Stadtraum

So wünschen sich Anwohner ihren Bergmannkiez

Auf den Parklets der Begegnungszone werden seit Montag Entwürfe zu Straßennutzung und Verkehr ausgestellt.

Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne, l.) und Felix Weisbrich, Leiter des Straßen- und Grünflächenamtes, stellten an Montag Entwürfe für die Bergmannstraße vor.

Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne, l.) und Felix Weisbrich, Leiter des Straßen- und Grünflächenamtes, stellten an Montag Entwürfe für die Bergmannstraße vor.

Foto: Patrick Goldstein

Berlin. Fünf der 15 Parklets auf der Bergmannstraße werden in den kommenden Tagen ganz neue Popularität erlangen. Seit Montagnachmittag sind dort Entwürfe für eine neue Bergmannstraße zu sehen. Mal mit mehr, mal mit weniger Autoverkehr. Aber immer mit viel Grün. Die Meinung der Bürger ist gefragt und wird am Ende mitentscheiden, welche Variante die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) im kommenden Jahr beschließt.

Die Entwürfe sind zwar unterschiedlich. Ihnen gemeinsam ist, dass Autos weitgehend aus der Straße verbannt werden. Einen Erfolg kann bereits die Initiative leiser-bergmannkiez.de verbuchen: Drei von vier Entwürfen sehen eine Schließung der Strecke Zossener Straße/Friesenstraße vor. Dort, wo lange Findlinge zur Abschreckung von Falschparkern lagen, würden zukünftig nur noch die BVG und Rettungsfahrzeuge verkehren.

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Der Entwurf „Grünraum statt Autoverkehr“ lässt motorisierte Fahrzeuge nur zwischen Mehringdamm und Am Tempelhofer Berg zu. „Grünraum und teilweise Autoverkehr“ gestattet die Zufahrt bis zum Gesundheitszentrum. Es sind Aufenthaltsmöglichkeiten zur Begegnung vorgesehen. Von den bisherigen Parklets wollen sich die Bürger der Workshops allerdings trennen.

Ein Entwurf sieht eine durchgehende Radstrecke vor

Der Entwurf „Fahrradachse“ sieht eine durchgehende Radstrecke vor, die nur Anlieger-Pkw und Lieferverkehr nutzen dürften. Hierbei würden versenkbare Poller eingesetzt. Bei der Planung „Einbahnstraße und Raum für alle“ würden vom Mehringdamm und von der Schenkendorfstraße zur Nostitzstraße Einbahnstraßen eingerichtet werden. Im Bürgerteam, das diesen Entwurf einbrachte, legte man Wert darauf, weiterhin Friesentraße und Zossener Straße nutzen zu können.

Die Montag gestartete Aktion ist der nächste Schritt eines Beteiligungsverfahrens, bei dem Nachbarn und Anwohner mitreden und -bestimmen sollen. Denn die Bergmannstraße, wie sie sich jetzt mit 15 Parklets, grünen Punkten, verengter Fahrbahn und Zebrastreifen darstellt, ist keine endgültige Lösung. Die Senatsverwaltung für Verkehr und das Bezirksamt hatten die im November vergangenen Jahres begonnenen Auf- und Einbauten stets als eine Art Angebotssammlung verstanden. Daraus sollten sich Bürger herauspicken, was ihnen gefällt. Allerdings war dies öffentlich lange nicht so richtig angekommen.

Daher startete das Bezirksamt eine Kommunikationsoffensive. So geschah der erste spürbar positive Austausch von Verwaltung und Bürgern über die Zukunft des Bergmannkiezes erst bei einer Veranstaltung im Mai. Innerhalb des Bezirksparlaments verhärtete sich derweil der Widerstand gegen die Zone. Im Juni stimmten Linke, SPD, CDU und FDP für eine vorzeitige Beendung der Testphase.

Teilnehmer erarbeitet in Workshops die Entwürfe

Grundfrage bei der Bürgerbeteiligung ist nun: Wie soll die Bergmannstraße künftig verkehrlich gestaltet werden? In mehreren Schritten wird gefiltert, welche Elemente der Begegnungszone und welche Verkehrsmaßnahmen zu dem passen, was sich Anwohner als ihr Lebensumfeld vorstellen. Bei der am Montag in Nieselregen präsentierten Ausstellung wird jetzt bis zum 20. September gezeigt, was zwei Bürgergruppen von je rund 40 Teilnehmern im August in zwei Workshops erarbeitet haben (wir berichteten).

Sie waren per Zufallsstichprobe nach einem repräsentativen Bevölkerungsschlüssel eingeladen worden. Bei jedem der beiden Treffen waren von vier Teams auf Grundlage eines Stadtplanausschnitts vier Entwürfe entstanden. Danach wählten die Teilnehmer die jeweils zwei besten aus.

Zu den vier Bürgerentwürfen wird - darauf hatten Bezirksverordnete im Juni gedrängt – auch die Variante einer „Null-Lösung“ ausgestellt. Das heißt: Rückbau der Bergmannstraße in etwa auf den Stand vor Beginn der Testphase.

Online können Anwohner abstimmen

Und so geht es weiter: Anwohner und Passanten können von Montag an die Vorschläge aus den Workshops kommentieren, ablehnen oder weiter entwickeln. Online gibt es dafür das Portal mein.Berlin.de/projects/begegnungszone. Vorlagen für schriftliche Anmerkungen gibt es beim Stadtteilausschuss Kreuzberg an der Bergmannstraße 14.

Neben diesen Stellungnahmen werden ebenfalls die Ergebnisse einer Fragebogenaktion einbezogen. Das Bezirksamt hatte 3700 Haushalte und Gewerbetreibende angeschrieben. 1250 antworteten. Florian Schmidts Verwaltung will dann im ersten Quartal oder ersten Halbjahr 2020 der BVV einen oder zwei Entwürfe vorlegen: Sie sollen Essenz der Ergebnisse aus Open-Air-Galerie und Befragen darstellen. Elemente etwa, die in allen ausgestellten Entwürfen auftauchen, so Felix Weisbich, Straßen- und Grünflächenamtsleiter, zum Procedere, würden voraussichtlich auch in den finalen Versionen auftauchen.

Eine Realisierung nach Planung, Finanzierungsmaßnahmen und Umsetzung sagte Schmidt vorsichtig binnen drei Jahren voraus.

Auf der Bergmannstraße blieben da am Montag trotz des Wetters viele Passanten stehen und studierten die Aushänge. Vielleicht, so sagte Schmidt, werden die Parklets in den nächsten Tagen zum Austauschort von Anwohnern über die Zukunft im Kiez.