Drogen-Problem

Görlitzer Park: So soll der Drogenverkauf gestoppt werden

Im Görlitzer Park nahm der Drogenhandel massiv zu. „Das ist natürlich ein Problem“, sagt Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann.

Polizeibeamte kontrollieren mit einer Hundertschaft im und um den Görlitzer Park in Berlin-Kreuzberg mutmaßliche Dealer (Archivbild).

Polizeibeamte kontrollieren mit einer Hundertschaft im und um den Görlitzer Park in Berlin-Kreuzberg mutmaßliche Dealer (Archivbild).

Foto: imago stock&people / imago/Christian Mang

Berlin. Es ist eine innerstädtische Idylle, durch die Stadtreinigung auffallend sauber gehalten, ideal für Spaziergänge, Familientreffen, Unternehmungen mit den Kindern. Stattdessen schreckt der Görlitzer Park viele Berliner ab. Bezirk, Land und Polizei bekommen das Problem nicht in den Griff: Drogenhändler säumen viele Wege und bieten offen Cannabis an. Nachbarn berichten, dass zunehmend harte Drogen zu haben sind.

Zu den dortigen Zuständen befragt, zeigt sich die Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Monika Herrmann (Grüne) gegenüber der Berliner Morgenpost überzeugt, dass es die eine, allumfassende Lösung des Drogen-Problems nicht gibt. Nicht einmal hartes Durchgreifen der Polizei habe gewirkt. „Alle durchgeführten Razzien führten nicht zum erhofften Erfolg“, so Herrmann.

Görlitzer Park: Drogenhandel „ein Grund, den Park nicht zu besuchen“

Warum ihrer Meinung nach der Görlitzer Park so verrufen ist? Herrmann räumt da zunächst einmal ein, dies sei bei einigen Anwohnern und Berlinern tatsächlich der Fall. Aber: „Bei anderen ist er nach wie vor sehr beliebt.“ Der Park werde von Hundebesitzern genutzt und von Eltern mit Kinderwagen und Kleinkindern. Es gebe Sportgruppen und Menschen, die im Park picknicken. „An sonnigen Nachmittagen ist der Park voll von Menschen, die ihn gern nutzen“, meint Herrmann.

Was ihn für viele in Verruf bringt, sei ein Drogenhandel, der seit Jahrzehnten zur Realität des Görlitzer Parks gehöre und in den vergangenen Jahren noch einmal massiv zugenommen habe. „Für manche Parknutzer und Parknutzerinnen ist das Spalierstehen der Drogendealer an den Eingängen eine Belastung, beziehungsweise ein Grund, den Park nicht zu besuchen oder zu durchqueren“, sagt Herrmann. „Das ist natürlich ein Problem.“ Die Dominanz des Drogenhandels an den Eingängen und Wegen schränke die Möglichkeiten der Parknutzung ein, vor allem abends.

Hintergrund: Zu viel Gras im Görlitzer Park

Parkrat fordert Sozialarbeiter für die Dealer im Görlitzer Park

Wer mit Besuchern spricht, erfährt, dass sie etwa die aufdringliche Art der Dealer stört, Passanten zu fragen, ob sie etwas kaufen möchten. Die Männer reden und rufen laut über Wege und Wiesen hinweg, lassen Boomboxen laufen. Auseinandersetzungen mit rivalisierenden Dealern anderer Nationalitäten kommen hinzu. Polizisten, die im Park Streife fahren, sprechen von einem 50-prozentigen Anstieg schwerer Körperverletzungen gegenüber dem ersten Vergleichsquartal 2018, allerdings unter Einbezug des Umfelds des Parks, vor allem des Görlitzer Bahnhofs. Bislang sei niemand dieses Problems Herr geworden, sagt Herrmann. „Selbst die Null-Toleranz-Politik des vorigen Innensenators Henkel war erfolglos.“

Nach einer realistischen Ideal-Situation für einen harmonisch funktionierenden Park gefragt, die auch in der breiten Öffentlichkeit Akzeptanz fände, verweist sie auf das, was in einem 2016 erstellten „Handlungskonzept“ zum Umgang mit der Situation vorgelegt wurde. Der inzwischen gegründete Parkrat fordert entspechend Sozialarbeiter, die sich um die Dealer kümmern und drängt auf einen Weg, den Männern reguläre Arbeit anzubieten. Was der Parkrat stets unterstreicht, betont auch Herrmann: Das Handlungskonzept positioniere sich „gegen Ausgrenzung einzelner Gruppen im Park“. Gemeint sind da auch die Dealer. Sie gelten mehrheitlich als geflüchtete Afrikaner ohne Aufenthaltsgenehmigung. Das Handlungskonzept war von Verwaltungsmitarbeitern des Bezirksamtes, Anwohnern und sozialen Trägern erarbeitet worden.

Herrmann: Polizei muss Drogenhandel im Görlitzer Park regelmäßig stören

Zum Thema Drogenhandel fügt Herrmann hinzu, dass Kriminalitätsbekämpfung „im Park, wie auch überall anders in Friedrichshain-Kreuzberg, Aufgabe der Polizei“ sei - die nicht dem Bezirksamt unterstellt ist. Allerdings gebe es zwischen Polizei und Bezirksamt regelmäßige Rücksprachen, auch was den Görlitzer Park betrifft. „Wichtig ist, dass die Polizei mit ihren Einsatzkräften den Drogenhandel im Park regelmäßig und kontinuierlich stört und die Verstecke der Waren aushebt, idealerweise auch mit entsprechenden Suchhunden“, so Herrmann. Sie befürworte zudem einen kontrollierten Verkauf von Cannabis, um den illegalen Handel einzudämmen.

Herrmann hebt die Rolle des 2018 gewählten Parkrats für die Gestaltung des Parks hervor. Mit dem Bezirksamt entwickelt die Gruppe Ideen und Projekte, um den Park so weiterzuentwickeln, so dass er attraktiv für alle Anwohner ist. „Die Kompetenzen und Möglichkeiten des Bezirks sind hier aber beschränkt“, sagt Herrmann, „da viele Änderungen, gerade was den Drogenhandel betrifft, auf Bundes- und Landesebene umgesetzt werden müssen.“