Pläne fürs neue Jahr

Friedrichshain-Kreuzberg und Lichtenberg: Was sich 2020 tut

In den Berliner Bezirken müssen 2020 zahlreiche Probleme gelöst werden. Diesmal: Friedrichshain-Kreuzberg und Lichtenberg.

An der Rummelsburger Bucht in Lichtenberg soll die neue Touristenattraktion „Coral World“ entstehen.

An der Rummelsburger Bucht in Lichtenberg soll die neue Touristenattraktion „Coral World“ entstehen.

Foto: Jens Kalaene / ZB

Wie geht es mit der Bergmannstraße in Kreuzberg weiter? Wer bringt sich für den Posten des neuen Rathaus-Chefs in Position? Was passiert an der Rummelsburger Bucht? Und wie soll sich der Prerower Platz in Neu-Hohenschönhausen verändern? Heute ein Ausblick für die Bezirke Friedrichshain-Kreuzberg und Lichtenberg.

Friedrichshain-Kreuzberg

Bergmannkiez Es gibt Menschen im Bezirk, die den Streit um die Zukunft der Kreuzberger Bergmannstraße mit dem Hin und Her um den Brexit vergleichen. Viele Anwohner sind der scheinbar endlosen Debatte über Parklets, grüne Punkte und rivalisierende Konzepte einer Verkehrsberuhigung müde. Sie durchschauen nicht mehr recht Zweck und Folgen für ihr Leben im Kiez. Im Unterschied zu Großbritannien haben sich die Gegner im vergangenen Jahr allerdings zunehmend durchgesetzt und einen vorzeitigen Rückbau der Maßnahmen erwirkt. 2020 soll nun das Jahr der Entscheidung werden. Im ersten Quartal sollen die unterschiedlichen Planungsvarianten für die Bergmannstraße der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) zur Beschlussfassung vorgelegt werden.

Nachfolge Bezirksbürgermeisterin Bei der nächsten Wahl im Jahr 2021 tritt Monika Herrmann nicht mehr an. Die Grüne zählt zu den bekanntesten Bezirkschefs der Stadt. Im Oktober vergangenen Jahres sagte sie dennoch: „Ich bin seit 2006 Stadträtin und seit 2013 Bürgermeisterin. Drei Wahlperioden, also insgesamt 15 Jahre politische Leitung, sind dann auch gut.“ Wie wenige in der Stadt verkörpert die gebürtige Neuköllnerin grüne Themen, etwa Mobilitätswende, Wohnraumgerechtigkeit, Gleichstellung, unabhängig von Geschlecht und Herkunft. Stärkste Kraft in der BVV sind derzeit die Grünen. 2020 darf man gespannt sein, wer sich bei ihnen für die Nachfolge in Position bringt. Als eine Favoritin gilt Umweltstadträtin Clara Herrmann, die im Gegensatz zur Namensvetterin nicht zum großen Auftritt neigt. Über Baustadtrat Florian Schmidt wissen Parteifreunde, dass er seine Ziele für den Bezirk genau in dem Ressort verfolgen kann, das er bereits verantwortet.

Jazzfest Im vergangenen Jahr wäre dem berlinweit renommierten Jazzfest zum 25-jährigen Jubiläum fast der Stecker gezogen worden. Denn die Bergmannstraße, auf der das Festival stets stattfand, bot wegen der Erprobung der Begegnungszone, etwa durch neue Fahrradbügel, nicht mehr genug Platz für Bühnen, Imbiss- und Verkaufsstände. Deren Betreiber sorgen mit ihren Standgebühren dafür, dass der veranstaltende Verein Bands buchen und Gebühren zahlen kann. Der im Wortsinn nahe liegende Umzug in die Kreuzbergstraße wirkte auf Besucher zunächst wie ein Gewinn. Die Show-Strecke bot mehr Raum, vom Viktoriapark aus konnte man gechillt lauschen und ein bisschen feiern. Allerdings fehlte die gepflegte Gourmetküche im Zelt der Spitzenköche von „Kreuzberg kocht“, die Bergmannstraßen-Läden erlebten einen Umsatzeinbruch, am Veranstaltungssonntag kam weniger Publikum – der Hitze wegen, sagten die Veranstalter. Wie sie mit dem ungewohnten Umfeld 2020 zurechtkommen, wird sich im Juni zeigen. Sie versichern allerdings: Das Bergmannstraßenfest bekommt einen neuen Namen.

