Quartier

RAW-Gelände: Investor bietet neues Kiezbad an

Ein Investor bietet dort ein neues Kiezbad an und stellt eine stylishe Freizeitlandschaft in Aussicht.

So stellen sich die Investoren ihr öffentliches Schwimmbad auf dem RAW-Gelände vor

So stellen sich die Investoren ihr öffentliches Schwimmbad auf dem RAW-Gelände vor

Foto: International Campus

Für das Kultur- und Party-Quartier des RAW-Geländes in Friedrichshain stehen jetzt vier erste neue Mieter fest. Sie werden ab dem kommenden Monat in das sogenannte „House of Music“ einziehen. Ein weiterer der drei Eigentümer des ehemaligen Bahnareals, International Campus (IC), wiederholte indes sein Angebot, auf dem Gelände ein öffentliches Schwimmbad zu errichten, das vor allem Vereinen, Schulen und Kitas zur Verfügung stünde.

Allerdings ist der schöne Vorschlag an gewichtige Bedingungen geknüpft. Eine Schwimmhalle rechne sich für die IC nur, wenn sie auf dem Areal eine „ausreichend große Gesamtfläche realisieren“ könne, sagte ihr Niederlassungsleiter Andreas Malich.

Das Bad befände sich im Untergeschoss eines geplanten Neubaus und würde ein 25 Meter langes Becken mit mehreren Bahnen umfassen. Es soll in einem öffentlich zugänglichen Innenhof mit natürlicher Beleuchtung auf dem östlichen Teil des Geländes im Bereich Revaler Straße/Modersohnstraße entstehen. Eine Animation der Pläne zeigt neben dem Hauptbecken Bereiche für Kinder, eine Galerie, viel Tageslicht und begrünte Wände. Und alles im stylishen Industrielook.

Ausweichen auf das Bad am Spreewaldplatz

Die IC stieße mit ihrem Angebot in eine klare Versorgungslücke im Bezirk. Aktuell werden zudem in absehbarer Zeit gar keine Hallenbäder zur Verfügung stehen. In Friedrichshain schloss im Oktober 2018 die Schwimmhalle Holzmarktstraße. Dort steht ein Neubau an. Schulen und Vereine mussten seitdem etwa auf das Wellenbad am Spreewaldplatz ausweichen. Dieses aber schließt im September für Sanierung und Modernisierung. Nach Einschätzung der Berliner Bäder Betriebe (BBB) bleibt es voraussichtlich zweieinhalb Jahre lang geschlossen. Das Baerwaldbad steht nicht zur Verfügung. In dieser Situation beabsichtigen die BBB auf dem Gelände des Sommerbades an der Prinzenstraße in Kreuzberg eine überdachte Ersatzlösung zu schaffen.

Das RAW-Schwimmbad wäre eines der Elemente im Gesamtprojekt der IC, die die öffentliche Akzeptanz des Vorhaben verstärken sollten. Auf 17.000 Quadratmetern sind neue Gebäude für Flächen für Büros, Coworking, Gastronomie und Einzelhandel vorgesehen. Als höchste Punkte wären laut Niederlassungsleiter Malich zehn Stockwerke ideal. Hinter ihm liegt ein mehrstufiges Dialogverfahren, bei dem Bedürfnisse und Wünsche von Anwohnern und Bürgerinitiativen einfließen sollten. Eingebunden waren neben ihnen Parteien, Investoren, derzeitige Nutzer und Kulturmacher. Ein Abschlussbericht, der an die Bezirksverordneten von Friedrichshain-Kreuzberg geht, wird in den kommenden zwei bis drei Wochen erwartet.

„Wir brauchen wir die Querfinanzierung“, sagt der Investor

Darüber hinaus will die IC mietpreisreduzierte Flächen stellen. Als Nutzer kommen etwa eine Kindertagesstätte und eine Schule infrage. Entstehen könnten dort auch Spielplätze, kommunale Begegnungsstätten, ein Marktplatz sowie Räume für sozialen Einrichtungen wie die Arbeiterwohlfahrt.

Insgesamt strebt Malich eine Geschossfläche von 45.000 bis 50.000 Quadratmeter an. „Wenn wir viel gemeinwohlorientierte Nutzung bieten, brauchen wir die Querfinanzierung etwa durch das Angebot von Büroraum“, so Malich, dessen in München ansässiges Unternehmen vor allem als Entwickler und Betreiber von Immobilien für Auszubildende, Studenten und Berufstätige gilt. Was auf der einen Seite nicht erwirtschaftet werden könne, fehle dann bei der Umsetzung der sozialen Vorhaben. „Und bei großen Einschnitten, würden der Bau und langfristig teure Unterhalt eines Schwimmbades fortfallen.“

Fitnessstudios mit Wellness- und Saunabereich

Wer es betreibt, darüber will Malich mit Land, Bezirk und BBB sprechen. Finde sich niemand, sei zu überlegen, ob IC dies selbst übernimmt. Kalkuliert werden sechs bis acht Bahnen sowie ein Flachbecken, um auch Kitas aufnehmen zu können. Sinnvoll sei es, ein Fitnessstudios zu integrieren, für das dann Wellness- und Saunabereiche geschaffen werden müssten. Die Preise werden sich am üblichen Eintritt Berliner Bäder orientieren, so Malich. „Wir wollen da kein Luxusbad bauen.“

Für das gesamte RAW-Gelände mit seinen sieben Hektar rechnet Malich mit einem Aufstellungsbeschluss in den nächsten zwei bis drei Monaten. Darauf folge ein etwa zweieinhalbjähriges Bebauungsplanverfahren sowie eine Bauzeit der IC-Projekte von zwei bis drei Jahren.

Versorgung mit Snacks und Getränken aus dem hauseigenen Späti

Den neuen Kulturcharakter des Areals kann man schon im kommenden Monat kennenlernen. Im House of Music. Es gehört zum rund 5,2 Hektar großen Anteil der Göttinger Kurth-Gruppe. Auf 4300 Quadratmetern der Radsatzdreherei des einstigen Reichbahnausbesserungswerkes (RAW) eröffnet ein neues Zentrum für Musiker und Livemusik.

Das Angebot ist groß. Bands und Solisten können dort schallisolierte Proberäume nutzen. Einige lassen sich in Tonstudios umwandeln. Die Versorgung mit Snacks und Getränken kommt aus einem hauseigenen Späti mit Café und Coworking-Möglichkeiten. Weitere Flächen werden für die Aus- und Weiterbildung von Musikern und Musikmanagern, für Workshops, Seminare und Konferenzen genutzt.

Effektgeräte für Gitarristen

Zu den ersten Mietern zählt noisy Musicworld aus Berlin. Es betreibt 23 Übungsräume, eine Schule für elektronische Musik, eine Tourbusvermietung, eine Agentur für Musikevents und die Musikschule „Jam School“. Zweiter großer Mieter ist das British and Irish Modern Music Institute (BIMM Institute Berlin). Es bietet Vollzeitstudiengänge etwa für Instrumente, Songwriting und Musikmanagement. Hinzu kommt „Music Pool“ das als Bildungsanbieter und Beratungsstelle tätig ist. „MOD Devices“ schließlich produziert Effektgeräte für Gitarristen.

Wer sich das neue Musikhaus auf dem RAW-Gelände anschauen möchte, hat am 1. April Gelegenheit dazu: Ab zehn Uhr ist zur Eröffnung der ersten bezogenen Räume geladen.

House of Music, Revaler Straße 99 , Friedrichshain, Tel. 21 23 78 21, mail@houseofmusic.berlin, www.houseofmusic.berlin