Stadtentwicklung

Wohnen auf dem Dragoner Areal in weiter Ferne

Auf dem ehemaligen Kasernengelände werden frühestens 2021 die Bagger für den Wohnungsbau anrollen. Die Gründe sind vielfältig.

Die Geschäftsführer der landeseigenen Immobiliengesellschaft BIM, Sven Lemiss (l.) und Birgit Möhring (r.) besichtigen das Dragoner Areal in Kreuzberg. In der Mitte: Die Chefin des Clubs Gretchen, Pamela Schobeß, die die Interessen der Gewerbetreibenden auf dem Gelände vertritt. 

Die Geschäftsführer der landeseigenen Immobiliengesellschaft BIM, Sven Lemiss (l.) und Birgit Möhring (r.) besichtigen das Dragoner Areal in Kreuzberg. In der Mitte: Die Chefin des Clubs Gretchen, Pamela Schobeß, die die Interessen der Gewerbetreibenden auf dem Gelände vertritt. 

Foto: Isabell JürgenS

Berlin. Auf dem ehemaligen Areal der Dragoner Kaserne in Kreuzberg werden frühestens im Jahr 2021 die Bagger für den dringend benötigten Wohnungsbau anrollen. Das stellte Birgit Möhring, Chefin der landeseigenen Immobiliengesellschaft BIM, am Donnerstag klar. Zum einen sei das knapp 50 Hektar große Gelände zwischen Mehringdamm und Obentrautstraße noch immer nicht im Eigentum des Landes Berlin.

Zudem gebe es im eigens eingerichteten Gründungsrat für das Bebauungsvorhaben, in dem Vertreter der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg sowie ansässige Gewerbetreibende vertreten sind, „schwierige Diskussionen um die Ziele des Bebauungsplans“, sagte Möhring bei einem Ortstermin auf dem Areal. So sei noch immer nicht klar, wie viele Wohnungen auf dem Gelände überhaupt entstehen sollen.

Zahl der Wohnungen nach unten korrigiert

Anfang des Jahres hatte Berlins Finanzsenators Matthias Kollatz (SPD) noch von 700 Wohnungen gesprochen. Nach Protesten lokaler Akteure und des Bezirks sprach seine Staatssekretärin Margaretha Sudhof, die zugleich auch die Aufsichtsratsvorsitzende der BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH ist, am Donnerstag „aus heutiger Sicht von mehr als 500 Wohnungen“. Das Areal solle als innerstädtische Fläche für bezahlbaren Wohnraum und Gewerbe gesichert werden. Eine städtebauliche Neuordnung mit dem Ziel, ein Projekt für preisgünstiges Wohnen und Arbeiten umzusetzen, werde in enger Kooperation zwischen Senat, Bezirk, BIM, der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft WBM sowie Vertretern der Zivilgesellschaft, Anwohnern und Gewerbetreibenden in den nächsten Monaten herausgearbeitet, versprach Möhring.

Gewerbetreibende fürchten Lärmklagen

Bedenken gegen die dichte Wohnbebauung haben vor allem die derzeitigen Nutzer des Geländes. „Zu denen gehören viele kleine Autowerkstätten, aber auch ein Marmorwerk, die alle Lärm machen“, sagte Pamela Schobeß. Sie ist Betreiberin des Clubs „Gretchen“, der ebenfalls auf dem Areal angesiedelt ist. „Das Nebeneinander von Gewerbe und Wohnen ist nicht einfach unter einen Hut zu bringen“, so die Club-Chefin.

Stillstand seit vier Jahren

Mit fast 50.000 Quadratmetern ist das Dragoner-Areal eines der größten Grundstücksprojekte, an dem die BIM beteiligt ist. Bereits vor vier Jahren stoppte der Finanzausschuss des Bundestags auf Initiative des Berliner Finanzsenators den Verkauf an einen privaten Investor, der dort bis zu 2000 Wohnungen errichten wollte. Die Übertragung des Grundstücks an Berlin wurde dann im Rahmen des Hauptstadtfinanzierungsvertrag 2017 vereinbart. Dass das Areal nun noch immer nicht im Besitz Berlins ist, begründete Staatssekretärin Sudhof mit der noch ausstehenden Zustimmung des Berliner Abgeordnetenhauses und des Haushaltsausschuss des Bundestags. Mit beiden sei aber noch in diesem Jahr zu rechnen.