Zukunft des Amazon-Towers Im Spätherbst entbrannte plötzlich ein öffentlicher Streit um das „Edge East Side Berlin“-Hochhaus. Es soll an der Warschauer Brücke, direkt neben der East Side Mall in Friedrichshain entstehen. 28 der 35 Etagen will das globale Internetkaufhaus Amazon anmieten. Baustadtrat Schmidt versuchte, das Projekt auszubremsen: Die Bauherren hätten sich doch allzu borniert über Vorgaben hinweggesetzt. Letztlich gab der Senat grünes Licht für den Baubeginn. Aber unter Gentrifizierungsgegnern ist der neue Sitz des namhaften Unternehmens so zum Symbol eines unerwünschten Wandels geworden, wie es die gegenüber in Kreuzberg geplante Niederlassung von Google bis Oktober 2018 war. Bis der Konzern angesichts Dauerwiderstands sein Vorhaben aufgab. Seit Dezember formiert sich nun Protest gegen Amazon. Mit Veranstaltungen und Plakaten arbeiten Aktivisten darauf hin, das Unternehmen im Bezirk zu verhindern.

Lichtenberg

Rummelsburger Bucht Deutschlands größtes Obdachlosencamp an der Rummelsburger Bucht muss der umstrittenen Touristenattraktion „Coral World“ weichen. Noch in diesem Jahr sollen dort die Bauarbeiten beginnen. Nun scheint die Senatsverwaltung für Soziales kurzfristig einen Ausweichstandort gefunden zu haben. Eine ehemalige Flüchtlingsunterkunft an der Köpenicker Allee in Karlshorst soll bis zum Ende der Kälteperiode im April Obdachlose beherbergen, die in das beheizte Gebäude ziehen möchten. Über eine Folgelösung wird noch beraten.

Kinderarmut Lichtenberg ist bislang Berlins einziger Bezirk, der für seine Verdienste um Kinder, Eltern und Senioren mit dem Titel „familiengerechte Kommune“ ausgezeichnet wurde. Besonders um die Situation der Jüngsten will sich das Bezirksamt 2020 kümmern. Ende 2019 wurden in der ersten Lichtenberger Kinderarmutskonferenz Präventionsstrategien diskutiert. Im Fachbeirat sowie in vier Arbeitsgruppen sollen nun Strukturen erarbeitet werden, die Kinderarmut entgegenwirken. Wichtige Leitbilder sollen dabei soziale Teilhabe, Bildung, Gesundheit und die existentielle Versorgung sein.

Stadtteildialoge Ein Erfolgskonzept aus den vergangenen Jahren soll 2020 fortgeführt werden. Das Bezirksamt führte die Stadtteildialoge seit Mitte 2018 in den Regionen Lichtenbergs durch, indem es zum Austausch zwischen Bürgern, Politik und Verwaltung lud. Vor Ort konnten Lichtenberger mit der Bezirksverwaltung ins Gespräch kommen, Probleme ansprechen oder Wünsche äußern. Etwa zehn Veranstaltungen wurden pro Region angeboten. 2020 geht das Projekt in eine neue Runde.

Campus für Demokratie Die ehemalige Stasi-Zentrale an der Normannenstraße soll zu einem „Campus für Demokratie“ werden, so viel steht bereits seit 2012 fest. Passiert ist seitdem wenig, ein Archiv für alle Stasi-Akten und Unterlagen soll hier untergebracht werden, auch die momentan noch in Lichterfelde aufbewahrten Stasi-Bestände. Anlass für Kritik gab immer wieder die Zwischennutzung des Areals. Große Teile der Anlage stehen nämlich leer, 2019 wurde kurzzeitig ein Gebäude besetzt. Aktuell sollen Aktivisten ein Gebäude umbauen, ihnen dauert die Entscheidungsfindung von Bund, Land, Bezirk und Privateigentümern zu lange. Inwiefern sie das stark sanierungsbedürftige Gebäude tatsächlich nutzen können, wird sich zeigen.

Prerower Platz Das Areal soll umgestaltet werden. Rund um das Linden-Center in Neu-Hohenschönhausen dominieren Grautöne das Bild. Das Bezirksamt will daher in diesem Jahr einen städtebaulichen Wettbewerb ausloben, um dem Zentrum von Hohenschönhausen ein neues Gesicht zu geben. Prokop Bowtromiuk, Pressesprecher des Bezirks, kann sich verschiedene Nutzungskonzepte vorstellen. „Es könnte eine Ausstellungshalle geben, einen Veranstaltungsraum oder eine Galerie.“ Man würde auch überlegen, die Anna-Seghers-Bibliothek im Linden-Center besser in den Platz zu integrieren.

In der nächsten Folge geht es um die Bezirke Treptow-Köpenick und Neukölln.

Die anderen Teile der Serie finden Sie hier:

Das ändert sich 2020 in Neukölln

Friedrichshain-Kreuzberg und Lichtenberg: Was sich 2020 tut Was sich in Pankow und Tempelhof-Schöneberg 2020 ändert

Breitscheidplatz, Thai-Wiese, U5: Die Vorhaben der Bezirke