Streit

Amazon-Turm: Investor verspricht weitere Bau-Veränderungen

Laut Bezirk soll die Planung des „Edge East Side Berlin“ vom verabredeten Konzept abweichen. Der Investor nimmt Anpassungen vor.

Simulation des „Edge East Side Berlin“: Dieses ursprüngliche Ergebnis des Gutachterverfahrens ist vom genehmigten Bau weit entfernt.

Simulation des „Edge East Side Berlin“: Dieses ursprüngliche Ergebnis des Gutachterverfahrens ist vom genehmigten Bau weit entfernt.

Foto: Bjarke Ingels Group

Berlin. Nachdem der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg den Vorstoß unternommen hat, für das bereits genehmigte Hochhausprojekt „Edge East Side Berlin“ einen Wettbewerb zu erzwingen, äußert sich jetzt der Investor.

Die OVG-Real-Estate-Tochter Edge Technologies betont, man werde die noch nicht einvernehmlich geklärten Teilaspekte der Architektur in den zuständigen Gremien der Stadt „zu einem für beide Seiten zufriedenstellenden Ergebnis führen“.

„Edge East Side Berlin“: Planung soll vom verabredeten Konzept abweichen

Wie berichtet, will Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne) Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) dazu bewegen, gemeinsam mit dem Bezirk vom Eigentümer einen neuen Wettbewerb zu verlangen. Grund: Die aktuelle Planung weiche vom ursprünglich verabredeten Konzept stark ab.

Die Initiative des Baustadtrats kommt, nachdem für den Investor alles geklärt und gesichert schien. Denn am 2. September hatte der Bezirk die Baugenehmigung erteilt. Die Anordnung eines Wettbewerbs für „Edge East Side Berlin“ würde den Fortgang der Baupläne stoppen.

Als Grund, warum das Bezirksamt im September die Erlaubnis gab, teilt der Bezirk mit: „Das Vorhaben entspricht den Festsetzungen des Bebauungsplans (...), der in diesem Bereich gilt.“ Der städtebauliche Vertrag biete „keine Rechtsgrundlage, um die Baugenehmigung zu versagen“.

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Edge Technologies will Turm in Umgebung integrieren

Edge Technologies erklärte am Montag gegenüber der Berliner Morgenpost, bisher sei man von keiner städtischen Behörde über einen möglichen Vertragsbruch informiert worden. Man habe den im städtebaulichen Vertrag geforderten Architektenwettbewerb durchgeführt und in Abstimmung mit dem Baukollegium den Entwurf verändert. Obwohl man aber jetzt die Baugenehmigung hat, werde man die Architektur optimieren und weiter daran arbeiten, „das Projekt in seine Umgebung zu integrieren“.

Die ursprüngliche Fertigstellung des Gebäudes sollte 2023 sein. Während nun ein kompletter Neustart der Bauplanung für Edge Technologies droht, äußerte man sich bei Internetriese Amazon am Montag näher dazu, was genau im Gebäude an der Warschauer Brücke geplant ist.

Amazon will 28 Etagen mieten

Die 28 Etagen, für die man einen Mietvertrag habe, bieten Platz für bis zu 3400 Mitarbeiter, so eine Sprecherin. Bisher gibt es 2000 Mitarbeiter an mehreren Standorten in Berlin, etwa den Krausenhöfen in Mitte. Man brauche perspektivisch mehr Platz, was aber nicht bedeute, dass Amazon bei Einzug über zusätzliche 1400 Mitarbeiter in Berlin verfüge, so die Sprecherin.

Im „Edge East Side Berlin“ wird Amazon an der Weiterentwicklung von Produkten und Systemen arbeiten, von Alexa und Fire TV bis zu neuen Algorithmen vor Kaufvorgängen. Zum Konflikt von Edge Technologies und Bezirk wollte sich die Sprecherin nicht äußern.

In Reaktion auf den Vorstoß des Bezirks hat die mit zwei Verordneten vertretene Gruppe der FDP in der Bezirksverordnetenversammlung am Freitag eine Schriftliche Anfrage an das Bezirksamt gestellt.

Die Industrie- und Handelskammer zu Berlin und Christian Gräff, wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus hatten in der vergangenen Woche nahegelegt, dass die Maßnahmen gegen „Edge East Side Berlin“ von einer ablehnenden Position im rot-rot-grünen Bezirksamt gegenüber Großunternehmen getrieben sei. Die Bezirksverordnete Marlene Heihsel stellt nun die Frage: „Befürwortet der Bezirk die Ansiedlung von Amazon mit über 3000 Arbeitsplätzen?“

Daneben will sie wissen, worin sich die gegenwärtigen Baupläne von den Vorgaben aus dem städtebaulichen Vertrag zwischen Investor, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Bezirk unterscheiden. Zudem fragt Heihsel, welche Schritte für einen Widerruf des Baurechts eingeleitet werden und welche juristischen Risiken entstehen.