Verkehr

Poller für Radwege bremsen E-Busse aus

Das Bezirksamt lässt Poller an der Tamara-Danz-Straße in Friedrichshain aufstellen. Die blockieren die Haltestelle für den Bus 300.

Der User Ostkreuzblog zeigt auf  Twitter Poller vor der Bushaltestelle der Linie 300.

Der User Ostkreuzblog zeigt auf Twitter Poller vor der Bushaltestelle der Linie 300.

Foto: Twitter / Ostkreuzblog

Berlin. Erst Anfang August haben die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) ihre Buslinie 300 gestartet. Auf der Strecke zwischen dem S- und U-Bahnhof Warschauer Straße und dem Potsdamer Platz sollen – gut sichtbar vor allem für Berlin-Besucher – die frisch angeschafften Elektrobusse unterwegs sein. Doch nun wurde das Prestigevorhaben von einem anderen Vorzeigeprojekt der rot-rot-grünen Berliner Verkehrspolitik zeitweise ausgebremst.

Um Radfahrer besser vor Falschparkern zu schützen, gehen Senatsverkehrsverwaltung und Bezirksämter zunehmend dazu über, auf der Straße markierte Radstreifen mit Pollern abzutrennen. Solche auch als Leitboys bezeichneten Poller sind jetzt auch auf der Tamara-Danz-Straße in Friedrichshain aufgestellt worden. Ende voriger Woche erreichten die Bautrupps auch den Bereich, in dem die östliche Endhaltestelle für die BVG-Buslinie 300 eingerichtet ist.

Hintergrund: Poller schützen Radfahrer vor Falschparkern

BVG-Bus 300 konnte wegen Leitboys nicht an Bordstein fahren

Die Leitboys verhinderten nun allerdings, dass die Busse an den Bordstein heranfahren konnten, Fahrgäste konnten so weder sicher ein- noch aussteigen. Die BVG reagierte darauf mit einer Verkürzung der Linie 300, ab Freitagmorgen endeten die Fahrten drei Stationen vor dem eigentlichen Ziel. Über den Kurznachrichtendienst Twitter teilte die BVG mit, dass der Bus 300 „wegen einer Behinderung im Haltestellenbereich bis auf weiteres nicht zwischen S Ostbahnhof und S+U Warschauer Str.“ fahren kann.

Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. „Mit eurem Tempo verblüfft ihr mich immer wieder, BVG_Kampagne. Stellt ihr heute schon auf E-Scooter um?“, fragte ein Nutzer via Twitter nach. Er wollte weiter wissen: Was für eine Behinderung liege denn vor? Habe dies etwas mit dem Radstreifen zu tun? Die Antwort der BVG: „Ja, genau das ist der Grund. Wann dort wieder ein Bus fahren kann wissen wir nicht, da wir die Poller nicht hingestellt haben und sie auch nicht entfernen dürfen.“

Bezirksamt reagiert schnell: Poller am Radweg schon wieder abgebaut

Immerhin: Die Aufregung erreichte auch den zuständigen Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne). Der sicherte noch am Freitag zu, dass das Problem beseitigt werde. Und das geschah mit einer für Berliner Verhältnisse atemberaubender Geschwindigkeit: Noch am selben Tag wurden die Leitboys im Haltestellenbereich demontiert, seit Sonnabendvormittag kann der 300er-Bus wieder auf der angestammten Route fahren.

Für den Berliner Fahrgastverband Igeb ist der Vorfall allerdings mehr als nur eine Posse. „Auch an anderen Stellen in Berlin kommen sich Radfahrer und Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel häufig in die Quere“, beklagte Igeb-Sprecher Jens Wieseke. Vielfach würden Radwege direkt vor den Wartebereichen entlang führen. Fährt dann der Bus oder eine Straßenbahn ein, müssten die Fahrgäste sehen, wie sie heil hinüber kommen.

Auf der anderen Seite macht gerade ein Video im Internet die Runde, wo zu sehen ist, wie ein BVG-Busfahrer beim Einschwenken in eine Haltestelle einem Radfahrer brutal den Weg abschneidet. „Die Verkehrssenatorin ist dringend aufgefordert, eine Lösung zu finden, mit der die Gefahren für beide Gruppen von Verkehrsteilnehmern verringert werden“, forderte Igeb-Sprecher Wieseke.