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Müller soll B-Plan am Checkpoint Charlie verhindern

Architekten, Stadtplaner und Juristen fordern in einem offenen Brief, den Checkpoint Charlie als würdigen Erinnerungsort zu entwickeln.

Am einstigen Grenzkontrollpunkt Checkpoint Charlie sind zahlreiche Touristesn unterwegs.

Am einstigen Grenzkontrollpunkt Checkpoint Charlie sind zahlreiche Touristesn unterwegs.

Foto: Zacharie Scheurer / dpa-tmn

Berlins Regierender Bürgermeister soll den Bebauungsplan für den Checkpoint Charlie stoppen. Das fordern zahlreiche renommierte Architekten, Stadtplaner, Künstler und Juristen in einem offenen Brief. Sollte der Plan wie von der Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) beabsichtigt festgelegt werden, bleibe die „unwürdige Brache“ am Checkpoint Charlie „auf Dauer“ bestehen“, warnen die Unterzeichner des von der Architektin Anna Maske initiierten Schreibens.

Müller müsse dafür sorgen, dass an dem früheren Grenzübergang für die Alliierten Streitkräfte zwischen West- und Ost-Berlin die Priorität eindeutig auf der Entstehung eines würdigen Bildungs- und Erinnerungsortes zum Kalten Krieg liege, so die Forderung. Dieses wichtigste Ziel werde aber durch den Bebauungsplan gefährdet. Die Pläne folgten nicht den Leitlinien, die in einem Partizipations- und Workshop-Verfahren gemeinsam erarbeitet worden seien.

Grundstücke am Checkpoint Charlie sollen mit Sozialwohnungen bebaut werden

Wichtigste Änderung sei, dass die beiden Grundstücke östlich und westlich der Friedrichstraße nicht länger als Kerngebiet mit Büro und Gewerbeflächen ausgewiesen seien. Stattdessen sei dort nun in großem Umfang auch eine Wohnnutzung vor allem mit Sozialwohnungen vorgesehen. Allein das Ruhebedürfnis der zukünftigen Mieter werde die freie Nutzung „eines lebendigen und international stark besuchten Gedenkortes“ mit 4,5 Millionen Besuchern im Jahr „faktisch verhindern“, heißt es in dem Brief: „Hier soll ganz offensichtlich ein Prioritätenwechsel vollzogen werden: vom weltpolitisch einmaligen Erinnerungsort hin zur lokalpolitisch erforderlichen Versorgung mit Wohnraum.“

Neben den Nutzungskonflikten mahnen die Unterzeichner die fehlende Wirtschaftlichkeit an. Dieses nicht zu berücksichtigen, entspreche einer „faktischen Verhinderungspolitik“. Auf dem Grundstück lasten nach zwei Insolvenzen Schulden in Höhe von 100 Millionen Euro. Die Vorgaben seien weder geeignet, diese Schulden zu tilgen, noch dort günstigen Wohnraum entstehen zu lassen.

Checkpoint Charlie: Vermittlung von Wissen über die Teilung Europas

„Keine Investition dieser Art wäre für die Stadt Berlin oder für einen privaten Investor tragbar“, schreiben Maske und ihre Mitstreiter. Stellungnahmen während des Beteiligungsverfahrens hätten die „unzulässige Prioritätenverschiebung“ der Senatsverwaltung schon im Partizipationsverfahren kritisiert.

Den Unterzeichnern gehe es um die Vermittlung des Wissens über die Teilung und Spaltung Europas, um die Auseinandersetzung mit der kommunistischen Diktatur, die am authentischen Ort stattfinden solle. Mit großem Nachdruck appellieren die Unterzeichner an den Regierenden Bürgermeister: „Sichern Sie die ultimativ erforderliche Nutzung ,Kerngebiet‘ für das Areal am Checkpoint Charlie, damit die Brache ein Ende hat. Machen Sie sich stark für die Bedeutung dieses Ortes.“