Stadtplanung

Wie das Dragoner-Areal in Kreuzberg einmal aussehen soll

Der Bezirk zeigt die Entwürfe für das Dragoner-Areal. Eine zentrale Frage ist: Soll die Geschosszahl begrenzt oder höher gebaut werden.

Berlin. Das Dragoner-Areal ist mit knapp 50.000 Quadratmetern Grundfläche das größte zusammenhängende Projektgebiet in Kreuzberg, das in den kommenden Jahren entwickelt werden soll. Das Gelände, um das Bund und Land mehr als vier Jahre erbittert stritten, ist erst seit Juli dieses Jahren endgültig in Landesbesitz. Nun soll es als „Rathausblock“ zum städtebaulichen Modellprojekt einer „gemeinwohlorientierten und kooperativen“ Stadtentwicklung für ganz Berlin werden. Erste Ergebnisse des aufwendigen Werkstattverfahrens, das im Sommer startete, liegen nun vor. Drei Planungsteams haben Vorschläge erarbeitet, auf deren Grundlage nun bis Ende Januar 2020 mit öffentlicher Beteiligung die Grundlage für die künftige Bebauung geschaffen werden soll.

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Vorbedingung: 500 Wohnungen müssen mindestens Platz finden

„Den eingeladenen Planerteams waren einige Eckpunkte vorgegeben worden, die unbedingt eingehalten werden sollten“, sagte Wohn-Staatssekretär Sebastian Scheel (Linke) am Dienstag. So sollen mindestens 500 Wohnungen auf dem bislang überwiegend kleingewerblich genutzten ehemaligen Kasernenareal entstehen. 400 Wohnungen davon soll die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft WBM errichten.

Weitere Bedingungen waren, den ansässigen Gewerbebetrieben, sofern deren Werkstattgebäude nicht erhalten werden, Ausweichflächen an anderer Stelle vorzuhalten. Zudem musste der Denkmalschutz für einige der noch erhaltenen Gebäudeteile der Kaserne sowie Erweiterungsbauten sowohl für das Finanzamt am Mehringdamm als auch das Rathaus Kreuzberg an der Yorckstraße mitgeplant werden.

Hohe Dichte im „Urbanen Gebiet“

Einzuplanen waren ferner Bereiche für kulturelle und soziale Nutzungen. Insgesamt, so Alexander Matthes vom Stadtplanungsamt des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg, sollen auf dem Areal rund 85.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche neu gebaut werden. 50.000 sollen davon aufs Wohnen entfallen. Damit überhaupt Wohnen und zum Teil auch lärmverursachendes Gewerbe – auf dem Areal sind einige Autowerkstätten untergebracht – in so enger Nachbarschaft gebaut werden können, soll das Dragoner-Areal als sogenanntes „Urbanes Gebiet“ entwickelt werden.

Diese Gebietskategorie wurde erst 2017 in die Baunutzungsverordnung eingeführt, um in städtischen Lagen eine höhere bauliche Dichte und eine andere Nutzungsmischung zu ermöglichen. Damit soll der steigenden Nachfrage nach Wohnraum in Städten und dem Leitbild einer Stadt mit kurzen Wegen, Arbeitsplätzen vor Ort und einer guten sozialen Mischung Rechnung getragen werden.

Es wird enger und höher gebaut als bislang gedacht

Im Geviert zwischen Obentrautstraße im Norden, Mehringdamm im Osten, Yorckstraße im Süden und Großbeerenstraße im Westen, wird es nun deutlich enger und höher als bisher, so viel ist klar. Denn nur in eingeschossigen Gebäuden, die bislang auf dem Gelände dominieren, wird sich dieses Bauvolumen nicht unterbringen lassen.

„Wir Gewerbetreibenden setzen uns seit 2015 für eine Bebauung des Areals ein – wohl wissend, dass es für uns ein Damoklesschwert sein kann“, sagte Pamela Schobeß, Betreiberin des Clubs „Gretchen“ an der Obentrautstraße und Sprecherin der Gewerbetreibenden auf dem ehemaligen Kasernengelände. „Wir sind dankbar, dass wir als Bestandsmieter auf Augenhöhe mit den Planern sprechen können“, sagte Schobeß weiter.

Bis zu 13. Stockwerke hohe Gebäude

Den Nutzern des Areals sei wichtig, dass sie auch weiterhin bezahlbare Mieten behalten und „dass es nicht passiert, dass wir dann später doch noch von Anwohnern aus Lärmschutzgründen verklagt werden“, sagte sie. Bislang gibt es in Berlin noch keinerlei Erfahrung mit den „Urbanen Gebieten“. Zwar gibt es neben Friedrichshain-Kreuzberg auch noch einige andere Bezirke, die von dieser Gebietskategorie Gebrauch machen wollen. Allerdings ist noch keines dieser Gebiete über die Planungsphase hinaus.

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Wie die enorme Baumasse untergebracht werden kann, dazu haben die drei Planerteams trotz der engen Vorgaben recht unterschiedliche Vorschläge entwickelt. Das Team ifau/Stadt Land Fluss/friedburg & hhvh etwa schlägt als Gebäudehöhe maximal sieben Geschosse vor, die beiden Büros Robertneun/BeL/Studio Vulkan sowie SMAQ/ManMadeLand/Barbara Schindler dagegen gehen deutlich über die bestehenden denkmalgeschützten Gebäude hinaus – auf eine Höhe von bis zu 13 Geschossen.

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Bürger sollen den Siegerentwurf mitgestalten

Das wiederum hat den Vorteil, dass mehr Platz für begrünte Freiflächen ist. Zwei Büros wollen zudem die Erweiterungsfläche für das Finanzamt in einen zweiten, durchgehenden Gebäuderiegel hinter dem Bestandsgebäude am Mehringdamm unterbringen, während Smaq/ManMadeLand diese in zwei kleineren Anbauten unterbringen will.

Welchem Entwurf er den Vorzug geben würde, wollte Wohn-Staatssekretär Scheel am Dienstag nicht sagen. „Die Entwürfe sind uns gerade erst zugegangenen, am Montag war Abgabeschluss“, sagte Scheel. Zudem wolle er dem Ergebnis der öffentlichen Beteiligung nicht vorgreifen: „Denn das ist ja gerade unser großes Ziel, dieses Gebiet gemeinsam mit den beteiligten Bürgern auf Augenhöhe zu entwickeln“, betonte der Politiker. Läuft alles wie geplant, liegt im Herbst 2021 ein beschlussfähiger Bebauungsplan vor. Dann kann auf dem Dragoner-Areal nach Jahren des Stillstands endlich mit den Baumaßnahmen begonnen werden.

Alle drei Entwürfe sind Donnerstag und Freitag im Foyer des Rathauses Kreuzberg ausgestellt und werden vom 13. November bis 13. Dezember im Rahmen der frühzeitigen Bürgerbeteiligung im Stadtentwicklungsamt im Rathaus Kreuzberg, Zimmer 507, Yorckstraße 4-11 erneut gezeigt. Parallel findet das städtebauliche Werkstattverfahren statt: am 12. November von 13 bis 17 Uhr in der Berlinischen Galerie, Alte Jakobstraße 124-128.