Drogenumschlagplatz

Afrikaner kicken beim Fußballturnier im Görlitzer Park

Sport in Berlins größtem Drogenumschlagplatz soll laut „Parkrat“ zusammenführen - eine hochumstrittene Veranstaltung.

„Guinea-Bissau“ gegen „Guinea“ im Görlitzer Park.

„Guinea-Bissau“ gegen „Guinea“ im Görlitzer Park.

Foto: Philipp Siebert

„Warte – ich muss kurz Pause machen“, sagt Mussa zu seinem Teamkollegen und streift sich sein gelbes Trikot ab. „Guinea-Bissau“ steht in schwarzen Lettern darauf – das Heimatland des 27-Jährigen. Kurz zuvor wurde das torlose Fußballspiel gegen die Mannschaft „224 Guinea“ auf dem Bolzplatz im Görlitzer Park in Kreuzberg abgepfiffen. Mindestens drei 20-minütige Partien stehen für Mussa an diesem spätsommerlichen Sonnabendnachmittag noch an. „Ich bin noch fit“, sagt er.

Sieben Mannschaften traten ab dem Vormittag unter den Augen von knapp 30 Schaulustigen gegeneinander an. Den Namen der Teams nach zu urteilen, kamen die meisten Spieler aus Westafrika – neben Guinea und Guinea-Bissau aus dem Senegal, Mali oder Gambia. Wie jede Mannschaft hatte auch Mussas sieben Spieler. „Das sind alles meine Freunde.“

Über Flyer, die im Park verteilt wurden, sei er auf das Turnier mit dem Titel „Kreuzberg Solidarität“ aufmerksam geworden und habe sich als passionierter Fußballer sofort angemeldet. „Es macht echt Spaß, die Leute sind super.“ Gekickt wurde bis 16.30 Uhr. Am Abend wurde „224 Guinea“ als Sieger geehrt. Organisiert wurde das Turnier vom Parkrat, der die Anwohnerinteressen vertritt.

Parkrat: Keine Veranstaltung für Rauschgifthändler

Im Vorfeld gab es viel Wirbel um das Turnier, das auf Berlins Rauschgift-Umschlagplatz Nummer eins stattfand. Auch an diesem Tag wurde Parkbesuchern außerhalb des Bolzplatzes an jeder Ecke etwas angeboten. Vom „Fußballturnier mit Drogendealern“ war die Rede. Diese Formulierung stammte vom Parkrat selbst und war im mittlerweile geänderten Protokoll der Juli-Sitzung zu lesen. „Da hätte vorher noch jemand drüber gucken müssen“, räumte Sprecher Lorenz Rollhäuser am Sonnabend ein.

Es sei eine Veranstaltung für Menschen, die sich oft im Park aufhalten und zu dem sich überwiegend Afrikaner angemeldet hätten, so Rollhäuser weiter. Inwieweit darunter auch Dealer seien, habe man nicht geprüft. „Unter den schwarzen Menschen, die sich im Park aufhalten, gibt es viele, die dealen.“ Dass dies so dominant passiere, sei „nervig, anstrengend und unangenehm“, so Rollhäuser. Im Umkehrschluss könne aber nicht davon ausgegangen werden, dass jeder Schwarze im Park ein Dealer sei.