und Turngeräte nutzen. „Ich wollte Sportbegegnungsorte schaffen“, sagte der 32 Jahre alte gebürtige Schwedter Boy.

Wie bei der Eröffnung zu erleben war, ist es ein sehr großstädtisches Erlebnis, dort zu trainieren: Während auf dem Fußweg Hundebesitzer, Radfahrer und Mütter mit Kinderwagen vorziehen, schießt gelegentlich auf der anderen Seite lautstark ein Schnellzug über die Gleise. Sportbegeisterte können nun entweder selbstständig den Platz nutzen. Oder sie buchen sich über www.bpart.berlin einen Kurs, etwa mit Olympionike Boy. Das kostet dann allerdings.

Was die Nutzung auch für Anfänger begünstigt: Der Kunstboden unter den imposanten Stangen ist gepolstert. Wer wie Boy daran große Sprünge unternimmt, muss nicht allzuschwere Stürze fürchten. Boy selbst hat sich 2012 vom Kunstturnen verabschiedet.

„Steigende Sportnachfrage“ im Bezirk

Als Vertreterin des Bezirksamts war Michaela Schulte, Fachbereichsleiterin Sport, bei der Eröffnung. Sie begrüßte die neue Freizeitmöglichkeit im Gleisdreieckpark. „Gerade in Friedrichshain-Kreuzberg haben wir eine steigende Sportnachfrage. Gleichzeitig sind wir der Bezirk mit den wenigsten Sportflächen in der Stadt“, sagte sie.

Bei der Gestaltung des zwischen 2008 und 2013 gebauten Parks am Gleisdreieck hatten Land und Bezirk dem schon Rechnung getragen. Auf der „B-Part Sports“ gegenüberliegenden Seite stehen eine Reihe Tischtennisplatten sowie Laufbänder, die täglich rege genutzt werden.

Finanziert wird das neue Sportfeld von der Copro Projektentwicklung GmbH. Sie errichtet am Park das Ensemble „Urbane Mitte“. Auf einem brachliegenden 4,3 Hektar großen Gelände soll ein Stadtquartier mit einer Geschossfläche von 119.000 Quadratmetern entstehen. Dazu gehören sieben Hochhäuser mit sieben bis 24 Stockwerken. In die Viadukte will das Unternehmen vor allem Manufaktur-Betriebe holen. Visualisierungen zeigen Geschäfte und eine neue gepflasterte Durchwegung mit Cafés.

Offenes Stadtquartier für alle soll entstehen

Im März 2019 war dort „B-Part“ eröffnet worden, ein in nachhaltiger Bauweise errichteter Kulturtreff, in dem für relativ günstige 15 Euro pro Tag Coworking-Space gebucht werden kann. Copro rechnet 2025/26 mit der Baufertigstellung.

Am Donnerstag betonte Copro-Gründer Marc Kimmich, es werde ein „nachhaltiges offenes Stadtquartier für alle entstehen“. Das Projekt hatte von vornherein die Öffentlichkeit einbezogen. 2014 startete ein Werkstattverfahren, bei dem Anwohnerbedürfnisse gehört wurden.

Das Projekt wurde ausgezeichnet, bevor das erste Wohnhaus steht. Im Oktober 2017 würdigte die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen unter anderem die regenerative, ressourcenschonende Architektur.

Neuer Raum für eine nicht-kommerzielle Nutzung

„Urbane Mitte“ zählt zu den Lieblingsprojekten von Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne). Der Platz passt gut zu einem der Leitziele im Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg. Dort bemüht man sich, bei der Genehmigung von Bauprojekten dafür zu sorgen, dass Raum für eine nicht-kommerzielle Nutzung entsteht oder bewahrt wird.

Dies war ein entscheidender Gedanke etwa bei der Gestaltung einer Begegnungszone Bergmannstraße. Die später verhöhnten und inzwischen abgebauten Parklets sollten Passanten Gelegenheit bieten, am Rand der beliebten Straße Platz zu nehmen, ohne dafür über eine Bestellung in einem der Cafés oder Restaurants bezahlen zu müssen. Der Wunsch nicht-kommerzieller Nutzung war bei der Befragung im Rahmen der Bürgerbeteiligung zur Begegnungszone von Teilnehmern geäußert worden.

Das kostenlose Angebot am Sonnabend wird nur an diesem Tag geboten. Philipp Boy leitet dann ein Training. Von 13 bis 14 Uhr kümmern er und sein Team sich um Fitness-Anfänger. Von 15 bis 16 Uhr sind erfahrene Teilnehmer zum Zug. „Workout unter freiem Himmel“, sagte der Vize-Weltmeister am Donnerstag, „ist für mich ein Stück Lebensqualität.“ Ab sofort können Besucher ganz ohne Zeitdruck und Kosten ausprobieren, ob sie das auch so sehen.