Verkehrskonzept

Bergmannkiez: Bezirk will Durchgangsverkehr aussperren

Poller und Einbahnstraßen sollen den Durchgangsverkehr rund um die Bergmannstraße verhindern. Auf Hauptstraßen soll Tempo 30 kommen.

Die Bergmannstraße in Berlin-Kreuzberg soll ein neues Verkehrskonzept bekommen.

Die Bergmannstraße in Berlin-Kreuzberg soll ein neues Verkehrskonzept bekommen.

Foto: Daniel Schaler

Berlin. Nach der langen Debatte um Parklets in der Bergmannstraße hat die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Friedrichshain-Kreuzberg nun ein neues Verkehrskonzept für den Bergmannkiez beschlossen. Das Hauptanliegen: Der Durchgangsverkehr soll komplett aus dem Wohnviertel herausgedrängt werden.

Bergmannkiez: Poller und Einbahnstraßen sollen den Durchgangsverkehr aussperren

Der gesamte Bergmannkiez soll nach den Plänen zu einer verkehrsberuhigten Zone werden. Helfen sollen dabei unter anderem Poller und in gegenläufige Fahrtrichtungen verlaufende Einbahnstraßen zwischen den einzelnen Häuserblocks. Zudem soll es „auf schnellstmögliche Weise“ geschützte Radwege geben, heißt es in dem Antrag, den die BVV mit Stimmen von Grünen, SPD und Linken am Mittwoch beschlossen hat.

Die Idee hinter dem Bergmannkiez-Antrag, den Verkehr aus einem gesamten Wohnkiez größtenteils zu verbannen, heißt „Superblock“ und stammt ursprünglich aus Barcelona. Dort sieht das Konzept vor, einige Stadtviertel radikal autofrei zu machen, indem der Verkehr außen um den Block geleitet wird.

In abgeschwächter Form soll das nach Willen der Bezirksverordneten nun auch in Kreuzberg Realität werden. „Toll, dass nach einem turbulenten Jahr die Weichen im Bergmannkiez jetzt auf Verkehrswende gestellt sind“, teilte der zuständige Bezirksstadtrat Florian Schmidt (Grüne) auf Twitter mit. Er werde sich das Prinzip „Superblock“ im November persönlich in Barcelona ansehen.

Mit dem Beschluss wird auch gefordert, dass künftig auf den Hauptstraßen rund um den Bergmannkiez Tempo 30 gelten soll. Gemeint sind damit Mehringdamm und Columbiadamm, sowie Gneisenau-, Yorck- und Lilienthalstraße. Anders als bei Nebenstraßen ist in diesem Fall nicht das Bezirksamt für die Anordnung zuständig sondern die bei der Senatsverkehrsverwaltung ansässige Verkehrslenkung Berlin (VLB). Die Bezirksverordneten fordern deshalb den Senat zum Handeln auf. Die Verkehrslenkung müsste letztlich prüfen und begründen, warum Autos dort künftig nur noch mit 30 Kilometer in der Stunde fahren dürfen sollten. Dass die Bereitschaft dazu in der von Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) geführten Senatsverwaltung grundsätzlich besteht, zeigte sich gerade erst in der Invalidenstraße in Mitte. Dort wurden am Donnerstag nach eilig durchgeführter Prüfung Tempo-30-Schilder aufgestellt. Sie sind eine Reaktion auf die Debatte um Verkehrssicherheit nach dem schweren Unfall mit vier Toten Anfang September.

Bergmannstraße: Beschluss geht auf Einwohnerantrag zurück

Der nun gefasste Beschluss der BVV geht auf einen Einwohnerantrag zurück. Innerhalb eines Monats hatten dafür 1383 Anwohner unterschrieben. Die Entscheidung sei „ein starkes Signal für eine Verkehrswende mit schnellen Mitteln“, sagte die Verkehrsforscherin Julia Jarass, die den Antrag mitinitiiert hatte. Mit Pollern, Blumentöpfen und Einbahnstraßen könne man „schnell den Durchgangsverkehr in Wohnvierteln loswerden“.

Begrüßt wird der Beschluss auch von der Verkehrsinitiative Changing Cities: „Wir können nicht noch fünf Jahre warten, bis in der Bergmannstraße wieder aufwendige Bauarbeiten anfangen“, sagte der Vertreter Dirk von Schneidemesser.

Um die Bergmannstraße hatte es in den vergangenen Monaten immer wieder heftige Debatten gegeben. Mit provisorischen Sitzmöbeln, sogenannten Parklets, wollte Stadtrat Schmidt die Aufenthaltsqualität erhöhen - zu Lasten von Parkplätzen. Mit massiven Findlingen wollte der Grüne Schmidt das Falschparken verhindern. Beide Maßnahmen sorgten für Kritik aus den Reihen aller anderen Partein im Bezirksparlament. Inzwischen wurden die Parklets nach einem Beschluss der BVV wieder abgebaut.

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