Ecstasy-Konsum

Junge Anwältin feiert im Berghain und stirbt an Überdosis

Für eine Touristin endet eine Partynacht im Berliner Techno-Club Berghain tödlich. Nun erklärte ihr Witwer dem ZDF die Hintergründe.

Carlo und Jenifer feierten 2017 zusammen im „Berghain“. Seine Frau starb an einer Überdosis.

Carlo und Jenifer feierten 2017 zusammen im „Berghain“. Seine Frau starb an einer Überdosis.

Foto: ZDF, Frontal 21

Berlin. Das „Berghain“ ist ein legendärer Club in Berlin, der massenweise Party-Touristen anzieht. Der Techno-Club ist über die Grenzen Deutschlands bekannt. Auch Jenifer und ihr Ehemann Carlo aus Culver City, Los Angeles, wollen während ihrer Berlin-Reise im Sommer 2017 im „Berghain“ im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg ausgelassen feiern.

Ein Freund gibt dem Paar Tipps, wie man an dem strengen Türsteher vorbeikommt. Sie sollen sich schwarz kleiden und gelangweilt gucken. Es funktioniert. Der Türsteher lässt das Paar ins „Berghain“. Doch der Abend endet in einer Tragödie. Jenifer, die damals 30 Jahre alt ist, stirbt an einer Überdosis.

In der ZDF-Sendung „Frontal 21“ von Dienstagabend berichtete Carlo über den Abend, an dem seine Frau starb. Jenifer arbeitete in einer großen Kanzlei in Los Angeles als Anwältin. Sie war spezialisiert auf Prozessrecht. Sie soll eine vermögende Frau gewesen sein. Doch für einige Tage im Jahr wollte sie ihr normales Leben aufgeben und ausgelassen feiern.

Im Berliner Berghain: Jenifer nahm zwei Ecstasy-Tabletten

So wie im Sommer 2017 in Berlin. Bevor das Paar das „Berghain“ betreten konnte, wurde Jenifer vom Türsteher eine Ecstasy-Tablette abgenommen. Wie Carlo bei „Frontal 21“ berichtete, war sie darüber sauer. Ihr Freund bot ihr an, seine Pille mit ihr zu teilen. Doch Jenifer wollte ihre eigene.

Ein Freund besorgte Jenifer im „Berghain“ Ecstasy-Tabletten. Jenifer nahm eine - und einige Stunden später eine weitere. Während die drei Freunde tanzten, verschwand Jenifer plötzlich. Carlo schrieb ihr über WhatsApp eine Nachricht, Freunde suchten nach ihr.

Carlo bekam nach einer Weile eine Nachricht von Jenifers Handy. „Deine Freundin hat eine Überdosis genommen, sie braucht Hilfe, komm’ die Treppe runter…“, stand in der Nachricht. Als Carlo seine Frau fand, sah er, dass sie krampfte. Sie hatte Schaum vor dem Mund und konnte nicht atmen.

Jenifer hatte elffache Dosis im Blut

Im Gespräch mit „Frontal 21“ sagt Carlos: „Ich dachte sofort daran, dass sie direkt vor mir sterben könnte.“ Kurz nach dem Krampfanfall kam Jenifer in die Notaufnahme. Die junge Anwältin starb noch am selben Tag.

„Sie war ganz kalt. Ich erinnere mich noch an das Blut, ein bisschen Blut… Ich weiß nicht mehr, ob es aus ihrer Nase oder aus dem Mund rann…Ich saß nur da und weinte“, erzählt der Witwer bei „Frontal 21“.

Jenifer starb an Kreislaufzusammenbruch durch Ecstasy

Jenifer wurde obduziert. Sie starb an einem Kreislaufzusammenbruch und Organversagen durch MDMA, auch bekannt als Ecstasy. Im Bericht stand, dass sie in ihrem Blut die elffache Dosis einer normalen Pille hatte. Eine schriftliche Anfrage der Berliner Morgenpost an das "Berghain" blieb unbeantwortet.

Ecstasy-Tabletten sind in Deutschland verboten. Doch über Dealer kommen Party-Gäste an die Pillen. Die Tabletten werden in immer höheren Dosierungen angeboten. Deswegen kommt es bei Personen, die nicht häufig Ecstasy konsumieren, zu einer Überdosis. Laut "Frontal 21"-Bericht gab es allein 2017 20 Todesfälle, die mit Amphetaminderivaten wie MDMA in Verbindung gebracht werden.

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Berliner sollen Drogen auf Reinheit testen lassen können

Die Stadt Berlin will gegen gepantsche und hochdosierte Drogen vorgehen. So sollen Konsumenten Partydrogen auf ihre Reinheit und Dosierung testen lassen können. Die rot-rot-grüne Koalition will eine offizielle Drogen-Check-Stelle einrichten.

„Wir haben auch für 2020/2021 Mittel im neuen Doppelhaushalt für das Projekt eingestellt, so dass das Projekt an den Start gehen kann“, teilte eine Sprecherin der Senatsverwaltung für Gesundheit mit.

Gutachten: Berliner Konzept für Drug-Checking legal

Ein angesichts der komplexen Rechtslage angefordertes Gutachten sei zu dem Schluss gekommen, dass das Berliner Konzept für das sogenannte Drug-Checking legal sei und Projektmitarbeiter sich nicht strafbar machten, erklärte die Sprecherin weiter. Die Senatsverwaltungen für Inneres sowie für Justiz würden die Einschätzung teilen, damit seien auch Polizei und Staatsanwaltschaft abgedeckt.

Den Beitrag "Deutschland im Rausch" über die tödliche Drogennacht im Berliner Berghain finden Sie hier in der ZDF-Mediathek (bis 22. Oktober 2020).