Open Air

Bergmannstraßenfest: Feiern außerhalb der Begegnungszone

Gute Musik, gute Küche, gute Umgebung: Das Programm des Bergmannstraßenfests im Juni steht. Es zieht ein paar Hundert Meter weiter.

Das Bergmannstraßenfest findet 2019 nicht am angestammten Ort statt.

Das Bergmannstraßenfest findet 2019 nicht am angestammten Ort statt.

Foto: Eventpress Mueller Stauffenberg / picture alliance

Berlin.  Lange war völlig offen, ob es stattfinden würde. Das Bergmannstraßenfest drohte in diesem Juni auszufallen. Denn die Erprobung der dortigen Begegnungszone mit ihrer schweren Straßenmöblierung wie Parklets, Fahrradbügeln und Fahrbahnübergängen kollidierte mit dem Raumbedarf der Veranstalter. Das sorgte auch in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) von Friedrichshain-Kreuzberg für folgenreiche Auseinandersetzungen. Zuletzt ließen sich dennoch alle Hürden beiseite räumen und ein Ausweichstandort finden. Nun ist das neue Programm da. In diesem Jahr gilt ausnahmsweise: Willkommen zum Bergmannstraßenfest – in der Kreuzbergstraße.

Wie jedes Jahr seit 1994 spielen 50 Bands am letzten Wochenende im Juni, diesmal von Freitag, dem 28. Juni bis Sonntag, dem 30. Juni. Allerdings sollen die täglich mehrere zehntausend Besucher nicht zwischen Zossener Straße und Mehringdamm ihr Open Air-Erlebnis bekommen. 2019 stehen Bühnen auf der Verlängerung der Bergmannstraße: Die Kreuzbergstraße wird eingerahmt von Bühnen an der Katzbachstraße und am Mehringdamm. Hinzu kommt eine Bühne an der Möckernstraße sowie eine Theaterbühne an der Großbeerenstraße. Dort ist am Sonnabend und am Sonnabend von elf bis 13 Uhr auch Kinderprogramm.

Es gibt wieder exzellente Küche

Freunde gehobener Küche hatten sich bereits darauf eingestellt, auf das weiße Zelt der Spitzenköche verzichten zu müssen. Renommierte Gastronomen wie Herbert Beltle („Altes Zollhaus“) boten am Rand des Fests unter dem Titel „Kreuzberg kocht“ zu zivilen Preisen Kostproben ihres Könnens, mit guten Weinen und gepflegtem Ambiente an langen Bänken. Üblicherweise standen sie am Chamissoplatz.

Am neuen Standort war lange keine passende Lösung zu finden. Es hieß, sie würden sich in eine andere Location zurückziehen. „Nun werden sie an der Bühne Katzbachstraße sein“, sagt Manne Pokrandt, als Künstlerischer Leiter verantwortlich für das Musikprogramm. „Ich empfehle, sich Sonntag ab 15 Uhr dort für ein paar schöne Speisen und etwas zu trinken hinzusetzen, da dann drei ausgezeichnete Bands spielen“, so Pokrandt, der selbst Musiker, Studiobesitzer und langjähriger Soundmann des Bergmannstraßenfests ist.

Zu wenig Fläche wegen der Begegnungszone

Für die drei Tage gibt es keine öffentliche Finanzierung. Veranstalter Kreuzberg Festival e.V. bestreitet seine Unkosten durch Standgebühren von Händlern und Imbissanbietern. In der Bergmannstraße wären jedoch wegen der Begegnungszone 80 bis 90 Prozent der zu vermietenden Fläche fortgefallen. Vereinschef Toge Schenck hatte im Herbst vergangenen Jahres in Aussicht gestellt, dass es 2019 unter diesen Umständen kein Fest geben werde.

Erschwerend kam hinzu, dass sich der Verein, der das Fest 24 Jahre lang organisiert hatte, wegen zahlreicher Abgänge auflöste. Insbesondere der Verlust von Olaf Dähmlow schien problematisch. Als Chef des Kultlokals „Yorckschlösschen“ verfügt er über wichtige Kontakte zu Bands. „Die Gründung eines neuen Vereins hat uns enorm unter Zeitdruck gesetzt“, sagt Manne Pokrandt.

