Gewobag

Berlin kauft 670 Wohnungen an der Karl-Marx-Allee

Nach monatelangen Verhandlungen kauft das Land Bestände in der Karl-Marx-Allee auf und kommt der Deutsche Wohnen zuvor.

Plakate gegen den Verkauf von Mietwohnungen an die Deutsche Wohnen in der Karl-Marx-Allee (Archivbild).

Plakate gegen den Verkauf von Mietwohnungen an die Deutsche Wohnen in der Karl-Marx-Allee (Archivbild).

Foto: Christoph Soeder / dpa

Berlin. Das Land Berlin kauft rund 670 Wohnungen in der Karl-Marx-Allee von einem privaten Eigentümer. Sie werden von der kommunalen Gesellschaft Gewobag übernommen, wie die Senatskanzlei am Montag mitteilte. Ursprünglich wollte die Firma Predac als bisheriger Eigentümer die Wohnungen an den Konzern Deutsche Wohnen veräußern, der in Berlin bereits 112.000 Einheiten besitzt. Dies hatte Ende vergangenen Jahres Proteste bei den Mietern ausgelöst, weil sie starke Mieterhöhungen fürchteten.

In einer spektakulären Aktion versuchte das Land daraufhin, der Deutsche Wohnen die in den 90er Jahren privatisierten Wohnungen in der einstigen DDR-Prachtmeile wegzuschnappen. Der Senat entwickelte dazu zunächst ein kompliziertes Modell, um die Mieter bei der Ausübung eines Rückkaufrechtes zu unterstützen. Die Idee: Die Mieter kaufen ihre Wohnungen und reichen sie direkt an die Gewobag weiter. In den drei Gebäuden zogen bis zu 46 Prozent der Haushalte dabei mit.

Parallel dazu versuchte das Land weiterhin, alle Wohnungen möglichst komplett in kommunalen Besitz zurückzuführen. Dazu gab es zum einen juristische Auseinandersetzungen vor Gericht, zum anderen auch hinter den Kulissen Gespräche mit Predac und Deutscher Wohnen. Dies führte nun zum Erfolg.

Berlin kauft Wohnungen an der Karl-Marx-Allee - Senatorin Lompscher: „Großartiger Erfolg“

„Ich möchte, dass die Berlinerinnen und Berliner sich das Wohnen in der Stadt auch weiterhin leisten können. Wohnen ist eine zentrale soziale Frage in fast allen Großstädten“, erklärte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) zu dem Deal. „Deshalb war und ist es meine feste Absicht, dort wo es geht, Wohnungen zu kaufen, damit Berlin wieder mehr Kontrolle über den Wohnungsmarkt erlangt. Diese 670 Wohnungen sind ein erster, guter Schritt in diese Richtung.“

Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) erklärte: „Das ist ein großartiger Erfolg von Senat, Bezirk und Mieterbeirat und eine gute Nachricht für alle Mieterinnen und Mieter, die mit ihrem engagierten Kampf gegen eine Übernahme der Bestände durch die Deutsche Wohnen und ihre Bereitschaft für unkonventionelle Wege zur Rekommunalisierung maßgeblich zum Gelingen beigetragen haben.“

Wohnungsunternehmer sehen Kauf skeptisch

Der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) sieht die Rekommunalisierung der rund 670 Wohnungen skeptisch. Zwar könnten Wohnungsankäufe durch das Land im Einzelfall sinnvoll sein, wenn der Preis stimme, sagte BBU-Vorstand Maren Kern der Deutschen Presse-Agentur. Klar sei aber auch: „Ein solches Vorgehen schafft keine einzige neue Wohnung. Das wird das Wohnungsproblem in Berlin nicht lösen. Hier hilft nur Neubau.“ Außerdem könne man jeden Euro nur einmal ausgeben, mahnte Kern. Aktuell sei das finanzielle Polster des Landes womöglich gut. „Das kann sich aber ändern.“

Im BBU sind private und kommunale Wohnungsunternehmen ebenso organisiert wie genossenschaftliche oder kirchliche Vermieter.