Machbarkeitsstudie

Neubau Zentral- und Landesbibliothek: Das sind die Entwürfe

Die ZLB ist bisher auf zwei Standorte verteilt. Ende des Jahre soll ein Architekturwettbewerb für einen Neubau starten.

Variante zum Neubau der Zentralbibliothek in Berlin  

Variante zum Neubau der Zentralbibliothek in Berlin  

Foto: David Chipperfield Architects

Berlins größtes Kulturneubau-Projekt der kommenden Jahre nimmt endlich Fahrt auf. Am Freitag stellten Vertreter des Senats und des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg die Ergebnisse einer Städtebaulichen Machbarkeitsstudie zum Bau der Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB) auf dem Blücherplatz in Kreuzberg vor. Die gute Nachricht: Der Bau ist machbar – und zwar gleich in drei Varianten. Welche Variante letztlich ausgewählt wird, ist allerdings noch offen.

Zur Erinnerung: 2014 scheiterte der damalige Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) mit seinem Vorhaben, einen Neubau für die Bibliothek am Rande des Tempelhofer Feldes zu errichten. Der Volksentscheid für ein unbebautes Feld verhinderte dies. Die Baukosten waren damals mit rund 270 Millionen Euro beziffert worden.

Neubau der Zentral- und Landesbibliothek: Zuverlässige Kostenschätzung noch nicht möglich

Die ZLB braucht dringend einen Neubau, denn sie ist heute auf zwei Standorte, die Berliner Stadtbibliothek in Mitte und die Amerika-Gedenkbibliothek in Kreuzberg, verteilt. Jährlich besuchen rund 1,6 Millionen Menschen die beiden Standorte – damit ist die ZLB die am besten besuchte öffentlich geförderte Kultureinrichtung Berlins.

Die Kosten für den Neubau sind allerdings immens: Kultursenator Klaus Lederer (Linke) hatte mit Verweis auf Wirtschaftlichkeitsberechnungen im Jahr 2017 mitgeteilt, man müsse mit 360 Millionen Euro rechnen. Am Freitag ergänzte Senator Lederer: „Auch eine halbe Milliarde wäre kein verschwendetes Geld, wenn ich mir so anschaue, was in Berlin zuletzt so gebaut wurde.“

Kommentar: Die Zentralbibliothek wird für Senator Lederer zum Risiko

Allerdings verwies Katrin Lompscher (Linke), Senatorin für Stadtentwicklung, am Freitag darauf, dass eine zuverlässige Kostenschätzung derzeit noch nicht möglich sei. Das Planerteam, das die drei Varianten geliefert hat - das Architekturbüro David Chipperfield in Zusammenarbeit mit Urban Catalyst GmbH und LK Argus - zeigt mit seinen drei Varianten lediglich das städtebauliche Modell, auf dessen Grundlage ein späterer Architekturwettbewerb erfolgen kann.

Neubau Zentral- und Landesbibliothek - Entwürfe unterscheiden sich

Die drei vorgelegten Entwürfe unterscheiden sich vor allem durch die Verteilung der Baumasse auf dem Blücherplatz. Nach Variante 1 würden gleich zwei Gebäude beidseits der Amerika-Gedenkbibliothek entstehen. Variante 2 schlägt vor, einen großen Kubus an der nordöstlichen Platzecke, an der Kreuzung Waterloo-Ufer und Zossener Straße, zu errichten. Variante 3 schließlich platziert einen U-förmigen Baukörper ebenfalls auf der nordöstlichen Platzseite. Allen drei Varianten ist gemeinsam, dass von der ehemaligen Grünfläche nicht viel übrig bleibt.

Bau der Bibliothek soll spätestens 2026 starten

„Die Herausforderung war deshalb, die erhebliche Baumasse - wir reden hier von immerhin 38.000 Quadratmetern Nutzfläche -stadtverträglich zu organisieren“, sagte Lompscher. Vorgaben waren, dass das neue Komplex nicht höher als 50 Meter sein darf, dass für die bebaute Fläche ein gleichwertiger ökologischer Ausgleich geschaffen werden muss, dass die in der Zukunft geplante Straßenbahntrasse nicht zugebaut und die denkmalgeschützte Amerika-Gedenkbibliothek nicht „erschlagen" werden darf.

Auf Grundlage der drei städtebaulichen Entwürfe solle Ende dieses Jahres ein Architekturwettbewerb starten, ergänzte Kultursenator Lederer. Das Ergebnis soll dann Mitte 2021 vorliegen. Ziel sei es, mit dem Bau der Bibliothek spätestens 2026 gestartet werden.