In der BVV sahen einige Bezirksverordnete mit Sorge, dass das Traditionsfest möglicherweise ausfällt. Hinzu kam eine zunehmende Ablehnung gegenüber der Begegnungszone. So wurde im Januar ein Antrag auf Abbruch der Testphase zu Ende Juli gestellt, um im Herbst das Straßenfest zu ermöglichen. Dieser wurde mehrheitlich beschlossen, eine Erschütterung, die über die Bezirksgrenzen hinaus spürbar war und in einem Missbilligungsantrag der BVV gegen Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne) im Mai gipfeln sollte.

Indes signalisierte der neue Veranstalter-Verein, man sei überhaupt nicht interessiert daran, das Straßenfest im Herbst stattfinden zu lassen, weil alle Bands und Händler auf den Termin im Juni eingestellt seien. Bezirksamt und Verkehrsverwaltung ebneten daraufhin den Weg, die Kreuzbergstraße zu bespielen.

Während Toge Schenck als Marktleiter die neuen Mietflächen ausmessen und in ein neues Standkonzept einarbeiten musste, bangt Manne Pokrandt jetzt, wie die Nachbarschaft in der Kreuzbergstraße auf die dort noch ungewohnte massive Beschallung reagieren wird. Dabei ist das Programm von gewohnt hoher Qualität. Auf der in diesem Jahr weit professionelleren Seite kreuzberg-festival.de können Besucher jetzt Hörproben der eingeladenen Künstler testen. Dies sind einige Highlights:

Freitag Roger & The Evolution spielen ab 19 Uhr auf der Bühne Mehringdamm mitreißenden Jumpin’ Jive im Stil von Louis Prima. Die Berliner Lokalhelden um Roger Radatz kommen in diesem Jahr in neuer Besetzung. Um 20.30 Uhr tritt dort die US-Combo Honey Island Swamp auf. Die Mitglieder fanden in San Francisco zusammen, nachdem sie wegen Hurrikan Katrina New Orleans verlassen hatten. Ihr erdiger Stil steht in der Tradition von Allman Brothers, Little Feat und The Band.

Auf der Theaterbühne Großbeerenstraße treten um 21 Uhr The Razzzones auf. Wer den instrumentlosen Beatbox-Stil mag, der in allen Genres wildert, ist hier genau richtig.

Sonnabend Um 18.30 Uhr stehen Eb Davis & The Superband auf der Bühne Mehringdamm. Der Mann, der seit mehr als zehn Jahren offizieller Blues-Botschafter des US-Bundesstaats Arkansas ist, kommt mit sechs Musikern und sorgt zuverlässig für kernige Grooves. Jeremie Johnson spielen um 19.30 Uhr an der Möckernstraße elektronisch-dancige Popsongs, was in einem eher amerikanisch-rootsigen Festival eine schöne Ausnahme darstellt. Wer unter 17 Jahren ist, fühlt sich beim Mann aus Dubai, der unter anderem über Schwulenrechte und Gleichberechtigung singt, garantiert wohl.

Um 20.30 Uhr spielen an der Katzbachstraße Will Jacobs und die Marcos Coll Band. Mundharmonika-Mann Jacobs lebt seit 2016 in Berlin und pflegt hier den Chicago Blues. Er wird durch den mexikanischen Gitarristen Emiliano Juarez verstärkt.

Sonntag Neben dem Gourmet-Zelt sind ab 15 Uhr einige der herausragenden Künstler des Festival-Wochenendes zu erleben: Um 15 Uhr spielt die Gene Caberra Band Stücke ihres Debütalbums „Attic Tape“: ausgezeichnete Musiker mit einem Mix aus Blues, Rock, R&B und Pop, der manchmal sogar an Steely Dan erinnert.

Anschließend treten dort der Australier Pugsley Buzzard und der Berliner Schlagzeuger Micha Maass auf. Zusammen spielen sie einen New Orleans Voodoo Boogie mit Anleihen bei Tom Waits und Dr. John. Willie And The Bandits aus dem britischen Cornwall liefern ab 18.30 Uhr gitarrenlastigen Rock mit Mut zur Pose und ohne Angst vor erhöhtem Lautstärkepegel. Am Mehringdamm treten derweil um 18.30 Uhr Mi Solar auf. Die 2004 gegründete Combo spielt partytaugliche moderne kubanische Musik, Klassiker und Eigenkompositionen, von Salsa bis Latin-Jazz.