Verkehr in Berlin

Warum die Warschauer Brücke eine Dauerbaustelle ist

Am S-Bahnhof wird schon seit 15 Jahren gebaut. Das Empfangsgebäude soll nun bis Jahresende fertig sein. Doch es gibt auch Skepsis.

Der S-Bahnhof Warschauer Straße wartet auf seine Fertigstellung.

Der S-Bahnhof Warschauer Straße wartet auf seine Fertigstellung.

Foto: jörg Krauthöfer / FUNKE FOTO SERVICE

Berlin. Stahlgitterzäune, rot-weiße Flatterbänder und Berge an Bauschutt gehören für Fahrgäste, die am S-Bahnhof Warschauer Straße ein- oder aussteigen, seit Langem zum unerfreulichen Anblick. An der Station, die wegen ihrer Nähe zu den Partyorten in Friedrichshain und der Mercedes-Benz Arena zu den bekanntesten Umsteigeorten in Berlin gehört, ist seit nunmehr 15 Jahren eine Großbaustelle. Ursprünglich sollte das neue Empfangsgebäude für den S-Bahnhof schon im Vorjahr fertig werden, dann wurde das zweite Halbjahr 2019 als Fertigstellungstermin angegeben. Doch auch dieser Termin scheint inzwischen ins Wackeln zu geraten.

„Insgesamt macht die Bahnhofsbaustelle einen sehr verwahrlosten Eindruck. Offenbar hat die Deutsche Bahn sowohl die Kontrolle als auch die Motivation zu diesem Bahnhofsneubau komplett verloren“, schreibt etwa Stefan Metze, für den „Ostkreuzblog“. Auf der Webseite wird der Baufortschritt an den Bahnhöfen Ostkreuz und Warschauer Straße seit Jahren genau verfolgt und dokumentiert. Die Arbeiten würden nach keinem erkennbarem Plan fortgeführt, kritisiert er. „Sichtbarste Veränderung ist der Fußgängersteg zwischen dem Empfangsgebäude und dem U-Bahnhof Warschauer Straße. Der Steg hat nun seinen kompletten Belag erhalten, Geländer wurden befestigt und die beiden Laternen aufgestellt. Fehlt nur noch der Übergang ins Gebäude“, schreibt er.

Übergang zum U-Bahnhof fast fertig, aber noch nicht offen

Auf diesen Überweg warten nicht nur die zahlreichen Fahrgäste, die von der S-Bahn zur U-Bahn wechseln wollen, sondern auch Zehntausende Berliner, die es regelmäßig zu den Spielen der Basketballer von Alba oder zu den Matches der Eisbären in die Mercedes-Benz Arena zieht. Der schnellste Weg vom S-Bahnhof zur Veranstaltungsarena würde über die kleine Brücke am Südausgang führen. Doch der Übergang bleibt zum Ärger vieler Sportfans weiter versperrt.

„Aktuell kann die Fußgängerbrücke Warschauer Straße noch nicht für den Fußgängerverkehr freigegeben werden, da sowohl am Bahnhofsgebäude durch die DB Station & Service, als auch auf der Brücke noch Restarbeiten auszuführen sind“, begründete eine Sprecherin der zuständigen Senatsverkehrsverwaltung die noch immer ausstehende Inbetriebnahme des Bauwerks. Die Arbeiten am Bahnhofsgebäude und an der Brücke sollen aber spätestens zum Ende des Jahres abgeschlossen sein, erklärt sie.

Nicht alle Läden werden in diesem Jahr fertig

Laut einem Sprecher der Deutschen Bahn werden im Empfangsgebäude aktuell „die restlichen Bauleistungen“ ausgeführt. Zudem werde die Inbetriebnahme eines Teils der Mieteinheiten im Dezember vorbereitet. Konkret zu sehen ist die Werbung für eine international agierende Kaffeeröster-Marke, die gleich am Eingang an der Warschauer Brücke ihren Verkauf aufmachen will. Gegenüber, im hinteren Teil der neuen Bahnhofshalle, will eine deutsche Supermarktkette Lebensmittel und Getränke anbieten. Auch dieser Markt soll noch bis Jahresende eröffnet werden, verspricht der Bahnsprecher. Allerdings werden nicht alle Läden noch in diesem Jahr fertig. „Die restlichen Mieteinheiten folgen Anfang nächsten Jahres“, kündigte er an.

Wegen akuter Baumängel hatte die Bahn bereits Ende 2004 Teile des maroden Zugangsgebäudes zum S-Bahnhof Warschauer Straße sperren müssen. Das alte Empfangsgebäude und die Bahnsteigzugänge wurden Anfang 2005 abgerissen. Mehr als ein Jahrzehnt mussten die Reisenden über provisorische Treppenanlagen zu den Bahnsteigen der S-Bahn gehen. Denn das angekündigte neue Bahnhofsgebäude ließ lange auf sich warten. Mehrfach wurden die Planungen korrigiert, was mehrmonatige Bau-Unterbrechungen zur Folge hatte.

Die jüngsten Probleme werden von der Bahn unter anderem mit „verschiedenen Verzögerungen im Bauablauf, Lieferschwierigkeiten und dem Ausfall eines Krans am Anfang des Jahres begründet.

Vor allem mobilitätseingeschränkte Fahrgäste leiden unter den Dauerbauarbeiten am S-Bahnhof Warschauer Straße. Denn die S-Bahnsteige sind seit Jahren nur über steile Treppen erreichbar. Inzwischen sind zwar zwei Aufzüge eingebaut, die die beiden Bahnsteige mit der Bahnhofshalle verbinden. Doch auch die Fahrstühle sind bislang mit Gitterzäunen versperrt.

Direkter Übergang von der Mall zur Warschauer Brücke noch nicht eröffnet

Laut Bahn wird im Bahnhofsgebäude noch an der Brandmeldeanlage gebaut, die wiederum Grundvoraussetzung für den sicheren Betriebe der Aufzüge sei. „So bald dies umgesetzt ist, gehen die Aufzüge in Betrieb“, so der Bahnsprecher. Ein konkreter Inbetriebnahmedatum könne derzeit noch nicht genant werden.

Doch der geschlossene Übergang zum U-Bahnhof ist nicht das einzige Ärgernis. So hat gegenüber vom S-Bahnhof fast genau vor einem Jahr die East Side Mall eröffnet. Auch dort ist ein direkter Übergang vom Einkaufszentrum zur Warschauer Brücke zwar gebaut, aber nicht eröffnet. Senat und Bezirk verhinderten dies. Begründet wird dies mit der Sorge um die Sicherheit der Fußgänger, die die Warschauer Brücke in Richtung S-Bahnhof überqueren könnten.

Inzwischen hat sich das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg mit dem Investor auf ein umfangreiches Verkehrslenkungskonzept für den über den neuen Zugang laufenden Fußverkehr verständigt und dies vertraglich festgeschrieben, so die Pressestelle des Bezirksamtes. Vereinbart wurde unter anderem das Aufstellen von Sicherheitsgittern, bei Großveranstaltungen muss die Plattform zudem geschlossen werden. Das Konzept liegt inzwischen zur Prüfung bei der Verkehrslenkung Berlin. Ab wann der Zugang genutzt werden kann, bleibt offen.