Rigaer Straße

Linksextreme bedrohen Zeugen an Rigaer Straße

Ex-Polizist Nick Hein veröffentlicht ein Video mit internen Dokumenten. Anwohner der Rigaer Straße werden laut Polizei eingeschüchtert.

Im wieder kommt es im Umfeld des Hauses Rigaer Straße 94 zu Ausschreitungen und Körperverletzungen.

Im wieder kommt es im Umfeld des Hauses Rigaer Straße 94 zu Ausschreitungen und Körperverletzungen.

Foto: Florian Boillot

Berlin.  Der Expolizist und Kampfsportler Nick Hein hat am Sonntag auf seinem Videokanal auf der Internetseite Youtube seltene Aufnahmen aus der Rigaer Straße veröffentlicht. In dem Film zeigt er Drohnenaufnahmen, Videosequenzen aus dem Haus und vom Innenhof. In dem Film treten auch Politiker wie der CDU-Fraktionschef Burkard Dregger und der SPD-Innenexperte Tom Schreiber auf. Brisant: Hein ist auch im Besitz eines polizeilichen Lagebildes, in dem beschrieben wird, wie Anwohner der Rigaer Straße offenbar systematisch von Linksextremen bedroht werden.

Um was geht es? Im März des vergangenen Jahres soll M. vor einer Bäckerei an der Rigaer Straße einen 54-jährigen Passanten zusammengeschlagen und wenige Tage später einen Polizisten attackiert haben. Mehrere Zeugen beobachteten damals den Vorfall und sagten nach dem Ereignis bei der Polizei aus. Zur Festnahme von M. rückten aus Sorge vor Ausschreitungen seiner Unterstützer mehr als 300 Polizisten an. M. wohnt selbst an der Rigaer Straße und gilt als Szene-Türsteher.

Rigaer Straße: Das Video von Nick Hein auf YouTube

YT Rigaer Drohne

In dem Lagebild, aus dem Hein in seinem Bericht zitiert und das die Berliner Morgenpost auch einsehen konnte, wird geschildert, wie Zeugen des Verfahrens eingeschüchtert wurden und unter Polizeischutz stehen. Grund ist offenbar, dass ein Anwalt in dem Verfahren Akteneinsicht beantragt und die auch bekommen hatte. In den Akten standen aber offenbar die ungeschwärzten Namen der Zeugen. Diese Namen sind wiederum an die linksextreme Szene durchgegeben worden. In dem mit „nur für den Dienstgebrauch“ gekennzeichneten Dokument wird etwa von einer Familie berichtet, die bedroht und eingeschüchtert wird. Zudem werde das Paar nachts durch anhaltendes Klingeln terrorisiert.

Mehrere Anwohner hätten zudem ein anonymes Schreiben im Briefkasten gehabt, in dem sie aufgefordert wurden, sich zu einer Art Kiezgericht einzufinden, bei dem über das „Meldeverhalten“ gegenüber der Polizei gesprochen werde. Eine weitere Zeugin erhalte laut Lagebild der Polizei seit ihrer Zeugenaussage keine Post mehr. Die Vermutung: Personen aus dem Umfeld der Rigaer Straße fangen die Post ab und versuchen so, weitere Informationen herauszufinden.

Zahl der Körperverletzungen an Rigaer Straße fast verdoppelt

Zahlen, die der Berliner Morgenpost vorliegen, zeigen, dass die Körperverletzung an der Rigaer Straße sich im ersten Halbjahr 2019 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum fast verdoppelt haben, die Angriffe auf Polizisten nahmen gleichzeitig um 350 Prozent zu. Die Polizei stufte den Bereich in diesem Jahr zu einem ihrer wichtigsten Einsatzgebiete in ganz Berlin hoch.

Trotzdem herrscht in dem Gebiet Stillstand. Pläne des Innensenators, das Haus mit Steuergeld zu kaufen und so das Gebiet zu befrieden, scheiterten. Ein Treffen von Geisel mit dem Mehrheitsgesellschafter des Eigentümers und dessen Anwälten Mitte September verlief wie berichtet ohne Ergebnis. Die Schuld dafür geben sich beide Seiten. Während der Besitzer der Politik vorwirft, lediglich Lippenbekenntnisse zu leisten, heißt es aus der Verwaltung, dass das Treffen nicht seriös gewesen sei.

Im November eskaliert die Gewalt an der Rigaer Straße erneut

Anfang November eskalierte die Gewalt dann erneut. Bei einer Demonstration attackierten Vermummte das Sicherheitspersonal einer Baustelle, machten Jagd auf zwei Polizisten, die mit einer Videokamera die Demonstration begleiteten und zerstörten mehr als ein Dutzend Autos.

Nach den Ausschreitung wurde auch die politische Debatte erneut heftiger geführt. So forderte CDU-Politiker Burkard Dregger etwa Videoüberwachung und Vermummungsverbot in der Straße. In dem Video von Hein erneuert Dregger nun seine Forderung und wirft dem Innensenator gleichzeitig politisches Versagen vor. „Mein Eindruck ist, man will hier gar nicht einschreiten“, sagt Dregger in dem Video.

In einer anderen Sequenz sieht man, wie Hein, der seit 2014 Profisportler ist, in den Innenhof des Hauses neben der Rigaer Straße 94 geht. Dieses Haus ist nicht besetzt und nur durch eine Mauer vom Innenhof der Rigaer Straße getrennt. Auf der Mauer sind Glasscherben angebracht, die andere daran hindern sollen, über die Mauer zu klettern. Auf dem Zaun sind Puppenköpfe aufgespießt und im Innenhof liegt zwischen einem Steinhaufen und Fahrrädern allerhand Gerümpel. Der Versuch mit einem Hausbewohner, der Hein auffordert zu verschwinden, ins Gespräch zu kommen, scheitert.

Graffiti auf dem Dach der Rigaer 94: ACAB und AHAB

Auf Drohnenaufnahmen, die Ex-Polizist Hein ebenfalls veröffentlichte, ist außerdem das Dach der Rigaer Straße zu sehen. Auch dort sind zahlreiche Graffiti wie ACAB („All cops are bastards“) oder „AHAB“ – eine Szene-Hommage an den RAF-Terroristen Andreas Baader.

Hein teilte auf Nachfrage der Berliner Morgenpost mit, warum er das Video gemacht habe: „Im Herzen bin ich immer noch mit der Polizei verbunden.“ Regelmäßig sei er mit Kollegen in Kontakt, die ihm über die Zustände in der Straße und die ständigen Attacken berichten würden. „Das war für mich der Grund, darüber ein Video zu machen“, so Hein weiter.