Entscheidung

Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann hört 2021 auf

Monika Herrmann, streitbare Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, will nach drei Wahlperioden nicht noch einmal antreten

Monika Herrmann ist seit 2013 Bezirksbürgermeisterin.

Monika Herrmann ist seit 2013 Bezirksbürgermeisterin.

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Berlin. Eine der bekanntesten Akteurinnen der Berliner Lokalpolitik hört auf. Die Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Monika Herrmann (Grüne), geht bei den für Herbst 2021 erwarteten Wahlen nicht noch einmal ins Rennen. Zuvor hatte der "Tagesspiegel" berichtet.

„Ich werde nicht wieder antreten. Ich bin seit 2006 Stadträtin und seit 2013 Bürgermeisterin. Drei Wahlperioden, also insgesamt 15 Jahre politische Leitung sind dann auch gut“, erklärte sie gegenüber der Berliner Morgenpost. Die 55-Jährige sagte, sie wolle bis zur Rente gern noch etwas anderes machen. Sie finde, „dass jetzt der politische ‘Nachwuchs’ übernehmen sollte“. Für die Zeit ab 2022 habe sie noch keine konkreten Pläne.

Keine Berührungsängste mit der Polizei

Wie wenige in Berlin verkörpert Herrmann in Berlin die großen grünen Themen Verkehrswende und Wohnraumgerechtigkeit. Zur Inbetriebnahme des geschützten Fahrradstreifens in der Hasenheide erschien sie im April neben Verkehrssenatorin Regine Günther persönlich und auf zwei Rädern. Sie eröffnete im August Berlins erste temporäre Spielstraße an der Kreuzberger Böckhstraße. Und bei der letztlich nur schleppend umgesetzten Absicherung des notorisch zugeparkten Fahrradstreifens auf der Tamara-Danz-Straße in Friedrichshain war sie eine der Befürworterinnen deutlicher Maßnahmen.

Anders als mancher in ihrer Partei und im Bezirk, dem noch aus grün-alternativen Anfängen die ablehnende Haltung gegenüber der Polizei anhaftet, hat die Bezirksbürgermeisterin da keine Berührungsangst und unterstützt auch öffentlich die Arbeit der Beamten. Als am vergangenen Dienstag bei einem Einsatz am Kottbusser Tor zunächst Unbeteiligte Flaschen und Dosen auf die Beamten schleuderten und diese verletzt wurden, verbreitete Herrmann dies auf Twitter und kommentierte: „Wir haben sehr darum gekämpft, dass die Polizei ihre Aktivitäten am Kotti verstärkt. Den 5 Kollegen gute Besserung.“

Unbeirrbar und nonchalant

Ein legaler Cannabisshop im Bezirk, Warnungen vor zunehmendem Tourismus, Misstrauen gegen Bauinvestoren: So unbeirrbar und nonchalant die gebürtige Neuköllnerin grüne Positionen vertritt, die nicht nur außerhalb des Bezirks für Befremden sorgen, so sehr ist sie zum Feindbild geworden. In der Folge erhielt sie Morddrohungen und ist Adressatin unaussprechlicher Beleidigungen in den sozialen Netzwerken.

Dabei kann Herrmann, die in Kreuzberg lebt und mit einer Frau verheiratet ist, durchaus auch selbst austeilen. Online scheinbar ständig auf Sendung und Empfang, twittert sie über Verkehrshindernisse durch Autofahrer, Sexismus und Rechtsextreme oder antwortet auf Vorwürfe zum Görlitzer Park so sarkastisch, dass die Reaktion der Gegenseite nicht minder scharf ausfällt. So unverblümt klare Kante zu zeigen: Das sorgt nicht für neue Freunde im anderen politischen Lager. Aber für Profil.

Die Nachfolge ist ungewiss

So ist sie eine rundum politische Person. Herrmann studierte Politikwissenschaft an der Freien Universität, war später Mitarbeiterin der Frauenbeauftragten im Bezirksamt Kreuzberg, dann in der Pressestelle und für Sonderaufgaben tätig, koordinierte Jugendsozialarbeit, wurde 2006 Bezirksstadträtin, um 2013 zur Bezirksbürgermeisterin gewählt zu werden. Daneben leitet sie die Abteilung Familie, Personal und Diversity.

„Monika Herrmann kann einerseits zwischen verschiedenen Positionen moderieren, andererseits ist sie keine Person, die ihre Meinung versteckt“, sagt der Grünen-Fraktionssprecher Julian Schwarze. Wer ihr einmal im Amt folgen wird, lasse sich jetzt nicht voraussagen. „Wir haben ja noch gut zwei Jahre vor uns“, so Schwarze.